Reduktion der Umweltauswirkungen von Pflanzenschutzmitteln ist möglich

Zürich-Reckenholz, 14.06.2018 - Forschende von Agroscope haben die Risiken und Umweltwirkungen von Pflanzenschutzmitteln in Hauptkulturen der Schweizer Landwirtschaft untersucht. Mit einer gezielten Auswahl der eingesetzten Wirkstoffe und einer konsequenten Befolgung der Grundsätze des integrierten Pflanzenschutzes können die Risiken und unerwünschten Umweltwirkungen erheblich gesenkt werden.

Pflanzenschutzmittel (PSM) sichern die Erträge von landwirtschaftlichen Kulturen und die Qualität der Produkte. PSM haben aber auch unerwünschte Nebenwirkungen auf den Menschen und die Umwelt.

In einer Studie haben Forschende von Agroscope die Wirkungen von PSM auf Organismen im Gewässer, im Boden und in unmittelbarer Nähe der Felder (in den Saumbiotopen) für fünf landwirtschaftliche Kulturen ermittelt: Raps, Weizen, Karotten, Kartoffeln und Zuckerrüben.

Dabei wurden jeweils die typischen Spritzfolgen für drei Anbauverfahren mit unterschiedlicher Behandlungsintensität untersucht: eine durchschnittliche Variante nach dem ökologischen Leistungsnachweis (ÖLNmittel), eine Variante mit höherer Behandlungsintensität (ÖLNhoch) sowie eine Variante nach den Anbaurichtlinien der Labelorganisation IP-SUISSE (IPS). Die Beurteilung erfolgte mittels den beiden Methoden Risikobewertung und Ökobilanz (siehe unten). Die Studie wurde finanziell vom Migros-Genossenschaftsbund unterstützt und aktiv durch IP-SUISSE begleitet.

Reduktionspotenzial je nach Kultur unterschiedlich

Die Anbauverfahren gemäss IP-SUISSE-Richtlinien wiesen erheblich geringere bis ähnliche Risiken und Umweltwirkungen von PSM auf, als die typische Behandlungsintensität im ÖLN (ÖLNmittel). Besonders ausgeprägt waren die Reduktionen in Raps, Weizen und in einigen Fällen in Kartoffeln. In den Saumbiotopen wurden die grössten Unterschiede festgestellt. Die Verfahren mit hoher Behandlungsintensität (ÖLNhoch) wiesen für mehrere Indikatoren deutlich höhere Umweltwirkungen oder Risiken auf. Im Allgemeinen sind Ansätze des integrierten Pflanzenschutzes – wie die Beachtung von Schadschwellen – wichtig, um die Behandlungsintensität zu senken. Dabei müssen Ertrags- und Qualitätseinbussen vermieden werden.

Differenzierte und umfassende Bewertung notwendig

Die Ergebnisse für die analysierten Umweltkompartimente Gewässer, Boden und Saumbiotop unterscheiden sich teilweise erheblich. Eine aussagekräftige Bewertung von Pflanzenschutzstrategien muss daher alle betroffenen Umweltkompartimente mit einbeziehen.

In den untersuchten Anbauverfahren werden eine breite Palette von PSM gegen eine Vielzahl von Schädlingen und Krankheiten eingesetzt. Die Untersuchung hat jedoch gezeigt, dass meist nur ein einzelner oder wenige Wirkstoffe die Risiken und Umweltwirkungen entscheidend beeinflussen. Dies zeigt, dass einerseits eine differenzierte Analyse erforderlich ist und anderseits der Verzicht auf kritische Wirkstoffe markante Verbesserungen mit sich bringen kann.

Die hier durchgeführte sich ergänzende Abschätzung von Umweltrisiken mittels Risikobewertung und Umweltwirkungen mittels Ökobilanzen ermöglicht eine umfassende Bewertung und liefert wichtige Entscheidungsgrundlagen für die Reduktion von unerwünschten Nebenwirkungen auf die Umwelt.

Risikobewertung und Ökobilanz

Die Risikobewertung erlaubt die Abschätzung von ökotoxikologischen Risiken von PSM unter Berücksichtigung von standort- und anwendungsspezifischen Faktoren. Dabei kam die Methode SYNOPS zum Einsatz, mit welcher die Risiken für die Gewässer- und Bodenorganismen sowie für die Nützlinge und Bienen im Saumbiotop analysiert wurden.

Die Ökobilanz liefert eine generische Abschätzung der aquatischen und terrestrischen Ökotoxizität sowie eine Wirkungsabschätzung für relevante Umweltwirkungen unter Einbezug der vor- und nachgelagerten Stufen bezogen auf eine aussagekräftige Einheit (hier 1 kg Erntegut). Für die Abschätzung der Ökotoxizität kamen das PestLCI-Konsensus-Modell und die Wirkungsabschätzung nach USEtox und ReCiPe2016 zur Anwendung. Für die übrigen Umweltwirkungen erfolgte die Analyse nach der Methode SALCA von Agroscope.


Adresse für Rückfragen

Thomas Nemecek, Stellvertretender Leiter Forschungsgruppe Ökobilanzen
Agroscope, Forschungsbereich Agrarökologie und Umwelt
Reckenholzstrasse 191, 8046 Zürich, Schweiz
thomas.nemecek@agroscope.admin.ch, +41 58 468 72 54

Laura de Baan, Wissenschaftliche Mitarbeiterin Forschungsgruppe Ökotoxikologie
Agroscope, Kompetenzbereich Pflanzen und pflanzliche Produkte
Schloss 1, 8820 Wädenswil, Schweiz
laura.debaan@agroscope.admin.ch, +41 58 460 61 95

Carole Enz, Mediendienst, Corporate Communication Agroscope
Schloss 1, 8820 Wädenswil, Schweiz
carole.enz@agroscope.admin.ch, +41 58 460 62 72



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