In Zukunft erhöht die zunehmende Erwärmung des Klimas die potenzielle Verdunstung. Bei gleichzeitig abnehmenden Sommerniederschlägen wird die Wasserverfügbarkeit für die Kulturen bedeutend reduziert. Die Anpassung an den Klimawandel und die Erhöhung der Klimaresilienz ist zentral, um die Nahrungsmittelproduktion auch zukünftig sichern zu können.
Bewässerung ist eine sehr naheliegende Massnahme, um Trockenheitslimitierungen für die Pflanzen auszugleichen und somit Ertrags- und Qualitätseinbussen zu verhindern. Die Bewässerung ist als Massnahme in verschiedenen Gebieten und bei ausgewählten Kulturen schon heute von grosser Bedeutung so bei Gemüse, Kartoffeln, Reben, Obst und Beeren. In einigen trockeneren Gebieten der Schweiz werden seit Jahrhunderten zudem auch Wiesen und Ackerkulturen bewässert. Die Bewässerung wird in Zukunft vor allem in Regionen wo Seen, grosse Flüsse oder ausgedehnte Grundwasservorkommen vorhanden sind, an Bedeutung gewinnen. Neben Spezialkulturen wird auch der Bedarf für die Bewässerung von Ackerkulturen und Wiesen zunehmen. Die Wassernutzung durch die Landwirtschaft steht allerdings auch in Konkurrenz zur Nutzung in Wohnzonen, Industrie und Freizeitbetrieb sowie mit Umweltschutzzielen.
In diesem Kontext gilt es, vorhandene Wasserressourcen für die Landwirtschaft zu sichern und insbesondere das verfügbare Wasser möglichst gezielt und sparsam einzusetzen. Die Bewässerung darf aber nicht als einzige und alleinige Massnahme angesehen werden, um dem Klimawandel zu begegnen. Weitere Massnahmen sind der Einsatz von weniger sommertrockenheitsanfälligen Kulturen oder Sorten, sowie Anbaumethoden und Anbautechniken, die es ermöglichen das Wasser länger im Boden zurückhalten.
Um die Ziele der Klimastrategie Landwirtschaft und Ernährung 2050 erreichen zu können, besteht Informations- und Forschungsbedarf. Es fehlen Bewässerungsdaten. Es ist nicht bekannt, wo und mit wieviel Wasser welche Kulturen in der Praxis heute bewässert werden. Eine standardisierte und zentrale Sammlung der Daten ist von Bedeutung. Das Bewässerungsmanagement und die eingesetzte Technik (Sensoren als Entscheidungshilfen, Automatisierung, Apps zum Verfolgen der Bewässerungsgaben) ist auf eine maximale Wassernutzungseffizienz auszurichten. Weiter fehlen praxistaugliche, modellbasierte Bewässerungsempfehlungen für die meisten Acker- und Gemüsekulturen sowie Wiesen. Ebenso besteht verstärkter Koordinationsbedarf zum Thema nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft zwischen Forschung, Beratung, Praxis, Firmen und Bundesämtern.
Zurzeit durchläuft die Schweiz in Bezug auf die Verfügbarkeit von Wasser für die Nutzpflanzen eine kritische Phase. Um diese Herausforderung des Klimawandels zu meistern, braucht es ganzheitliche Ansätze, die alle Akteure einbeziehen. Diesbezüglich besteht verstärkter Koordinationsbedarf zum Thema nachhaltige Wassernutzung in der Landwirtschaft zwischen Forschung, Beratung, Praxis, Firmen und Bundesämtern.