Die Biene verdankt ihren ökologischen und wirtschaftlichen Erfolg ihrer Fähigkeit, Nahrungsreserven pflanzlichen Ursprungs einzulagern. Pollen und Nektar werden in den Wabenzellen zwischengelagert, um das Überleben des Volkes auch dann zu ermöglichen, wenn die klimatischen Bedingungen keine Sammelflüge ermöglichen. Dies ist im Winter der Fall oder wenn aufgrund des Wetters kein Bienenflug möglich ist oder die verfügbaren Ressourcen knapp sind. Der auf den Staubblättern der Blüten gesammelte Pollen wird für seine endgültige Lagerung umgehend in den Zellen abgelegt, wohingegen der Nektar vorher in Honig umgewandelt wird.

Der Wassergehalt des von den Pflanzen produzierten Nektars kann variieren. Um seine Konservierung in den Waben zu gewährleisten, darf er nicht gären. Deshalb wird er von den Bienen in Honig umgewandelt, indem sie seinen Wassergehalt senken und folglich den Zuckergehalt erhöhen. Dies verhindert die Entwicklung der Mikroorganismen. In der Dunkelheit des Bienenstocks ist es schwierig, den Herstellungsprozess des Honigs zu beobachten. Aus diesem Grund ist er auch nur wenig erforscht. Um die Umwandlung von Nektar in Honig zu untersuchen, haben wir die Technik der Tomographie eingesetzt. Sie ermöglicht es, den Zuckergehalt des eingelagerten Nektars sehr präzise zu messen, ohne den Bienenstock öffnen zu müssen und das Bienenvolk zu stören.
Pollen ist die Hauptquelle für mehrere Nahrungselemente, die für Bienen unentbehrlich sind. Folglich ist eine angemessene Pollenzufuhr notwendig, um das Überleben eines Volkes langfristig zu sichern und seine Produktivität aufrechtzuerhalten. In einem unserer Artikel wird die botanische Zusammensetzung des von den Bienen gesammelten Pollens sowie sein Protein- und Mineralstoffgehalt behandelt. Wir sprechen die Auswirkungen des Pollens auf die Physiologie der Honigbiene an und bestimmen den Pollenbedarf der Arbeiterinnen und Larven.
Der Pollenverzehr bestimmt die Entwicklung der Hypopharynxdrüsen der jungen Arbeiterinnen. Die Sekrete dieser Drüsen sind reich an Proteinen und ein wichtiger Bestandteil der Larvennahrung. Wahrscheinlich besteht ein direkter Zusammenhang zwischen der Versorgung mit Pollen und der Brutaufzucht. Folglich ist die Pollenverfügbarkeit sicherlich ein zentraler Einflussfaktor für die Entwicklung von Bienenvölkern. Die Diversität des für die Völker verfügbaren Pollens ist ein Forschungsthema, das wir im Laufe der Zeit weiter verfolgt haben. Dies auch kürzlich noch mit dem europaweiten Projekt 'CSI pollen' des COLOSS Netzwerks, das wir in der Schweiz koordiniert haben.
Indem die Biene den Pollen sammelt, ermöglicht sie die ökologisch bedeutsame Bestäubung. Das bedeutet, dass sie die männlichen Gameten (Pollen) der Pflanze zu den weiblichen Reproduktionsorganen anderer Pflanzen transportiert. So können Samen und folglich die Früchte, welche die Samen beinhalten, produziert werden. In unserer Broschüre "Die Bestäubung der Blütenpflanzen durch Bienen - Biologie, Ökologie, Ökonomie" erfahren Sie unter anderem, welche Bedeutung die Bestäubung durch Bienen für Kultur- und Wildpflanzen hat und welchen wirtschaftlichen Einfluss die von den Bienen durchgeführte Bestäubungsarbeit für die Landwirtschaft hat.