Extensive Beweidung von gestuften Waldrändern

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© Szerencsits Erich

In den rund 25’500 km langen Waldrändern des Schweizer Mittellandes liegt grosses Potenzial für die ökologische Aufwertung. Im Kulturland findet man oft eine scharfe Grenze zwischen Wald und Offenland mit einer geringen Artenvielfalt. Vereinzelt werden diese Waldränder heute maschinell ausgelichtet, um strukturreiche Lebensräume zu schaffen und die Landschaft aufzuwerten. Agroscope plant deshalb das Projekt «Extensive Waldrandweide», in dem untersucht wird, ob eine extensive Beweidung die maschinellen Eingriffe reduzieren kann, um Ränder zu öffnen und das erneute Zuwachsen zu verhindern. Diese nachhaltige Landnutzung vereint traditionelle Waldnutzung mit modernen Umweltschutzansätzen, um die Biodiversität zu fördern und Biotope besser zu vernetzen.

Abnahme der Biodiversität

Trotz vielfältiger Bemühungen steigt die Zahl gefährdeter Tier- und Pflanzenarten in der Schweiz weiter an. Laut Bundesamt für Umwelt sind 35% aller Arten gefährdet oder bereits ausgestorben, während weitere 12% potenziell gefährdet sind. Das Bundesamt für Umwelt hat festgestellt, dass auch die Biodiversität im Wald stark abgenommen hat. Es fehlen vielfältige Strukturen wie gestufte Waldränder, lichte Wälder, feuchte Waldstellen sowie Alt- und Totholz. Für das Mittelland werden bis 2030 Massnahmen zur Förderung gestufter Waldränder verlangt.

Potential des gestuften Waldrands

Ein aufgewerteter und strukturreicher Waldrand dient als ökologisch wertvolle Übergangszone, in der eine Durchmischung zwischen Wald und Offenland stattfindet. Dadurch entstehen Standorte mit einzigartigem Mikroklima, beeinflusst von verschiedenen Faktoren wie Sonneneinstrahlung, Temperatur, Wasser- und Nährstoffverfügbarkeit und Wind.

Strukturreichtum durch Beweidung

Die Beweidung trägt dazu bei, die Heterogenität zu fördern und ein strukturreiches Habitat für eine Vielzahl von Lebewesen zu schaffen. Der selektive Frass drängt schmackhafte Arten zurück und ermöglicht das Aufkommen von dornigen Arten, was für Rückzugsmöglichkeiten für Kleintiere und Insekten sorgt und ein breiteres Nahrungsangebot bietet. Durch die Beweidung entsteht eine erhöhte Lichteinstrahlung, die wärmeliebende Arten begünstigt, während der Dung der Tiere die Verbreitung von Dungfauna fördert. Gleichzeitig werden durch die Tiere Samen verbreitet.
 

Vier Aspekte werden im Projekt «Waldrandweide» untersucht:

Biodiversität

  • Welchen Einfluss hat die Beweidung der Waldränder auf die Biodiversität bei unterschiedlichen Standortbedingungen?
  • Wie unterscheidet sich die Beweidung von der maschinellen Auslichtung in ihrer Auswirkung auf die Biodiversität?

Tierwohl

  • Wie wirkt sich die Waldrand-Beweidung auf die Weidetiere aus?

Walderhaltung

  • Welchen Einfluss hat die Waldrand-Beweidung auf die Walderhaltung?

Ökonomie

  • Welche Kosten entstehen durch diese Nutzform für Land- und Forstwirtschaft?
  • Können maschinelle Folgeeingriffe durch die Beweidung reduziert werden?

Design

Für das Design werden im Mittelland 16 Betriebe gesucht, die einen gestuften Waldrand einrichten wollen. In diesem Waldrand werden vier Vorgehensweisen getestet: (1) Nur maschinelle Auslichtung, (2) nur Beweidung, (3) maschinelle Auslichtung gefolgt von Beweidung, (4) weder maschinelle Auslichtung noch Beweidung. Agroscope misst die verschiedenen Parameter (Biodiversität, Waldrandqualität, Walderhaltung, Tierwohl Wirtschaftlichkeit, Soziale Akzeptanz, etc.) unmittelbar vor und nach der Aufwertung, sowie 1 Jahr und 5 Jahre später. Die Beweidung soll mit Kühen/Rinden erfolgen. Folgende Kriterien sollen erfüllt sein: ein Waldrand (min 25m tief) mit einer Länge von min. 200m lang (mehrere Teilstücke möglich) mit einer an den Waldrand angrenzenden Wiese/Weide (min. 20m tief).

Gestufter und ungestufter Waldrand

Zeitplan des Projekts

Zeitplan des Projekts

Letzte Änderung 16.07.2024

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