Das Erdmandelgras gehört zur selben Familie wie die Seggen (Sauergrasgewächse, Cyperaceae) und unterscheidet sich morphologisch von den Gräsern (Poaceae) durch einen im Querschnitt dreieckigen Stängel ohne Knoten.

Stängel

Höhe 30-70 cm
ohne Knoten
dreikantig
Blätter

Schmal (5-10 mm), länglich mit V-förmigem Querschnitt.
Die Blattspitzen stechen in die Fingerkuppen.
Die Pflanze ist gelbgrün gefärbt.
Englischer Name: yellow nutsedge (wörtlich: gelbe Nuss-Segge)
Blüten

Überragt von 2-9 Hochblättern,
mit 4 -10 Ästen, die 6 bis 12 mm lange, gelbe oder bräunliche Ährchen tragen.
Knöllchen

runde Form
Grösse 1mm bis 15 mm
Ganze Pflanze

Nicht verwechseln mit der Behaarten Segge (Carex hirta), die auf der Blattoberfläche Härchen aufweist und Stolonen, nicht Rhizome, ausbildet, oder mit verschiedenen weiteren einheimischen Seggen (www.infoflora.ch).
Vegetative Phase
Die ruhenden Knöllchen benötigen einen ausreichend aufgewärmten Boden um auszukeimen (ab April bis Herbst). Bei der Keimung der Mutterknöllchen entwickelt sich mindestens ein vertikal wachsendes Rhizom, das unmittelbar unter der Bodenoberfläche eine Verdickung (Basalzwiebel) bildet. Aus diesen Basalzwiebeln entwickeln sich ein bis mehrere Triebe und Rhizome mit sekundären Basalzwiebeln. Auf diese Weise können aus einem im Vorjahr gebildeten Knöllchen zahlreiche neue Pflanzen entstehen
Regenerative Phase
In der regenerativen Phase entwickeln die Rhizome Knöllchen. Die Knöllchenbildung beginnt Ende Mai (oder früher bei Kulturen unter Vlies/Plastik) und erfolgt über den ganzen Sommer bis zu den ersten Frostnächten. Die Pflanze überwintert in Form der Knöllchen. Wir konnten beobachten, dass die Knöllchen Temperaturen von -10° C an der Bodenoberfläche überleben können. Die meisten Knöllchen befinden sich in der obersten Bodenschicht (bis 15 cm), aber je nach Bodentyp können Knöllchen bis zu einer Tiefe von 50 cm vorhanden sein.
Die Vegetative und regenerative Phase findet gleichzeitig statt.
Blüte
Die Verbreitung findet hauptsächlich über die Knöllchen statt. Es konnte allerdings gezeigt werden, dass auch eine Keimung ausgehend von den Samen stattfindet. Die Blütezeit ist in den Sommermonaten von Juni bis September. Die Samen können auf dem Feld keimen, wenn ihnen ausreichend Wasser zur Verfügung steht und die Konkurrenz durch andere Unkräuter mässig ist. Versuche haben ergeben, dass sich Keimlinge aus Samen genauso schwer mit Herbiziden bekämpfen lassen wie aus den Knöllchen gekeimte Jungpflanzen. Ausserdem besteht ein hohes Risiko, dass die Samen durch den Wind verbreitet werden. Jeder Samen verfügt über neue Genkombinationen, die neue Eigenschaften vermitteln können, wie z. B. eine Anpassung an lokale Klimabedingungen, eine bessere Toleranz gegenüber Herbiziden oder eine verbesserte Konkurrenzkraft im Vergleich zu einheimischen Pflanzen. Deshalb ist es wichtig, dass das Blühen des Erdmandelgrases verhindert wird, selbst wenn es sich nur am Feldrand befindet


Erdmandelgras vermehrt sich praktisch ausschliesslich über unterirdische Knöllchen. Ein Knöllchen entwickelt zuerst einen Trieb, später zahlreiche sekundäre Triebe. Diese Pflanze kann nun jährlich mehrere Hundert neue Knöllchen ausbilden. Aus einem einzigen Knöllchen können so über einen kurzen Zeitraum (2-3 Jahre) mehrere Tausend neue Pflanzen entstehen, die sich über eine ganze Parzelle ausbreiten können.
Die Zahl keimfähiger Samen verändert sich von Jahr zu Jahr. Die Samenkörner ähneln Grassamen (< 1 mm) und verbreiten sich leicht. Diese Verbreitungsart begünstigt die Anpassung der Art an neue Bedingungen. Im Sinne einer Vorsichtsmassnahme wird mit einer kombinierten Bekämpfung das Blühen des Erdmandelgrases verhindert. Der wichtigste Verbreitungsweg ist aber die passive Verschleppung der Knöllchen.

Verschiedene Entwicklungsstadien der Knöllchen

Knöllchen in verschiedenen Formen

Keimende Knöllchen

Passive Ausbreitung
Wichtigster Faktor für die Ausbreitung des Erdmandelgrases: Erdrückstände an einer landwirtschaftlichen Maschine
Die Knöllchen weisen eine Grösse zwischen einem Stecknadelkopf (1 mm) und einer Erbse (15 mm) auf und befinden sich grösstenteils in den obersten 15 Zentimetern des Bodens. Sie werden leicht verschleppt durch Fahrzeuge, landwirtschaftliche Maschinen, Schuhe, mit kontaminierter Erde oder mit Wurzelkulturen (z.B. Zuckerrüben, Kartoffeln, Sellerie). Die schnelle Ausbreitung des Erdmandelgrases in der Schweiz ist hauptsächlich auf diese passive Verschleppung zurückzuführen