20 Jahre Bodenerosionskartierung – eine Erfolgsgeschichte (Letzte Änderung 12.07.2018)

Zürich-Reckenholz, 12.07.2018 - Bodenerosion gilt weltweit und auch in der Schweiz als eine der grössten Bedrohungen der Ressource Boden. Langjährige Erosionsschadenskartierungen von Agroscope zeigen, dass die Bodenerosion von Ackerflächen durch praxistaugliche Massnahmen massiv reduziert werden kann.

In der Schweiz ist das Erosionsrisiko hoch. Der Grund: das hügelige Relief und die hohen Niederschläge auf einem grossen Teil der landwirtschaftlichen Nutzfläche. Dies zeigt ein Blick auf die von Agroscope mitentwickelte Erosionsrisikokarte der Schweiz auf dem Geoportal des Bundes (siehe Link im Anhang).

Eine standortangepasste Bodenbewirtschaftung ist daher eine der wichtigsten Erosionsschutzmassnahmen. Feldbeobachtungen und -kartierungen eignen sich am besten, um Ausmass, räumliche Verbreitung, Ursachen, Folgeschäden und zeitliche Entwicklung von Bodenerosion sowie die Wirksamkeit von Schutzmassnahmen aufzuzeigen.

Längste Datenreihe zur Bodenerosion

Seit Oktober 1997 wird von Agroscope in der Region Frienisberg im Kanton Bern ein Langzeitmonitoring zur Bodenerosion auf Ackerflächen durchgeführt.

Auf insgesamt 203 Ackerparzellen werden nach jedem grösseren Regenereignis detaillierte Erosionsschadenskartierungen durchgeführt. Es liegen insgesamt 128 einheitlich erhobene, flächendeckende Kartierungen vor.

Diese stellen einen in der Schweiz und Europa einzigartigen Datensatz zum Ausmass und zur Entwicklung der Bodenerosion dar.

Bodenabtragsmenge schwankt von Jahr zu Jahr

Die Bodenabträge schwanken bezüglich Menge von Jahr zu Jahr sehr stark, je nach Witterung im Gebiet und Bewirtschaftung der verschiedenen Parzellen. Deshalb sind langjährige Kartierungen zwingend notwendig, statistische Auswertungen und Trendanalysen aber schwierig. Für einen Vergleich wurden die Daten deswegen zu zwei 10-Jahresperioden (Oktober 1997 – September 2007 und Oktober 2007 – September 2017) zusammengeführt.

Bodenerosion hat deutlich abgenommen

Der mittlere Bodenabtrag im gesamten Untersuchungsgebiet (265 ha) lag über die ersten 10 Jahre bei knapp 200 t/Jahr, über die folgenden 10 Jahre bei lediglich 59 t/Jahr. Zwischen den beiden Perioden zeigt sich somit eine markante Abnahme des Bodenabtrags um mehr als zwei Drittel. Auch die Anzahl grosser Erosionsschäden hat deutlich abgenommen. Die Analyse der Niederschlagsdaten zeigt keine Unterschiede für beide Perioden.

Bodenschutzmassnahmen zeigen Wirkung

Im Laufe der letzten 20 Jahre führten unter anderem technischer Fortschritt und Anreizstrategien von Kantonen und Bund zu Änderungen bei Bodenbearbeitungsverfahren und Fruchtfolgen. Dies sind zwei der wichtigsten erosionsrelevanten Faktoren.

Bei der Massnahme Bodenbearbeitung stieg der Anteil an konservierenden Anbauverfahren (Direktsaat, Mulchsaat, Streifenfrässaat, Streifensaat) bei den Hauptkulturen durch die Teilnahme an Programmen (Förderprogramm Boden Kt. Bern 2010-2015, Ressourceneffizienzbeiträge Bund 2014-2017). In Zahlen: Der Anteil an konservierenden Anbauverfahren stieg von durchschnittlich 6 % in den ersten 10 Jahren auf 60 % in den darauffolgenden 10 Jahren und lag 2017 bei 75 % der offenen Ackerfläche.

Die Sensibilisierung der Bewirtschaftenden durch einen Berater der Fachstelle Bodenschutz und einen innovativen Lohnunternehmer im Gebiet sowie die zahlreichen wissenschaftlichen Aktivitäten dürften einen wesentlichen Einfluss auf die starke Verbreitung dieser Erosionsschutzmassnahmen gehabt haben.

In der gesamten Schweiz betrug der Anteil konservierender Bodenbearbeitungsverfahren im Jahr 2017 nur 23 %. Die Erhebungen im Untersuchungsgebiet zeigen, dass unter Praxisbedingungen Erosionsschutz möglich und sehr erfolgreich ist.

Literatur

Prasuhn, V., Doppler, T., Spycher, S., Stamm. C. (2018): Pflanzenschutzmitteleinträge durch Erosion und Abschwemmung. Agrarforschung Schweiz 9(2), 44-51

Prasuhn, V., Chervet, A. (2017): Erosionsschutz in der Region Frienisberg - eine Erfolgsgeschichte. - Bodenbericht 2017, VOL Bern, Fachstelle Bodenschutz, 38-42.

Prasuhn, V. (2017): Langzeitmonitoring von Bodenerosion in der Schweiz – Ergebnisse von 20 Jahren Erosionsschadenkartierungen. Berichte der Deutschen Bodenkundlichen Gesellschaft (DBG). 6 S.

 


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