Agroforstwirtschaft als neue Landnutzungsform

Birne und Rhabarber im Züricher Unterland
Bäume in Kombination mit Ackerkulturen erlauben eine insgesamt 10 bis 30 Prozent höhere Biomasseproduktion auf der Fläche.

Agroforstsystem erhöht Humusvorräte und dient damit als Kohlenstoffsenke

Bereits nach sieben Jahren bewirkte Agroforstsystem in der Zentralschweiz eine substanzielle Humusanreicherung von 18 Prozent, verglichen mit der kultivierten Fläche, und dies nicht nur im Oberboden, sondern bis in eine Tiefe von 60 cm. Moderne Agroforstsysteme beinhalten den kombinierten Anbau von Ackerkulturen mit Bäumen (sowohl Wertholzproduktion als auch Hochstammobst), welche mit moderner Agrartechnik bewirtschaftet werden können und ökonomisch attraktiv sind. Demzufolge haben diese produktiven Agroforstsysteme das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag im Boden-, Klima- und Gewässerschutz zu leisten.

Erhöhte Humusvorräte in einem siebenjährigen
Agroforstsystem in der Zentralschweiz
(PDF / Agrarforschung 7-8, 2017)

Hochstamm-Feldobstbäume verschwinden zunehmend aus unserer Agrarlandschaft. Deshalb entwickelt Agroscope alternative Kombinationen von landwirtschaftlichen Kulturen mit Bäumen, die rentabel sind, Ökosystemdienstleistungen erbringen und die Landschaft bereichern.

Hecken und Hochstamm-Feldobstbäume sind zentrale Elemente von Agrarlandschaften. Doch ihre Zahl geht laufend zurück: In den letzten 50 Jahren wurden rund 80 Prozent der Hochstamm-Feldobstbäume gerodet, erst in den letzten Jahren hat sich ihre Zahl stabilisiert. Gründe sind mangelnde Wirtschaftlichkeit, Spezialisierung der Betriebe und die Feuerbrandepidemien der letzten Jahre. Dadurch verlieren die Landschaften einerseits ästhetische Qualität und andererseits verringern sich die ökologischen Leistungen (Lebensraum für Kleintiere, Erosionsschutz).

Darum haben die Arbeiten zur Agroforstwirtschaft zum Ziel, Bäume mit landwirtschaftlichen Kulturen so zu kombinieren, dass sie auch auf einem modernen Betrieb wirtschaftlich rentabel sind und gleichzeitig Umweltleistungen erbringen. Zusammen mit Agridea haben wir die „Interessengemeinschaft Agroforst“ gegründet. Sie bietet Landwirten, die mit Agroforstsystemen experimentieren eine Plattform zum Erfahrungsaustausch. Wir begleiten diese neu angelegten Agroforstsysteme mit einem Monitoringprogramm.

Das Europäische Projekt „Agroforestry for Europe“ (AGFORWARD) hat zum Ziel, traditionelle und moderne Agroforstsysteme mit Forschung zu unterstützen. Unser Beitrag ist die Modellierung und Quantifizierung von Ökosystemdienstleistungen der Agroforstsysteme. Aufbauend auf bestehenden Modellen und bisherigen Forschungsergebnissen liegt das Augenmerk dabei auf dem Zusammenspiel von Bäumen und Ackerkultur bzw. Bäumen und Weidehaltung. Im Einzelnen beschäftigen wir uns mit folgenden Indikatoren:

  • Produktivität:
    Eine Besonderheit von Agroforstsystemen stellt die Produktion einer Vielzahl an Erzeugnissen dar. Spezialisiert auf die Lebenszeit sowie die Produktvielfalt eines Agroforstsystems modellieren „YieldSAFE“ und „Hi-SAFE“ Ernteerträge von Bäumen (Früchte + Holz) sowie der Ackerkultur bzw. des Weidesystems in Interaktion. Für die Wirtschaftlichkeitsberechnung wird das Modell „FarmSAFE“ herangezogen.

  • Biodiversität:
    Bekannt als Lebensraum und Rückzugsort für z.T. sehr spezialisierte Flora und Fauna, wird im Projekt u.a. der Wert für und von Bestäubern und Nützlingen beziffert sowie die Eignung als Lebensraum anhand von Landschaftsmodellen eruiert. Aufnahmen im Feld werden mit Modellen wie Salca-BQ und Lonsdorf Modell bzw. Ansätze der Landschaftsbewertung (Hemerobie, Heterogenität,etc.) ergänzt.

  • Boden- und Klimaschutz:
    Fundament der landwirtschaftlichen Produktion ist der Boden, dessen nachhaltiger Nutzung eine herausragende Bedeutung zukommt. Vor diesem Hintergrund werden neben den augenfälligen Indikatoren Bodenerosion, Kohlenstoffsequestrierung und Nitratauswaschung auch die (langfristige) biologische, chemische und physikalische Bodenqualität betrachtet. Neben Bodenaufnahmen im Feld kommen Bewertungstools wie RUSLE oder Salca-SQ zum Einsatz.


Auf Basis der dargestellten Indikatoren wird in 10 Europäischen Fallstudienregionen die derzeitige Situation erhoben und es werden Szenarien zur zukünftigen Entwicklung hinsichtlich Gestaltung, Ausbreitung und Zusammensetzung der Systeme modelliert. Zwei der Fallstudiengebiete liegen in der Schweiz: Hochstamm-Kirschen-Anbau im Schwarzbubenland und Wytweiden in Jura.

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