Work-Package 3 – Geeignete Sorten für einen reduzierten Pflanzenschutz

Obstanlage Wädenswil

Die Wahl von krankheitsresistenten und –robusten Sorten bildet die Grundlage der integrierten und biologischen Obstproduktion und ist somit ein wichtiger Faktor für eine ressourceneffiziente, nachhaltige und resiliente Produktion in allen Produktionssystemen.

Ziel Work-Package 3

Durch die gemeinsamen Versuchstätigkeiten von Agroscope, FiBL und den beteiligten kantonalen Fachstellen fliesst in Zukunft eine grosse Menge an Informationen zu Sorten bezüglich deren Resistenz und Robustheit gegenüber den wichtigsten Krankheiten zusammen. Dieses Wissen dient dazu, Obstsorten zu identifizieren, welche sich für den Anbau mit reduziertem Pflanzenschutz eignen und dadurch einen wesentlichen Mehrwert gegenüber den Standardsorten erbringen. Während der Projektphase wird eine Versuchsinfrastruktur aufgebaut und die Testmethode entwickelt, um Sorten zu identifizieren, welche mit einem reduzierten Pflanzenschutzmitteleinsatz marktfähige Früchte produzieren.

Aufbau Prüfnetzwerk

Bereits seit vielen Jahren werden bei Agroscope am Standort Wädenswil und beim FiBL in Frick Apfelsorten sowohl unter praxisüblichen Bedingungen als auch mit reduzierten Pflanzenschutzstrategien getestet. Geprüft werden eine Vielzahl an neuen internationalen Sorten und Kreuzungen aus dem Züchtungsprogramm von Agroscope.

Bei den übrigen Obstarten lief die Sortenprüfung bis jetzt vorwiegend unter praxisüblichen Idealbedingungen, wobei agronomische Anbaueignung und Fruchtqualität im Mittelpunkt standen. Im Rahmen von RESO werden an den Prüfstandorten von Agroscope neu auch die Obstarten Birne, Kirsche und Zwetschge mit einem reduzierten Pflanzenschutzverfahren geprüft. Dazu wurde in Wädenswil die Parzelle für die Birnensortenprüfung in zwei Blöcke aufgeteilt und 2020 wurden die ersten Bäume gepflanzt, wovon bereits die ersten Früchte geerntet werden konnten. Für Kirschen und Zwetschgen werden am Breitenhof (BL) zusätzliche Prüfparzellen erstellt, um die Anbaueignung von Sorten bei reduziertem Pflanzenschutz zu testen.

Um aussagekräftige Resultate zur Leistungsfähigkeit einer neuen Sorte unter reduziertem Pflanzenschutz machen zu können, muss die Sorte an mehreren Standorten und in grösseren Blöcken getestet werden. Aus diesem Grund wurden im Rahmen des Projekts weitere Parzellen an den Standorten Flawil (SG), Frümsen (SG) und Conthey (VS) in Zusammenarbeit mit den kantonalen Fachstellen geplant und Bäume dafür in Auftrag gegeben. Diese werden zurzeit in den Baumschulen aufgezogen, bevor sie im Frühjahr 2024 in die neuen Testparzellen gepflanzt werden können.

Auswahl der Sorten

Im Austausch aller beteiligten Projektpartner wurden eine breite Palette an Sorten aus unterschiedlichen Reifegruppen ausgewählt. Dabei konnte auf die Kenntnis aus der langjährigen Sortenprüfung von Agroscope und FiBL sowie auf die Erfahrungen aus Beratung, Handel und Produktion zurückgegriffen werden.

Bei den Apfelsorten wurden hauptsächlich Sorten ausgewählt, welche eine Rvi 6 (Vf) Schorfresistenz besitzen. Darunter sind einige bereits etwas bekanntere Sorten wie Bonita, Ladina und SQ 159 (Natyra®/MagicStar®). Ausserdem wurden einige ganz neue oder noch wenig bekannte Sorten wie Delcored, WUR 037 (Freya®), Ipador (Giga®) sowie einige fortgeschrittene Zuchtnummern ausgewählt.

Bei den Birnen werden neben den bereits etwas bekannteren Sorten wie CH 201 (Fred®) und Celina (QTee®) ebenfalls Neuheiten und noch wenig bekannte Sorten wie zum Beispiel PremP009 (Piqa®Boo®), Harovin Sundown und Bay 6474 (Alessia®) getestet.

Die Resistenzzüchtung ist bei Kirschen und Zwetschgen weniger weit entwickelt, als wir es vom Apfel kennen. Sharkahypersensibilität bei Zwetschgen ist hier die einzige Resistenz im eigentlichen Sinn. Robustheiten werden wohl beobachtet, da aber die meisten Zuchtprogramme bis heute unter idealen Kulturbedingungen arbeiten, werden zwar sehr anfällige Sorten erkannt, nicht aber sehr robuste. Die Sortenwahl bei Kirsche und Zwetschge wurde anhand der Kriterien Relevanz, Potential, eigene Beobachtungen und genetische Verschiedenheit getroffen.

Zum Vergleich werden bei allen Obstarten die jeweiligen Standardsorten wie Gala oder Conférence in die Tests einbezogen.

Wahl der Pflanzenschutzstrategie

Bei der Gestaltung der reduzierten Pflanzenschutzstrategien müssen noch einige Fragen geklärt werden. Dabei müssen standortspezifische Eigenschaften wie die klimatischen Bedingungen und der Krankheitsdruck in der Parzelle berücksichtigt werden. Die reduzierte Pflanzenschutzstrategie wird deswegen nicht an jedem Standort identisch sein, sondern wird von einer Fachgruppe aus Projektpartnern für jeden Standort bestimmt. Dabei kann man auch auf langjährige Erfahrung aus Versuchen wie dem „Low-Input Versuch“ von Agroscope zurückgreifen. Die reduzierten Strategien in den Versuchsparzellen sollen so gewählt werden, dass sortenspezifische Unterschiede erkannt werden können. Also im Idealfall so, dass die anfälligste Sorte einen nicht mehr tolerierbaren Befall aufweist, während die Robusteste einwandfrei produziert.

In der praktischen Versuchsarbeit gestaltet es sich jedoch oft als schwierig, einen geeigneten Krankheitsdruck zu erhalten. Die Prüfung an mehreren Standorten erhöht aber die Wahrscheinlichkeit, dass in Zukunft fundierte und breit abgestützte Angaben über die Resistenz oder Robustheit einer Sorte gemacht werden können.

Bio-Pflanzenschutz-Strategieversuch an der UFL in Morges

In Zusammenarbeit mit dem Projektpartner Union Fruitière Lémanique (UFL) läuft seit 2022 ein Pflanzenschutzstrategie-Versuch in einer biologisch bewirtschafteten Apfelanlage in Morges (VD). Daraus sollen Kenntnisse für zukünftige PSM-Versuche im Projekt RESO gewonnen werden. Im Versuch wird eine praxisübliche und eine reduzierte biologische Pflanzenschutzstrategie bei den Sorten Daliclass, Rustica und Ladina geprüft. In beiden Strategien erfolgt eine gezielte Schorfbekämpfung nach dem Prognosemodell RIMpro, wobei in der reduzierten Bio-Strategie nur bei sehr hohem Infektionsrisiko behandelt wird. Zur präventiven Bekämpfung von Schorf werden Myco-Sin und Schwefel appliziert, im Sommer wird auf eine Strategie mit Armicarb und Schwefel gewechselt. Vor der Ernte werden in beiden Strategien Abschlussbehandlungen mit Myco-Sin durchgeführt, zusätzlich wird in der praxisnahen Strategie noch Blossom Protect eingesetzt.

Im Jahr 2022 konnte sowohl in der praxisüblichen als auch in der reduzierten Bio-Strategie der Krankheitsbefall sehr tief gehalten werden. Der Befall mit Schorf konnte weitgehend verhindert werden. Einzig in der reduzierten Bio-Strategie gab es bei Daliclass einen sehr leichten Schorfbefall auf den Früchten.

Die Qualität der Früchte muss aber nicht nur bei der Ernte, sondern auch während der Lagerung überzeugen. Bei der Untersuchung der Anfälligkeit der Früchte auf Lagerkrankheiten konnten keine Unterschiede zwischen den beiden Strategien festgestellt werden. Sortenunterschiede waren jedoch erkennbar: Bei der später geernteten Sorte Rustica war der Lagerausfall deutlich höher. Vermutlich haben weitere Niederschläge in der Zeit vor der Ernte das Infektionsrisiko begünstigt. Für 2023 werden die biologischen PSM-Strategien angepasst und die Abschlussbehandlungen intensiviert, um das Auftreten von Lagerkrankheiten zu reduzieren.

Erste Erkenntnisse aus den laufenden Versuchen

In der Kernobstsortenprüfung von Agroscope wird zurzeit eine Strategie gefahren, bei welcher bis und mit Nachblüte eine Standard IP Strategie und danach eine reduzierte Strategie mit Vitisan und Myco-Sin angewendet wird. Bei den Äpfeln hat sich in den letzten Jahren ein starker Mehltaudruck etabliert und es zeigen sich jährlich grosse sortenspezifische Unterschiede. Allerdings sind diese Unterschiede gerade bei Mehltau nicht sehr abhängig von der Pflanzenschutzstrategie. Wohingegen bei Marssonina, Regenflecken und Lagerkrankheiten mit der reduzierten Variante die Sortenunterschiede deutlicher festgestellt werden können. Insbesondere bei Marssonina hat in den letzten zwei Jahren der Krankheitsdruck zugenommen und sortenspezifische Unterschiede sind jetzt klar ersichtlich. Um zuverlässige Aussagen über Anfälligkeit oder Robustheit einer neuen Sorte bezüglich Marssonina machen zu können, braucht es aber noch weitere Jahre Erfahrung und der Vergleich mit anderen Standorten. Resistenzdurchbrüche bei den mehrheitlich Rvi 6 Schorfresistenten Sorten konnten bis jetzt noch keine beobachtet werden. Bei den Birnen konnten in der neu gepflanzten Birnenparzelle bis jetzt noch keine Unterschiede zwischen den Strategien beobachtet werden.

Die Kernobstsortenprüfung am FiBL ist bereits seit vielen Jahren etabliert. Neue nationale und internationale Zuchtnummern und Sorten werden während einer Prüfphase von mindestens 4 Jahren unter biologischen Anbaubedingungen in 2 unterschiedlichen Verfahren getestet: 1) praxisnah (mit Ausdünnung sowie praxisüblichem Pflanzenschutz) 2) sehr extensiv (ohne Ausdünnung und mit reduziertem Pflanzenschutz). Unter praxisnahen Bedingungen sieht man das agronomische Potenzial, unter extensiven Bedingungen das genetische Potenzial der Sorten. Bei verschiedenen Sorten sind Unterschiede zwischen den beiden Verfahren feststellbar v.a. bezüglich Schorf- und Marssoninabefall. Resistenzdurchbrüche bei Rvi 6 schorfresistenten Sorten konnten bereits beobachtet werden.

Ansprechperson

Publikation

Letzte Änderung 04.08.2023

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