Klonzüchtung

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Was ist Klonzüchtung?

Im Weinbau versteht man unter einem Klon eine Population genetisch identischer Reben, die durch vegetative Vermehrung (Pfropfen, Stecklinge, Absenken usw.) aus einer Rebe entstanden ist, die im Rebberg durch spezifische Merkmale aufgefallen ist. Vor dem Zeitalter der Klonzüchtung bestand zwischen den Reben derselben Parzelle oft eine grosse Heterogenität (bezüglich Produktionspotenzial, Qualität und agronomischen Eigenschaften). Diese genetisch bedingten Unterschiede wurden manchmal durch virale Krankheiten, die sich im ganzen Rebberg ausbreiten können, verstärkt.

Durch die Klonzüchtung werden diese unerwünschten Unterschiede geglättet: Der Weinbauer erhält Pflanzenmaterial, das frei von gefährlichen Virosen (Reisigkrankheitskomplex, Blattrollkrankheit usw.) ist und über klar definierte agronomische Leistungsmerkmale (Produktionspotenzial, vegetative Merkmale, Anfälligkeit gegenüber Krankheiten) und önologischen Eigenschaften (Qualitätspotenzial) verfügt. Die Homogenität der mit Klonmaterial angebauten Parzellen unterstützt die Entscheidungen beim Anbau (Ertragsprognose, optimaler Erntezeitpunkt, Gesundheitszustand) und verbessert die Ausschöpfung des Qualitätspotenzials der verschiedenen Rebsorten.

Durch den parallelen Anbau verschiedener Klone derselben Rebsorte mit spezifischen und sich ergänzenden Eigenschaften können das Qualitätspotenzial und die Komplexität der Weine erhalten und verbessert werden. Eine gute Klonzüchtung erfordert zuerst eine breit angelegte Durchsicht der intravarietalen Vielfalt in alten Parzellen und dann die langfristige Erhaltung einer für die Vielfalt der Rebsorten repräsentativen Palette in Sammlungen.

Ein Zertifizierungssystem stellt sicher, dass genau charakterisiertes Klonmaterial auf den Markt gebracht wird, dessen genetische Authentizität und Gesundheitszustand garantiert ist. Alle bei Agroscope gezüchteten Klone werden durch die Schweizer Zertifizierung verbreitet.

Die Klonzüchtung bei Agroscope

Die Züchtung der wichtigsten in der Schweiz angebauten Rebsorten (Chasselas, Pinot noir, Gamay usw.) begann in den 1920er Jahren und wird bis heute bei Agroscope fortgesetzt. 1992 wurde in Zusammenarbeit mit dem Weinbauamt des Kantons Wallis und der Gesellschaft der Walliser Rebschulisten ein umfassendes Programm zum Erhalt der genetischen Vielfalt der wichtigsten traditionellen einheimischen Rebsorten des Wallis lanciert.

Bis heute wurden sechzehn Rebsorten von diesem Programm erfasst und es werden mehr als 1400 Klone aufbewahrt, die frei von schweren Virosen und repräsentativ für deren genetische Vielfalt sind. Heute werden im Rahmen der Schweizer Zertifizierung bereits drei Klone von Unterlagen (3309, 5BB, «8B Wädenswil») und 68 Klone von Rebsorten vertrieben, die durch Agroscope gezüchtet wurden.

Über die Schweizer Zertifizierung verfügbare Klone von Agroscope

Mit Tests, die im Rahmen von Versuchsreihen durchgeführt werden, können die Leistungsmerkmale der von Agroscope gezüchteten Klone im Vergleich zu Referenzklonen beschrieben werden. In den nachfolgenden Tabellen sind die geprüften Merkmale der von Agroscope gezüchteten Klone zusammengefasst. Für Unterlagen ist einzig der Gesundheitszustand massgebend. Agroscope vertreibt einen Klon von 3309C (RAC1), einen Klon von 5BB (RAC3) sowie einen Klon von «8B Wädenswil» (RAC 66).