Fachstelle IDF / Codex

Fachstelle-IDF-Codex

Im Internationalen Milchwirtschaftsverband (International Dairy Federation IDF) sind über 50 Experten aus der Schweiz vertreten. Agroscope leitet im Auftrag der Branche die «Fachstelle IDF / Codex». Zusammen mit der Schweizerischen Milchkommission SMK sichert diese sowohl Interessensvertretung als auch Informationsfluss zwischen IDF, Experten und Schweizer Milch- und Käsebranche. Hier weist sie auf aktuelle Themen hin.

Neuigkeiten im Sommer 2021

Mit drei Vorträgen und fünf Postern trug Agroscope zum Gelingen des IDF Cheese Symposiums bei, organisiert von IDF Canada und der Université Laval, Québec, Kanada, mit total 480 Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Die Pandemie führte zur Verschiebung von Juni 2020 auf Juni 2021 in 100% virtueller Form. Die Mikrobiologie der Bildung von biogenen Aminen, Malz-Aroma in Käse und Aromaverteilung, Einflüsse auf die Lochbildung und Hochleistungs-qPCR waren die Agroscope-Themen. Das virtuelle IDF Nutrition Symposium am 11./12. Mai 2021 bot die Möglichkeit, die neusten wissenschaftlichen Erkenntnisse zu den Auswirkungen der Ernährung sowie den Milchprodukten auf nichtübertragbare Krankheiten, das Mikrobiom und das Immunsystem, sowie zum Beitrag von tierischen Lebensmitteln zu einer gesunden und nachhaltigen Ernährung zu erfahren. Das IDF Webinar über Nachhaltigkeit zeigte die IDF-Arbeiten in diesem interdisziplinären Bereich inkl. dem Lebensmittelpreis.



Agroscope präsentierte am IDF Cheese Symposium 2021 acht Studien

Forscherinnen und Forscher von Agroscope präsentierten drei Vorträge und fünf Poster am verschobenen, nun voll virtuellen IDF Cheese Symposium vom 7.-11.6.2021, organisiert von IDF Canada und der Université Laval: Biogene Amine in Raclette-Käse durch Morganella morganii, Einfluss von Rinde und Folien auf die Lochbildung in Käse Typ Swiss, Malz-Aroma in Raclette-Käse (Vorträge); Einfluss des Fettgehaltes auf die Lochbildung in Käse, Biogene Amine von Lactobacillus wasatchenis und Lochbildungsfehler, Niedriges Kontaminationsniveau von Lactobacillus parabuchneri verursacht bereits Histaminbildung, Entwicklung von High-Throughput qPCR zum Nachweis von käsequalitätsrelevanten Bakterien, Zonale Aromastoff-Verteilung in Gruyère-Käse (Poster). Französische INRAE-Forscher zeigten eine neuartige Käsetechnologie, mit der auch Hartkäse umwelt-nachhaltiger und mit hoher Ausbeute innert vier Tagen hergestellt und genussreif ist. Ultrafiltration und mehrere fermentierte Aromakultur-Basen sind zentrale Elemente.

https://fil-idfcheese2020.com/en/program/  

Ansprechperson


Gesunde und nachhaltige Ernährung am IDF Nutrition Symposium 2021

Milch und Milchprodukte helfen bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen ein gesundes Körpergewicht zu erreichen und zu erhalten. Sie helfen bei der Vorsorge und der Behandlung von Diabetes Typ 2 und beim Aufbau und Erhalt einer gesunden Knochenstruktur. Als Lieferanten von hochwertigen Proteinen fördern sie zusammen mit körperlichen Aktivitäten die Muskelsynthese bis ins hohe Alter.

Zur Vorbeugung von Dickdarmkrebs spielen Milchprodukte eine wichtige Rolle, da sie mit zunehmender Konsummenge das Risiko einer Erkrankung vermindern. Ausser bei Prostatakrebs können Milchprodukte präventiv gegen Krebserkrankungen wirken.

Bei den meisten Zusammenhängen mit nicht-übertragbaren Krankheiten, insbesondere auch für Herz-Kreislauf-Erkrankungen sind weitere klinische und Langzeit-Interventionsstudien nötig, um den Einfluss zu bestimmen und den Mechanismus zu verstehen.

Tierische Produkte werden mit einer schlechten Klimabilanz in Verbindung gebracht, was auf das kg Produkt bezogen auch stimmt. Werden die Berechnungen pro Energie- oder Nährstoffdichte erhoben, dann wird die Bilanz insbesondere für Milch und Milchprodukte deutlich besser und sie rücken in den Bereich der pflanzlichen Lebensmittel.

Deshalb sollte eine nachhaltige und gesunde Ernährung pflanzenbasiert sein und mit tierischen Produkten optimiert werden.

In Zusammenhang mit der Covid-19 Pandemie ist das Darmmikrobiom und die Immunabwehr in den Fokus gerückt. Verschiedene Vitamine (z.B. Vitamin D), Mineralstoffe (u.a. Zink), einige Amino- und Fettsäuren sowie Polyphenole, Beta-Glucane, Prae- und Probiotika spielen eine wichtige Rolle für ein starkes Immunsystem. Insbesondere fermentiere Lebensmittel und Milchprodukte sind wichtige Lieferanten dieser Nährstoffe und damit Unterstützer eines starken Immunsystems zum Schutz vor Infektionen wie dies durch das SARS-CoV-2 Virus hervorgerufen werden kann.


IDF Webinar zur Nachhaltigkeit am 18. Mai 2021

Agricultural GHG emission projectoins under the six scenarios - exludes mitigation actions (Source: FAPRI-Ireland Model)

IDF hat 2016 am World Dairy Summit in Rotterdam das Versprechen der Nachhaltigkeit unterschrieben. Verschiedene im Milchsektor aktive Firmen und Länderverbände haben sich inzwischen verpflichtet, das Pariser-Klimaziel «Net Zero by 2050» einzuhalten (USA, Arla Foods, Nestlé, Fonterra), teilweise sind auch Zwischenziele definiert (Nestlé: 20% Reduktion bis 2025, 50% bis 2030). In der Verarbeitung setzt Nestlé auf erneuerbare Energien, und bei den Lieferanten ihrer landwirtschaftlichen Rohstoffe, welche 70% der Klimagasemissionen ausmachen, auf regenerative Landwirtschaft welche auf Biodiversität, Bodengesundheit und Wasserkreislauf basiert. Dieses Jahr am UN Food System Summit im September bietet sich eine Möglichkeit und die Verpflichtung, die bisherigen Anstrengungen zu bilanzieren und Aktionen zu konkretisieren. IDF arbeitet zusammen mit der GDP (Global dairy platform) an der Initiative «Net Zero – Pathways to Low Carbon Dairy». Dazu wird aktuell die Methodologie der Quantifizierung der Treibhausgas-Emissionen aktualisiert und bis Ende Jahr als IDF-Bulletin publiziert, Beispiele der guten Praxis werden geteilt und die Zusammenarbeit mit der FAO und weiteren Akteuren gefördert. Die Bedeutung von Ökosystemdienstleistungen der Milchbranche will IDF vermehrt anhand von Fallbeispielen kommunizieren, eine vergleichbare Quantifizierung ist bisher jedoch nicht möglich. Die Ausarbeitung eines Indikators für die mikronährstoffbasierte Beurteilung der Umwelt-, Gesundheits- und Preisnachhaltigkeit von Lebensmitteln ist Ziel einer IDF-Arbeitsgruppe. Werden elf Nährstoffe so bewertet, so weist Vollmilch einen kleineren oder gleichen CO2-Fussabdruck auf wie pflanzliche Emulsionen verkauft in der Nähe des Milchregals. Der Preis dieser pflanzlichen Produkte ist wesentlich höher, ausser bei Discountern.

Optimeal®-Werkzeug berechnet Treibhausgas-Emissionen und Lebensmittelpreis (NL)

Ansprechperson