Der Kleine Beutenkäfer Aethina tumida ist ein Parasit der Völker sozialer Bienen und stammt ursprünglich aus Afrika (südlich der Sahara). Der Käfer ist zu einer invasiven Art geworden und wurde seit 1996 in verschiedenen Ländern gefunden. In den USA und in Australien haben sich Populationen etabliert, die massive Schäden an Honigbienenvölkern verursachen. Ein erstes Vordringen nach Europa konnte 2004 verhindert werden, aber 2014 wurde der Käfer in Süditalien gefunden. Es wurden Massnahmen ergriffen, um seine Ausbreitung einzuschränken. So ist die Einfuhr von Bienen aus befallenen Gebieten in die EU und die Schweiz untersagt. In der Schweiz wurde das Überwachungsprogramm Apinella lanciert, mit dem ein eventuelles Auftreten des Schädlings möglichst früh erkannt und dadurch die Chance einer vollständigen Vernichtung verbessert werden soll.


Aethina tumida ist ein fakultativer Parasit von Bienenvölkern und stammt aus dem Afrika südlich der Sahara. Im Gegensatz zur Varroa-Milbe, die sich nur in Bienenstöcken entwickeln kann, ist der Kleine Beutenkäfer für sein Überleben nicht zwingend auf Bienenkolonien angewiesen. Er kann sich auch von anderen Quellen wie Früchten ernähren. Im Bienenstock frisst er Honig, Pollen und Brut. Die Weibchen legen ihre Eier an Stellen, die vor den Arbeiterinnen geschützt sind. Die Schäden im Stock werden durch die Larven verursacht. Unter anderem durch Bakterien und Hefepilze, die vom Schädling eingeschleppt werden, kommt es zur Fermentierung des Honigs. Vor der Verpuppung verlassen die Larven den Stock und graben sich in der Erde ein. Ihre Entwicklung hängt also von den Eigenschaften des Bodens und der Temperatur ab. Die schlüpfenden Adulttiere machen sich auf die Suche nach einer Nahrungsquelle (Bienenstock oder Früchte) und einem Sexualpartner. Weitere Einzelheiten zur Biologie des Kleinen Beutenkäfers sind in der Broschüre zu finden, die vom Europäischen Referenzlabor herausgegeben wird, und auf der Webseite des Bienengesundheitsdiensts.
Der Kleine Beutenkäfer (PDF, 852 kB, 15.02.2017)
P. Neumann, W. Ritter (2004)
Biologie, Diagnostik und Kontrolle des Kleinen Beutenkäfers (Aethina tumida, Coleoptera: Nitidulidae) (PDF, 1 MB, 15.02.2017)
P. Neumann (2003)
In den Völkern kommt es zur Paarung, wobei die oft kleineren Männchen längere Zeit auf den Weibchen reiten. (Foto: J. Drescher)
Nach der Paarung legen die Weibchen ihre Eier in typischen Paketen in Ritzen oder Spalten aber auch direkt auf den Waben ab. Die Eier haben ca. 2/3 der Größe von Bieneneiern. (Foto: P. Neumann)
Aus den Eiern schlüpfen die Larven, welche die grössten Schäden am Volk verursachen. Auch relativ starke Völker können innerhalb kurzer Zeit bei einem starken Befall komplett strukturell zerstört werden. (Foto: M. Schäfer)
Nach Beendigung der Fressphase, die je nach Futterangebot zwischen 8-29 Tage dauern kann, verlassen die nun sogenannten Wanderlarven das Volk, um sich im Boden zu verpuppen. Dabei ziehen sie eine Spur aus Kot und fermentierten Bienenprodukten hinter sicher her. Wanderlaven sind ca. 10-12 mm lang. (Foto: M. Schäfer)
Puppe des Kleinen Beutenkäfers in Verpuppungskammer. Je nach Bodenbeschaffenheit werden Verpuppungskammern von den Wanderlarven in ca. 5-25 cm Tiefe ausgehöhlt. (Foto: A. Roettger)
Die Verpuppung dauert je nach Umweltbedingungen (Temperatur und Bodenfeuchte) zwischen drei Wochen und drei Monate. Anschließend verlassen die adulten Käfer den Boden und der neue Lebenszyklus kann beginnen. (Foto: A. Roettger)
Der Befall mit dem Kleinen Beutenkäfer ist in der Schweiz eine Tierseuche, die bekämpft werden muss. Wenn bei Käfern, die in einem Bienenstock entdeckt werden, der Verdacht besteht, dass es sich um Aethina tumida handelt, muss unverzüglich die zuständige kantonale Veterinärbehörde informiert werden, damit der Verdachtsfall untersucht und gegebenenfalls das Vorgehen gemäss den technischen Weisungen ausgelöst werden kann. Falls es dem Käfer gelingt, in der Schweiz eine überlebensfähige Population zu etablieren, werden geeignete Bekämpfungsmassnahmen festzulegen sein.
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Adulte Kleine Beutenkäfer in einer von Elzen et al (1999) entwickelten Pappfalle. Es wurden eine ganze Reihe von verschiedenen Fallentypen entwickelt, um den Käfer in Bienenvölkern zu finden und zu fangen. Alle diese Fallensysteme und besonders visuelle Untersuchungen der Völker sind relativ arbeitsaufwendig, um die oft gut versteckten Käfer zu finden. (Foto: P. Neumann)

Um die Diagnose zu erleichtern und um quantitative Abschätzungen des Befalls zu optimieren wurden Diagnosestreifen entwickelt, die sehr einfach anzuwenden sind. Die Diagnosestreifen aus Plastik, werden durch den Flugeingang in das Volk eingeführt . Ca. 30% der Käfer im Volk können so gefunden werden. (Foto: M. Schäfer)
Die konventionelle Bekämpfung des Käfers erfolgt über Chemikalien im Boden und in den Völkern. Dies birgt Risiken, wie z.B. Resistenzen des Käfers, Kontaminierung der Bienenprodukte und nicht erwünschte Effekte auf Bienen und andere Nicht-Ziel-Organismen. Von daher ist eine Bekämpfung des Käfers mit alternativen Ansätzen wünschenswert, analog zur Bekämpfung der Varroa Milbe (z.B. mit Säuren). Erste Ergebnisse mit für Insekten giftige Pilzen sind vielversprechend, benötigen aber noch weiterführende Experimente, bevor sie in die imkerliche Praxis umgesetzt werden können.