Sauergräser

Erdmandelgras

Allgemeines

Die Sauergräser (Cyperaceae) gehören wie die echten Gräser (Poaceae) zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Zur Familie der Echten Gräser zählen bedeutende Kulturpflanzen wie Weizen, Gerste, Roggen, Hafer und Mais; aber auch wichtige Ackerunkräuter wie der Ackerfuchsschwanz, die Quecke, das einjährige Rispengras oder der Windhalm. Gegen diese Ungräser stehen Gräserherbizide (Graminizide) zur Verfügung, die eine wirkungsvolle Bekämpfung ermöglichen. Sauergräser hingegen sind schwerer bekämpfbar und werden zunehmend zu einem Problem in Äckern und auf Gemüsebauflächen. Sauergräser haben meist einen dreikantigen Stängel; die Blätter sind dreizeilig angeordnet (im 120° Winkel). Die einzelnen Blüten sind unscheinbar. In der Schweiz sind Sauergräser durch die zunehmende Verbreitung des Erdmandelgrases (Cyperus esculentus L.) in den Fokus geraten.

Erdmandelgras

Das Erdmandelgras wurde bei uns erstmals vor etwa 30 Jahren beobachtet. In der Zwischenzeit hat es sich stark ausgebreitet und ist zu einem grossen Problem geworden. Es vermehrt sich vegetativ über Knöllchen. Diese werden leicht mit Erdmaterial, Pflanzgut, Ernterückständen und Maschinen verschleppt. So ist es zum Beispiel schwierig, Erntemaschinen für Zuckerrüben oder Kartoffeln vollständig zu reinigen, weshalb Knöllchen unbemerkt auf unbefallene Flächen gelangen können. Durch den überbetrieblichen Maschineneinsatz verschärft sich das Problem.

Neben dem Erdmandelgras kommen in der Schweiz weitere Sauergräser vor, die auf landwirtschaftlichen Flächen ebenfalls zu Problemen führen können:

Meerstrandbinse

Beschreibung: Die Meerstrandbinse (Bolboschoenus maritimus (L.) Palla) ist ausdauernd. Sie hat einen scharf dreieckigen Stängel und glänzend dunkelgrüne Blätter. Die Pflanze ist nicht behaart. Unter dem Boden bildet sie Rhizome und Knöllchen. Im Vergleich zum Erdmandelgras ist die Meerstrandbinse massiver im Wuchs (Triebe, aber auch Knöllchen) und dunkler in der Farbe.
Vorkommen: Die Meerstrandbinse kommt in unseren Breiten natürlicherweise entlang von Gewässern vor. Dort wird sie jedoch seltener. Seit den 80er Jahren kommt die Pflanze(verstärkt) auf Äckern vor (Hilbig, 1994). In der Schweiz ist sie an natürlichen Standorten gefährdet; im Kanton Genf ist sie geschützt.
Landwirtschaftliche Bedeutung: Gelangen Knöllchen in ein Feld, werden sie durch die Bearbeitung verteilt und es kann zu einer starken Vermehrung kommen. Die Früherkennung von derart problematischen Pflanzen ist extrem wichtig. Befallene Ackerstandorte werden beschrieben als feuchte, nährstoffreiche, basische bis schwach saure Lehm- und Tonböden mit hohem Grundwasserstand.
Bekämpfung in gemüse- und ackerbaulich genutzten Flächen: Kontakt aufnehmen mit der kantonalen Fachstelle. Handelt es sich um eine begrenzte Befallsstelle, diese nicht weiter mit Kulturen bebauen. Damit kann eine weitere Verschleppung vermieden und neu keimende Pflanzen können ausgegraben und entsorgt werden (in den Kehricht). Maschinen müssen gründlich gereinigt werden.

Sauergräser Meerstrandbrise
1. Triebe der Meerstrandbinse. Die unterirdischen Ausläufer sind drahtig und massiv. 2. Blüte der Meerstrandbinse. 3. Die Meerstrandbinse bildet ein dichtes Netzwerk im Boden. 4. Knöllchen der Meerstrandbinse

Behaarte Segge

Beschreibung: Die behaarte Segge (Carex hirta) ist ausdauernd. Die Blüten sind in mehreren Ähren angeordnet. die seitenständigen Ähren mit rein weiblichen Blüten unterscheiden sich optisch von den endständigen mit rein männlichen Blüten. Der Stängel ist kahl; die Blätter sind behaart und fühlen sich „weicher “ an als die Blätter vom Erdmandelgras. Im Gegensatz zu denjenigen vom Erdmandelgras glänzen die Blätter nicht und sie sind dunkler grün. Die behaarte Segge bildet massive, drahtige, unterirdische Ausläufer.
Vorkommen: An feuchten Wegrändern und Gräben.
Landwirtschaftliche Bedeutung: In der Schweiz hat die behaarte Segge an einigen landwirtschaftlich genutzten Standorten zu massiven Problemen geführt. Gelangt die Pflanze in ein Feld, wird sie durch die Bearbeitung schnell innerhalb der Parzelle verteilt.
Bekämpfung in gemüse- und ackerbaulich genutzten Flächen: Über die Wirkung von Herbiziden gegen die behaarte Segge findet sich wenig; gemäss Produktinformationen weisen Glyphosat-haltige Pflanzenschutzmittel eine gute Wirkung gegen Seggen auf. Tritt die behaarte Segge eng begrenzt auf, bietet es sich auch an, diesen Bereich nicht mit Kulturen zu bebauen. Bei der Bekämpfung sollten  sowohl chemische als auch mechanische Massnahmen ergriffen werden. Die sorgfältige Reinigung der Maschinen und die Entsorgung von ausgegrabenen Pflanzen im Kehricht sind wichtig. 

Sauergräser behaarte Segge

Referenzen

- Baltisberger, M. 2003: Systematische Botanik – Einheimische Farn- und Samenpflanzen. Vdf Hochschulverlag AG an der ETH Zürich.

- Bryson, C. T. und Carter, R., 2008: The Significance of Cyperaceae as Weeds. Chapter 2, S 15-101. In:R.F.C. Naczi & B.A. Ford (Eds.), Sedges: Uses, Diversity and Systematics of the Cyperaceae. Monogr. Syst. Bot. Missouri Bot. Garden 108.

- Lauber, K., Wagner, G. und Gygax, A., 2012: Flora Helvetica, 5. Auflage. Haupt Verlag NATUR, Bern – Stuttgart – Wien.

- Hilbig, W. 1994: Das segetale Auftreten von Bolboschoenus maritimus (L.) Palla. Berichte der Bayerischen Botanischen Gesellschaft 64, S. 81-85.
 

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