Wildbienen und Bestäubung

Medienmitteilung

Wildbienen fliegen für die Forschung

Was stresst Wildbienen? Sind es gewisse Pflanzenschutzmittel? Oder das Fehlen nährstoffreicher Nahrung? Ist es eine Kombination davon? Fachleute in ganz Europa gehen diesen Fragen nach, auch bei Agroscope.                

Kurzbeschrieb PoshBee

Das EU-Horizon-2020-Projekt PoshBee (Pan-european assessment, monitoring, and mitigation of Stressors on the Health of Bees) will von 2019 bis 2023 wissenschaftliche Grundlagen für effiziente Massnahmen zum Bienenschutz erarbeiten und umsetzen. Sowohl Honigbienen wie auch Wildbienen (Hummeln und solitäre Wildbienen) stehen im Fokus. Am Agroscope-Standort Reckenholz arbeitet man mit Honigbienen, Erdhummeln und insbesondere mit solitären Mauerbienen.

Im Zentrum stehen Stressfaktoren – etwa der Einfluss von Pflanzenschutzmittel, von unterschiedlicher Habitats- und Nahrungsqualität sowie von Krankheiten, die möglicherweise via Honigbienen auf Wildbienen (und umgekehrt) übertragen werden. Darüber hinaus will man auch mehr über das Zusammenspiel der untersuchten Stressfaktoren herausfinden.

Angeschaut werden mögliche Effekte auf die Sterblichkeit von Bienen in allen Lebensstadien (Larven, Adulte), auf den Fortpflanzungserfolg und die Fitness der Bienen, auf ihre Orientierungsfähigkeit und Bestäubungsleistung.

Ziel ist es, herauszufinden, welche praxistauglichen Massnahmen die Bienen gesund erhalten. Zudem sollen Tools entwickelt werden – etwa eine proteinbasierte HealthCard für Bienen, damit man im Labor rasch den Stresslevel und die Belastung durch Stressfaktoren erkennen kann.

Wer ist am Projekt beteiligt?
42 Partner aus ganz Europa; neben Forschungsinstitutionen sind auch Imker- und Bauernverbände, NGOs etc. dabei. Nur so gelangen Massnahmen schnell in die Praxis.

Woher kommt das Geld?
EU-Horizon-2020-Forschungsprogramm, www.poshbee.eu

Wer hat den Lead?
Royal Holloway and Bedford New College, London UK 

Bild_1_Wildbiene fliegt Kirschblüte an
Wildbienen sind wichtige Bestäuber vieler landwirtschaftlicher Kulturen.

Honigbienen, Wildbienen und andere Bestäuberinsekten spielen eine zentrale Rolle in Agrarökosystemen. Die Bestäubung durch Bestäuber kann zur Verbesserung des landwirtschaftlichen Ertrags von rund 75% der global bedeutendsten landwirtschaftlichen Nutzpflanzen beitragen. Diese Bestäubungsleistungen werden auf jährlich über 153 Mia Euro geschätzt. Daneben sind ca. 80% der Wildpflanzen auf eine Bestäubung durch Bestäuber angewiesen oder profieren zumindest davon. Wildbienen und andere Bestäuberinsekten wie Schwebfliegen und andere Fliegenfamilien, oder auch Schmetterlinge, sind sehr vielfältige und artenreiche Organismengruppen und tragen damit erheblich zu einer hohen Biodiversität von Agrarlandschaften bei. Insbesondere Wildbienen sind auf blüten- und kleinstrukturreiche, vernetzte Lebensräume angewiesen, was sie zu guten Indikatoren für den Zustand der Biodiversität in Agrarlandschaften macht. Durch diese relativ hohen Lebensraumansprüche, sowie möglicherweise Belastungen durch Pestizide und weiteren Stressfaktoren, sind jedoch viele Wildbienen und anderer Bestäuberinsekten in intensiv bewirtschafteten Agrarlandschaften gefährdet.
Wir untersuchen die Auswirkungen des Zusammenspiels verschiedener solcher Gefährdungsursachen auf Wildbienen und andere Bestäuber, wie sich diese auf die Erbringung von Bestäubungsleistungen für landwirtschaftliche Kulturen auswirkt, und mit welchen Massnahmen Bestäuber und Bestäubungsleistungen effektiv gefördert werden können in Agrarökosystemen.

Bild_2_Markierte Osmia bicornis an Rapsblüte
Markierte Wildbiene (Osmia bicornis) auf Rapsblüte

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Bild_2_Markierte Osmia bicornis an Rapsblüte

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Das Zentrum für Bienenforschung ist Bestandteil der Agroscope in Liebefeld-Bern. Das Zentrum arbeitet im Rahmen der landwirtschaftlichen Forschung des Bundes für die Bedürfnisse der Bienenhaltung und Imkerei. Es erarbeitet aktuelle wissenschaftliche und technische Grundlagen und vermittelt sie der imkerlichen Praxis sowie den weiteren interessierten Kreisen.

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Forschungs-Plattform “Blühende Lebensräume“

Ziel der Plattform „Blühende Lebensräume“ – bestehend aus Agroscope, FiBL, HAFL und dem Schweizer Bauernverband (SBV) – ist die Förderung von Bestäubern und anderen Nützlingen, die durch das Erbringen von Bestäubungs- und Schädlingskontroll-Leistungen zu einer nachhaltigen Landwirtschaft beitragen