Die Agroforstwirtschaft entfaltet ein erhebliches Potenzial für den Klima- und Umweltschutz. Würden 13,3 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz zu Agroforstsystemen umgewandelt, so könnten bis zu 13 % der Treibhausgasemissionen des Sektors Landwirtschaft kompensiert werden.

Moderne Agroforstsysteme kombinieren den Anbau von Ackerkulturen mit Bäumen, werden mit moderner Agrartechnik bewirtschaftet und sind ökonomisch attraktiv.
Schweizer Bauern zeigen, wie dies in der Praxis aussehen kann (Hotspot 38/18), unterstützt werden sie von den neusten Ergebnissen des Europäischen Projekts Agforward.
Informationen für Praktiker stellt die Interessengemeinschaft Agroforst Schweiz unter www.agroforst.ch bzw. www.agroforesterie.ch bereit.
AGROMIX

Die Landwirtschaft trägt einen Anteil zum Klimawandel und zur Bodendegradation bei. Damit steht die Branche vor einer der grössten Herausforderungen unserer Zeit. Agroforstwirtschaft und / oder Mixed Farming können dabei Teil der Lösung sein.
Um diesen Wandel aktiv zu gestalten, bringt AGROMIX Personen aus Landwirtschaft, Forschung und Politik zusammen. Sie wollen agrarökologische Lösungen für eine widerstandsfähigere Landnutzung in Europa erforschen und Instrumente zur Umsetzung dieser Praktiken entwickeln.
Zum Projekt AGROMIX
Weitere Infos zu den Teilprojekten, an denen Agroscope beteiligt ist

Klimaschutz dank Agroforstwirtschaft
In der Schweiz
Übersicht der Umweltdefizite auf Landesebene für die Schweiz
Details zu Defiziten, regionaler Verteilung sowie zu angepassten Lösungen:
Die Layer können in der interaktiven Karte einzeln angewählt werden (Kasten oben rechts). Quelle: Kay S., Jäger M., Herzog F. (2019). Ressourcenschutz durch Agroforstsysteme – standortangepasste Lösungen. Agrarforschung Schweiz 10(9), 308–315.
In Europa
Agroforstsysteme könnten bis zu 43.4% der heutigen Treibhausgasemissionen der europäischen Landwirtschaft kompensieren, würden sie auf lediglich 8.9% der europäischen Landwirtschaftsfläche etabliert.
Effekte auf Umwelt und Landschaft
Bereits nach sieben Jahren bewirkte das Agroforstsystem (Apfelbäume und Ackerkultur) in der Zentralschweiz eine substanzielle Humusanreicherung von 18 Prozent, verglichen mit der kultivierten Fläche, und dies nicht nur im Oberboden, sondern bis in eine Tiefe von 60 cm.
Hingegen wurden Wurzelkonkurrenzen zwischen Ackerkultur und Baumstreifen in einem 8-jährigen Agroforstsystem (Ansaatwiese, Apfel- und Birnbäume) nicht gefunden. Durch die Bodenbearbeitung im Ackerland wurzelten die Bäume ausschliesslich im Baumstreifen sowie in tieferen Bodenschichten.

Die Bestäuberarten Bombus terrestris (Dunkle Erdhummel) und Osmia bicornis (Rote Mauerbiene) im Schwarzbubenland (Kanton Solothurn und Basel Landschaft) profitierten von Agroforstsystemen mit Kirschbäumen und extensiver Wiese als Unternutzung vom Nahrungsangebot über eine grosse Zeitspanne im Jahr und fördern die untersuchten Populationen.

Eine Tool-Box zur Modellierung von Umweltleistungen der Agroforstsystemen innerhalb einer Landschaft wurde am Beispiel des Hochstamm-Feldobstanbaus im Schwarzbubenland entwickelt.
Demzufolge haben traditionelle Agroforstsysteme unabhängig des Typs, der Region und der Zusammensetzung das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag im Boden-, Klima- und Gewässerschutz – also den regulierenden Umweltleistungen zu liefern.
SRF, Schweiz aktuell, 05.07.2010: Hochstammbäume: Eine alte Form von Landwirtschaft
Gesellschaftliche und ökonomische Werte
Auch ökonomisch können Agroforstsysteme lohnen. Z.B. kann die Produktion von Wertholz aus Vogelkirsche (Prunus avium) oder Walnuss (Juglans regia) eine gute Langzeitinvestition darstellen.
Sobald neben den vermarktbaren Leistungen (Obst und Holz) auch die bisher unvermarktbaren Umweltleistungen in der Gesamtwirtschaftsleistung berücksichtigt werden, sind Agroforst-Landschaften den landwirtschaftlichen Landschaften überlegen.

Und auch wir Menschen nehmen Agroforstsystem (positiv) wahr. Mittels webbasierter Karten (ppGIS) wurde u.a. die Bevölkerung der Franches-Montagnes zu den Umweltleistungen ihrer Umgebung befragt. Demgemäss bot eine vielfältige, diversifizierte Landschaft die meisten wahrgenommen Leistungen.
Interviews zum Thema «Vitiforst in der Schweiz» mit Schweizer Winzern, Experten und Weinbauberater zeigen, dass insbesondere die Förderung der Biodiversität sowie der Landschaftsästhetik, aber auch die ökonomische Diversifizierung ausschlaggebende Gründe für das Pflanzen von Bäumen in Weinbergen sind. Die Studie zeigt jedoch auch, dass bisher wenig Wissen über die ökonomischen und ökologischen Vor- und Nachteile von Vitiforstsystemen bekannt ist.
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