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SpeechPublished on 9 June 2026

Soirée Suisse (de)

Berlin, 09.06.2026 — Speech given by Foreign Minister Ignazio Cassis, Head of the Department of Foreign Affairs (FDFA) - check against delivery

Sehr geehrte Frau Bundesministerin Bär,
sehr geehrte Frau Botschafterin, liebe Livia,
Exzellenzen,
meine Damen und Herren,
liebe Freunde der Schweiz,

es ist mir eine grosse Freude, Sie heute Abend hier in der Schweizer Botschaft begrüssen zu dürfen.

Ein Haus, das geblieben ist

Wir feiern die Soirée Suisse.

Aber eigentlich feiern wir etwas Grösseres: die Freundschaft zwischen Deutschland und der Schweiz.

Und dafür gibt es kaum einen besseren Ort als dieses Haus.

Vor 25 Jahren wurde seine Renovation abgeschlossen. Wer seine Geschichte kennt, merkt schnell: Es ist weit mehr als eine Botschaft.

Es wurde im 19. Jahrhundert gebaut. Es sollte einmal abgerissen werden. Es überstand Kriege und politische Umbrüche. Während der Teilung Deutschlands lag es am Rand der politischen Welt. Nach der Wiedervereinigung fand es sich plötzlich wieder im Zentrum Berlins.

Man könnte sagen: Dieses Haus hat eine sehr schweizerische Eigenschaft entwickelt.

Es ist nie in Panik geraten.

Es blieb einfach stehen.

Und manchmal ist das eine unterschätzte Strategie.

Nähe ohne Gleichförmigkeit

Meine Damen und Herren,

als dieses Haus vor 25 Jahren neu eröffnet wurde, befand sich auch Europa in einer Phase des Aufbruchs.

Deutschland wuchs in seine Rolle als vereintes Land hinein. Europa rückte enger zusammen.

Und die Schweiz suchte ihren eigenen Weg – eigenständig, aber eng verbunden mit ihren Nachbarn.

Heute leben wir erneut in einer Zeit grosser Veränderungen.

Die geopolitischen Gewissheiten der letzten Jahrzehnte geraten ins Wanken. Kriege sind nach Europa zurückgekehrt. Die internationale Ordnung steht unter Druck.

Gerade deshalb sind stabile Beziehungen wichtiger denn je.

Und hier dürfen wir feststellen: Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Schweiz sind ausgezeichnet.

Deutschland ist unser wichtigster Handelspartner. Die Schweiz gehört zu den bedeutenden Investorinnen in Deutschland.

Noch wichtiger aber ist das dichte Netz menschlicher Beziehungen zwischen unseren Ländern: Forschende, Unternehmerinnen, Studierende, Grenzgänger, Familien und Freunde.

Die eigentliche Stärke unserer Beziehung liegt nicht in Verträgen.

Sie liegt in den Menschen.

Vielleicht fühlen wir uns deshalb manchmal so nahe, dass wir unsere Unterschiede fast vergessen.

Dabei gibt es sie durchaus.

Wir sprechen oft dieselbe Sprache – und brauchen … gelegentlich trotzdem einen Dolmetscher.

Spätestens wenn ein Deutscher in Zürich nach einer Tüte fragt oder ein Schweizer in Berlin von seinem Velo erzählt.

Aber genau darin liegt der Reiz guter Nachbarschaft:

Nähe ohne Gleichförmigkeit.

Vertrautheit ohne Uniformität.

Europa als gemeinsame Verantwortung

Meine Damen und Herren,

die Herausforderungen unserer Zeit machen vor Grenzen nicht Halt. Deshalb bleibt Zusammenarbeit für Europa wichtiger denn je.

Die Schweiz arbeitet derzeit daran, ihre Beziehungen zur Europäischen Union zu stabilisieren und weiterzuentwickeln.

Für uns ist das keine Frage der Ideologie.

Es ist eine Frage der Geografie.

Die Schweiz liegt im Herzen Europas. Was in Europa geschieht, betrifft auch uns. Und was wir tun, hat Auswirkungen auf unsere Nachbarn.

Deutschland spielt dabei eine zentrale Rolle.

Für die konstruktive Unterstützung, die wir von deutscher Seite immer wieder erfahren, möchte ich ausdrücklich danken.

Denn Zusammenarbeit ist keine Einbahnstrasse.

Sie lebt von Gegenseitigkeit.

Vertrauen baut Brücken

Und sie beginnt mit Vertrauen.

Gebäude kann man renovieren.

Vertrauen muss jede Generation neu bauen.

Dieses Haus ist dafür ein schönes Symbol.

Seit über hundert Jahren steht es hier als Brücke zwischen unseren Ländern. Möge es dies noch lange tun!

Allen, die heute Abend auf ihre Weise zu dieser Brücke beitragen, danke ich herzlich.

Ich wünsche Ihnen einen inspirierenden Abend, gute Gespräche und viele neue Begegnungen.

Herzlichen Dank.