Die Sauerbrut (Europäische Faulbrut) ist eine meldepflichtige Brutkrankheit der Biene. Alle Verdachtsfälle müssen dem Bieneninspektor gemeldet werden, der gegebenenfalls die Massnahmen zur Sanierung gemäss den offiziellen Richtlinien festlegt.

Zwischen 2000 und 2010 breitete sich die Krankheit in der Schweiz epidemieartig aus. Von 1970 bis 1998 wurden jährlich nur 20 bis 50 von der Sauerbrut betroffene Bienenstände gezählt. Ab 1999 war ein sprunghafter Anstieg der Fälle auf ein Maximum von beinahe 1000 infizierten Bienenständen im Jahr 2010 zu verzeichnen. Eine solch dramatische Situation blieb den anderen Ländern erspart. Die in der Folge implementierten Bekämpfungsmassnahmen trugen aber offensichtlich Früchte, da die Zahl der gemeldeten Fälle seither zurückgegangen ist.

Die Sauerbrut wird vom Bakterium Melissococcus plutonius hervorgerufen. Es ist nur die Brut betroffen. Die erwachsenen Bienen können Trägerinnen des Erregers sein und die Krankheit übertragen, sie infizieren sich aber nicht. Melissococcus plutonius kann in zwei Formen vorliegen: als vermehrungsfähige Bakterien (Kokken) im Darm der Larven und als überdauernde Kapseln, die sich bei ungünstigen Bedingungen ausbilden. Wie bei der Amerikanischen Faulbrut, bei der die Sporen infektiös sind, löst auch bei der Sauerbrut die latente Form (Kapseln) die Infektion aus. Bei jungen Larven bricht die Krankheit nach der Einnahme der Kapseln über die Nahrung aus. Die Wirkungsweise der Bakterien ist nicht bekannt. Detaillierte Informationen zur Biologie des Erregers und zur Diagnose der Sauerbrut sind in unserem Leitfaden für Bienengesundheit zu finden.
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Die Anwendung von Antibiotika ist in der Schweiz nicht gestattet. Daneben gibt es jedoch keine weiteren Medikamente gegen die Faulbrut. Völker mit Symptomen müssen deshalb vernichtet werden, um die Ausbreitung der Seuche zu vermeiden, und das kontaminierte Material muss saniert werden. Da die beste Bekämpfung die Prävention ist, ist eine frühzeitige Erkennung erstrebenswert. Es wurden zahlreiche Untersuchungen durchgeführt und es werden ausführliche Unterlagen unter anderem beim ZBF bereitgestellt, um die Imkerinnen und Imker auf diese Problematik aufmerksam zu machen und sie über die Ursachen und die Bekämpfungsmassnahmen zu informieren.
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Unsere Arbeiten haben zur Verbesserung der Sauerbrut-Diagnose beigetragen. Die am ZBF entwickelten Methoden werden auf gesamtschweizerischer Ebene angewendet, um Verdachtsfälle zu bestätigen und gegebenenfalls die offiziellen Sanierungsmassnahmen einzuleiten. Ausserdem werden sie auf internationaler Ebene in der Forschung eingesetzt.
Wir untersuchen auch die Verteilung der Fälle über das Gebiet der Schweiz, die Wirkung des Bakteriums auf die Physiologie der Larven, seine Virulenz und die Rolle sekundärer Infektionen durch weitere Bakterien. Auf der Ebene der Bekämpfungsmassnahmen testen und zertifizieren wir Desinfektionsprodukte, prüfen wir mögliche Medikamente und untersuchen wir die Resistenz bestimmter Zuchtlinien gegenüber diesem Erreger mit dem Ziel, die Ausbreitung dieser Krankheit in der Schweiz und im Ausland unter Kontrolle zu bringen.
Unterschiede in der Virulenz beim Erreger der Europäischen Faulbrut
Die Europäische Faulbrut (Sauerbrut) ist eine bakterielle Bienenbruterkrankung, hervorgerufen durch Melissococcus plutonius. In diesem Artikel wurden mittels einem standardisierten Labortest 16 verschiedene M. plutonius Isolate an Honigbienenlarven getestet und so deren Virulenz bestimmt. Dabei fielen drei getestete Isolate aus der Schweiz durch ihre erhöhte Virulenz auf. Im Genom dieser drei Isolate wurde zuvor die genetische Ausstattung zur Produktion von einem Toxin identifiziert, und wir schlussfolgern deshalb, dass dies einen entscheidenden Faktor für die Virulenz von M. plutonius Isolaten darstellt.