Tagung Pferdeforschung Schweiz
Das Schweizer Nationalgestüt von Agroscope organisiert zusammen mit der Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften BFH-HAFL und die ISME Avenches, Universität Bern, die Tagung Pferdeforschung Schweiz.

Tagung Pferdeforschung Schweiz - 27. Januar 2027
Nach einer längeren Pause lädt das Schweizer Nationalgestüt von Agroscope gemeinsam mit der BFH-HAFL und ISME Avenches, Universität Bern zur Tagung Pferdeforschung Schweiz ein, die am Mittwoch, 27. Januar 2027 im Schlosstheater in Avenches stattfindet.
Die Veranstaltung bietet eine einzigartige nationale Plattform für alle, die sich für Pferde und deren Forschung interessieren. Freuen Sie sich auf spannende, praxisnahe Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse sowie auf den direkten Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis.
Nutzen Sie die Gelegenheit, Ihr Netzwerk zu erweitern, neue Erkenntnisse zu gewinnen und aktiv am Dialog zwischen Forschung und Pferdebranche teilzunehmen.
Hier geht es zur Anmeldung Tagung Pferdeforschung Schweiz 2027.
Das Programm folgt
Einblick in die vergangenen Tagungen




























Tagung Pferdeforschung Schweiz 2023
Erfolgreiche Tagung Pferdeforschung Schweiz in Avenches
Das Schweizer Nationalgestüt von Agroscope freute sich, am 20.4.2023 die beliebte Pferdeforschungstagung in Avenches wieder durchführen zu können. Diese Veranstaltung stellt eine einzigartige interdisziplinäre Plattform für den Austausch zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern und allen Akteurinnen und Akteuren der Schweizer Pferdebranche dar. Dies entspricht einem wichtigen Fokus des Arbeitsprogrammes 2022−2025 von Agroscope, welches der Zusammenarbeit mit sämtlichen Beteiligten der Wertschöpfungskette grosse Bedeutung zumisst.Neuerungen
Nach den mittlerweile 16 Ausgaben der Tagung und nach zwei pandemiebedingten Unterbrechungen schien die Zeit für einige Neuerungen gekommen. So erfolgte die Durchführung neu als Hybridtagung, weshalb nebst den 150 Teilnehmenden vor Ort zusätzlich über 100 Personen aus der Ferne begrüsst werden konnten. Sie verteilen sich von der Schweiz über Deutschland, Frankreich, Italien, Luxemburg, Österreich bis hin nach Tunesien! Die Veranstaltung wird im Weiteren künftig im Zweijahresrhythmus durchgeführt – alternierend mit der Tagung «Equiday» in Avenches, welche noch praxisbezogener themenspezifische Inhalte vermittelt, oft in Form eines Postenlaufs und verschiedener Demonstrationen. Nicht zuletzt und Hand in Hand mit diesen Änderungen erfolgte eine Namensänderung - von «Jahrestagung Netzwerk Pferdeforschung Schweiz» in «Tagung Pferdeforschung Schweiz».Reichhaltiges Programm
So frisch wie der Morgen, zeigten sich die Nachwuchsforschenden, welche den ersten Teil «Studentische Arbeiten» bestritten.
Das Publikum sah, dass Pferde wohl lernfähiger sind, als manchmal angenommen, zumindest wenn eine Belohnung in Aussicht gestellt ist. Einige Pferde schaffen es, ihre Vorlieben via Symbolsprache dem Menschen mitzuteilen – das eröffnet völlig neue Ansätze zur Tier-Mensch Kommunikation.
Das Stallklima scheint den Jungforschern am Herzen zu liegen. Dieses erwies sich im untersuchten NPZ Bern ohnehin und auch ohne Belüftungssystem als sehr gut und ist zudem nicht nur von der Einstreuwahl, sondern mit-entscheidend vom Stallmanagement abhängig. Nach Einsatz im Stall kann übrigens der Wert von gebrauchter Einstreu als Co-Substrat in Biogasanlagen dank Dampfvorbehandlung erhöht werden.
Auch der Umweltschutz beschäftigt unsere Studierenden, und mit einer Aufwertung der Biodiversität könnten Reitsportanlagen einen Zusatznutzen mitbringen.
Schliesslich zeigte eine schöne Arbeit, dass die Aufnahme von Raufutter aus Slowfeedern dem natürlichen Grasen ähnlicher ist als der Verzehr von offen dargelegtem Heu.Wichtiger Gastvortrag
Der Gastvortrag von Prof. Dr. Hanno Würbel brachte anschaulich näher, wie «gute» Forschung erkannt und entsprechend Vertrauen in deren wissenschaftliche Erkenntnisse aufgebaut werden kann. Es gilt, drei Kriterien zu erfüllen: Beantwortung relevanter Fragen, Einhalten der Regeln guter Forschungspraxis und Wahrnehmung der ethischen Verantwortung.Vorstellung aktueller wissenschaftlicher Studien der Pferdeforschung
Im Block 1 der Tagung erfuhr das Publikum, wie wichtig es ist, subtile Stresssignale von Pferden mit eher introvertierter Persönlichkeit zu erkennen und dass es das Auge zu trainieren gilt, um echte Freundschaften zwischen Pferden erfassen zu können.
Ob Mann oder Frau führt zu einer unterschiedlichen Einstellung gegenüber dem Pferd und beeinflusst insbesondere, wie mit diesem umgegangen wird. Wer strebt wohl eher eine dominante Rolle an und wer sucht vermehrt nach einer harmonischen Mensch-Tier-Beziehung?
Interessanterweise erfuhren die Anwesenden schliesslich, dass unsere einheimische Pferderasse, der Freiberger, im Vergleich mit anderen Rassen relativ wenig ingezüchtet ist, und erstaunlich hohe individuelle Vollblut-Fremdbutanteile aufweist, obwohl historisch keine Vollbluteinkreuzung nachgewiesen ist.Der zweite Block führte das Publikum dank einer neuen Exterieur-Erfassungsmethode zu Kandidatengenen beim Lipizzanerpferd für Gesundheit und Langlebigkeit. Hingegen sind Winkelmessungen der Gelenke von Pferden alleine offenbar nicht geeignet, um die Geradlinigkeit von Gangarten vorherzusagen. Zur Fütterung mit Heunetzen nahm eine epidemiologische Studie den Pferdehaltenden die Angst vor potentiell dadurch verursachten Muskel- und Skelett-Beschwerden. Zudem erfuhren die Anwesenden, dass Pferde möglicherweise bald dank eines humanen Impfstoffes gegen die von Zecken verursachte Frühsommer-Meningoenzephalitis geschützt werden können. Schliesslich wurden Ergebnisse zu einem vielversprechenden Marker für den Reifestand der weiblichen Gameten bei Stuten präsentiert, was allenfalls auch als Vorhersage der Fertilität genutzt werden könnte.
Im dritten und letzten Block ging es nur noch um die Pferdehaltung und die Zuhörer sowie Zuhörerinnen lernten, dass Pferde wohl wesentlich mehr Platz brauchen als oft gedacht, um in Gruppenhaltung ungestört fressen zu können. Das untypische Harnen in Fütterungs-Abrufstationen stellt die Forschenden und Pferdepraktiker sowie -praktikerinnen vor Herausforderungen. Andererseits scheint dank einer letzten Studie erwiesen, dass mit der neuen Sozial-Boxe eine deutliche Verbesserung der Haltungssituation von Hengsten erreicht werden kann, ohne dass sich dies negativ auf deren Einsatz beim Gespannfahren auswirkt.
Citizen Science Forschung
Zum Abschluss wurde das Publikum in das grosse Potential und den Wert von sogenannten Citizen Science Studien eingeweiht. Auf deutsch als «Bürgerwissenschaft» bezeichnet, handelt es sich dabei um ein Vorgehen, bei welchem Forschende und freiwillig teilnehmende interessierte Personen aus der Bevölkerung zusammenarbeiten, um gemeinsam Forschung zu betreiben. Anlässlich des Equidays 2021 in Avenches konnten einige solche Versuche gestartet werden, um Erfahrungen zu sammeln und dafür geeignete Fragestellungen zu erkennen.Dr. Iris Bachmann
Leiterin Forschungsgruppe Equiden
Agroscope, Schweizer Nationalgestüt SNG
Netzwerktagung Pferd 2021 - Online
Contact Tracing auch Thema an Tagung zu Pferdeforschung
Auch im Online-Format mobilisierte die 16. Jahrestagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz ihre Fangemeinde. Das Schweizer Nationalgestüt von Agroscope und seine Partner ziehen eine positive Bilanz.Gut 200 Personen nahmen am 29. April 2021 von ihrem PC aus an der diesjährigen Tagung teil. Besonders viele aus dem Ausland nutzen diese Chance zur unkomplizierten Weiterbildung, dank Zweikanalton-Verfahren wahlweise in deutscher oder französischer Sprache. Sogar aus Kanada und England schalteten sich Interessierte zu. International aktuell war auch das Tagungsthema im Freien Block mit eingeladenen Gastreferierenden: Contact Tracing zur Unterbrechung von Ansteckungsketten ist auch bei Pferden wichtig. Elektronische Rückverfolgbarkeit und daraus generierte Tierdaten bieten zudem eine erstaunliche Fülle an weiteren nutzbringenden Informationen zur Pferdebranche.
Die eingereichten Beiträge aktueller Studien aus diversen wissenschaftlichen Disziplinen zeugten einmal mehr von der regen Schweizer Forschungstätigkeit im Pferdebereich und boten allen Teilnehmenden etwas.
Neue Wege wurden in den Diskussionsforen beschritten. Nebst virtuellen Gesprächsrunden konnten auch die Poster an digitalen Treffen präsentiert und diskutiert werden.
Wie jedes Jahr erfolgten Preisvergaben für junge Forschende. Elise Rondez-Jeannerat und Lara Piccolo gewannen mit ihren Beiträgen «Bestimmung des Zeitpunkts der postkopulatorischen Partnerwahl der Stute» und «Ohrenpositionen und Ohrenbewegungen als ethologische Indikatoren für Stress beim gerittenen Pferd» die Auszeichnungen für den besten wissenschaftlichen Vortrag bzw. für das beste wissenschaftliche Poster. Den Spontanpreis durfte Charlotte Hiltebrand für ihren Beitrag «Ökobilanzen der häufigsten Einstreumittel für Pferde in der Schweiz – lohnt es sich genau hinzusehen? » entgegennehmen.
Sponsoren der Preise waren die Gemeinde Avenches, Identitas, Cofichev (Conseil et Observatoire suisse de la filière du cheval) und der Schweizerische Freiberberverband.
Netzwerktagung Pferd 2019
Pferdespezialisten diskutieren die Umweltwirkungen der Pferdebranche
Das Pferd ist das Haustier mit den grössten Auswirkungen auf die Umwelt: so lautet das Fazit eines 2018 von ESU-services GmbH veröffentlichten Berichts. Innerhalb der Forschungsgemeinschaft wird diese Aussage diskutiert, aber der ökologische Fussabdruck der Pferdebranche steht dennoch mehr denn je im Zentrum der Aktualität. So wurde diese Frage auch an der 14. Jahrestagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz vom 10. April 2019 in Avenches thematisiert.
Seit 2005 organisiert das Nationalgestüt von Agroscope die Fachtagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz für den Wissensaustausch zwischen Forschung und Pferdebranche. An der Tagung 2019 nahmen 180 Forschende, Studierende, Züchterinnen und Zürcher, Unternehmerinnen und Unternehmer sowie weitere Experten der Pferdebranche teil. Im Zentrum der diesjährigen Ausgabe standen die ökologischen Auswirkungen der Pferdebranche, eine Frage, die in der wissenschaftlichen Literatur bisher wenig beleuchtet wurde, aber zunehmend an Aktualität gewinnt.
Pferd und Umwelt: beste Feinde?
Die Zucht und Haltung von Pferden sind energie-, ressourcen- und flächenintensiv: dabei geht es insbesondere um den Transport von Futter und Einstreu, die für den Unterhalt von Reitplätzen erforderliche Wassermenge oder auch den Verlust von Kulturland durch den Bau von Reitsportanlagen. Auch die Fütterung von Pferden ist für das ökologische Gleichgewicht der Pferdebranche besonders problematisch, wie Niels Jungbluth, Experte von ESU-services GmbH, in seinem Vortrag erläuterte.
In der Pferdebranche ist daher ein umweltfreundlicherer Ansatz gefordert. In seinem Beitrag zeigte Georg W. Fink aus Deutschland Möglichkeiten einer nachhaltigen Pferdezucht und –haltung auf: geringerer Flächenbedarf dank besserer Planung der Infrastrukturen, Einsatz von Regen- und Quellwasser anstatt Trinkwasser oder Gewinnung von Treibstoff oder Dünger aus Pferdemist.
Fortschritte in der Pferdeforschung
Im Zentrum der verschiedenen Tagungsbeiträge standen auch neue Forschungsresultate in den Bereichen Zucht, Ethologie, Haltung, Genetik und Pferdemedizin: so präsentierten die Forschenden aus der Schweiz die neu entwickelte Methode zur Identifikation eines Antikörpers gegen das allergische Sommerekzem – eine Pferdekrankheit, die durch Stiche gewisser Insekten verursacht wird.Andere Experten referierten zur Hypothese, dass koppende Pferde empfindlicher auf taktile Stimulationen reagieren würden als Pferde ohne Stereotypen. Ein weiterer Vortrag war dem Einfluss der Asymmetrie von Pferd und Reiter auf die Gesundheit des Rückens der Tiere gewidmet. Die verschiedenen Vorträge wurden durch Posterpräsentationen ergänzt.
Beste Forschungsarbeiten prämiert
Die Pferdeforschung ist ein sehr dynamischer Bereich, wie dies die qualitativ hochstehenden Beiträge der Wissenschaftler und Studierenden an der 14. Jahrestagung in Avenches zeigten. Verschiedene Forschende wurden mit wissenschaftlichen Preisen ausgezeichnet:Wissenschaftlicher Preis – beste Präsentation
Ella Nina Novotny – Micro-Chip Array Analyse von IgE-Antikörper gegen rekombinante Gnitzenallergene in Seren von Pferden mit Sommerekzem Wissenschaftlicher Preis – bestes Poster
Angela Kirchmeier – Steroidprofile vor und nach ACTH-Stimulation bei Pferden Wissenschaftlicher Spontanpreis
Janine Vollenweider – Von «Eidgenossen», die nie Schweizer wurden. Bemühungen der schweizerischen Zucht um eine unabhängige Pferdeversorgung der Armee, 1865-1939Neben den drei wissenschaftlichen Preisen wurden der Preis «Zucht» sowie der Preis «Pferdebranche» an folgende Personen verliehen:
Preis Zucht
Jan Henkel – Eine grosse Deletion im MITF Gen in weiss-gescheckten Pferden mit erhöhtem Taubheitsrisiko Preis Pferdebranche
Silja Gunst – Asymmetrien von Reiter und Pferd und deren Einfluss auf die Satteldruckverteilung im Stehen und im ausgesessenen TrabDie 15. Jahrestagung Netzwerk Pferdeforschung wird am 2. April 2020 in Avenches stattfinden.
Netzwerktagung Pferd 2018
Pferde in der Schweiz: viel Erfreuliches und neue Herausforderungen
In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Haltungssysteme für Pferde in der Schweiz massiv verändert: Boxen mit Auslauf und Gruppenhaltung dominieren. Letztere hat vor allem in der Deutschschweiz stark zugenommen, weniger in der Romandie – so das Fazit einer repräsentativen Studie zur Situation der Pferde, präsentiert an der 13. Jahrestagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz vom 19. April 2018. An der vom Schweizer Nationalgestüt von Agroscope und Partnern in Avenches organisierten Fachtagung präsentierten rund 30 Forschende ihre jüngsten Resultate der Schweizer Pferdeforschungsgemeinschaft.Pferde sind soziale Tiere und brauchen viel Bewegung. Entsprechend haben sich die Stallsysteme in den letzten zwanzig Jahren stark verändert: Boxenhaltung hat markant abgenommen und Stallsysteme wie Gruppenhaltung, welche dem Bewegungsbedürfnis entgegenkommen, setzen sich durch. Die Gruppenhaltung führt zu neuen Herausforderungen wie beispielsweise die bedarfsgerechte und ungestörte Fütterung aller Tiere in der Gruppe. Futterdispenser, welche die Futteraufnahme verlangsamen, werden bei einem Drittel der erfassten Equiden eingesetzt. Dies kann ein guter Ansatz sein, um die Pferdefütterung artgerechter zu gestalten, ohne dass die Tiere übergewichtig würden. Allerdings fehlt es noch an Untersuchungen betreffend Langzeiteffekten auf die Gesundheit und das Verhalten.
Nur mässige Nutzung, dafür gebisslos und barhuf
Die gleiche Studie brachte weitere Neuigkeiten ans Licht: Nur knapp die Hälfte der erfassten Equiden wird zum Reiten, Fahren oder für die Zucht genutzt. Offensichtlich werden viele Pferde rein zur Freude und ohne herkömmliche Nutzungsambitionen gehalten. Interessant ist auch, dass 37 Prozent der genutzten Equiden nicht beschlagen sind. Zudem werden fast 30 Prozent immer oder gelegentlich ohne Gebiss geritten. Diese Ergebnisse weisen auf einen steigenden Bedarf an Wissen für die korrekte Hufpflege von Barhufpferden oder zum gebisslosen Arbeiten mit Pferden hin.Smarte Daten für Gesundheit, Genetik und Pferdehaltung
Beindruckend ist, wie die Digitalisierung auch in der Pferdeforschung Einzug hält und neue Erkenntnisse hervorbringt. Sie liefert beispielsweise Daten zur Überwachung der Vitalparameter des Pferdes wie Herz, Atmung und Körpertemperatur. Dies wiederum kann vielfältig genutzt werden, in der Medizin sowie zur Optimierung des Pferdetrainings. Als weiteres Beispiel, liess sich dank GPS-Daten das Sozialverhalten von Hengsten in Gruppen analysieren. Zudem brachte ein Vergleich von digitalisierten Fotografien mit Pedigree-Daten ein neues nützliches Werkzeug hervor, welches zum Monitoring der Diversität in kleinen Populationen lokaler Pferderassen hilfreich eingesetzt werden kann.Das Pferd - ein Spiegel der Gesellschaft
Einmal mehr wurde diese Tagung ihrer Multidisziplinarität gerecht und zeigte ein vielseitiges Bild der gut vernetzten Schweizer Pferdeforschung. Nicoline Schaub verdeutlichte den Wandel der Zeit zwischen 1916 und 1960 anhand der bekannten Pferdeplakate von Iwan E. Hugentobler, welche über 60 Jahre in den Strassen der Schweiz präsent waren. Ulrich Fritz nahm das Publikum mit in die frühe Neuzeit mit seinem Vortrag «Das Pferd auf der Treppe» und beschrieb, wie sich die gehobene Gesellschaft damals anhand des Pferdes und der Reitkunst präsentierte.Das Pferd ist etwas Besonderes
Der Tagungsgast Mario Nottaris vom Schweizer Fernsehen berichtete über die einzigartige Stellung des Pferdes in unserer Gesellschaft. Seine Erfahrungen bei der letztjährigen Berichterstattung zum Pferdehaltungsskandal im Thurgau waren eindrücklich. Er ist überzeugt, dass keine andere Tiergattung solch starke Wellen an Emotionen in der Gesellschaft ausgelöst hätte. Aus seiner Sicht sind darum Institutionen wie das Schweizer Nationalgestüt als Brückenbauer zwischen der städtischen und der ruralen Welt wichtig, weil sie mit ihren Informationen einen Beitrag leisten, damit diese Welten sich besser verstehen.
Netzwerktagung Pferd 2017
Die Pferdebranche Schweiz im liberalen Wandel?
Rund 25 Forschende aus der Schweiz präsentierten am 6. April 2017 ihre jüngsten Resultate an der 12. Tagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz im Théâtre du Château in Avenches. Am Nachmittag ging es um Kunst, Werbung, Lifestyle und Marketing und wie sich die Pferdebranche in der Schweiz weiterentwickelt.Die Pferdebranche Schweiz kann auf goldene Jahre zurück blicken, Zuwachszahlen bei den Equidenbeständen von bis zu 4 % pro Jahr waren über die letzten zwanzig Jahre die Regel, Pferdehaltungen aller Art schossen wie Pilze aus dem «landwirtschaftlichen» Boden. Diese Wachstumsphase bewegte kreative Köpfe zu einer neuen Wortschöpfung: «Horsyfication of agricultural landscape».
Nun zeigen die neusten Zahlen (2016) dass sich die Lage zu beruhigen scheint, betrug die Zunahme der Bestände in den letzten fünf Jahren nur noch 0.4% pro Jahr. Parallel dazu finden wir, als ein Beispiel, einen Rückgang bei den Brevet- resp. Stabilisierung bei den Lizenzprüfungen des Schweizerischen Verbandes für Pferdesport. Wie sollen wir nun diese Zahlen interpretieren? Geht es mit dem Pferd in der Schweiz, im breiten Sinne, allgemein bergab oder emanzipiert sich das Pferdewesen, ausserhalb jeglicher Verbandsstrukturen, in eine wenig organisierte, liberalere Richtung?
Seit einiger Zeit können wir beobachten wie sich in der Gesellschaft die allgemeine Wahrnehmung rund um Tiere verändert. Eine erhöhte Sensibilität und Empathie führen zu teilweise heftig geführten Diskussionen betreffend Tierwohl in Zucht-, Haltungs- und Nutzungsfragen. Dem Pferd kommt hierbei eine ambivalente Rolle zu, je nach Standpunkt des Betrachters bewegt es sich ständig hin und her zwischen klassischem Nutztier und dem wohlbehüteten Heimtier. Früher klar als Nutztier für Landwirtschaft und Armee gezüchtet, kommt den meisten Pferden heute die Rolle des geliebten Freizeitpartners zu. Neue, beziehungsfördernde (Mensch – Pferd) Nutzungsformen wie Bodenarbeit und «mit dem Pferd spazieren gehen» ergänzen resp. ersetzen mehr und mehr die traditionellen Reitformen. Diese Form der Liberalisierung in der Nutzung eröffnet durchaus Perspektiven, schafft Raum für Innovationen und ist zweifelsohne Ausdruck der eingangs erwähnten neuen gesellschaftlichen Strömungen.
Dass dem Pferd auch ausserhalb der Schweiz eine wichtige gesellschaftliche Rolle zuteil wird, zeigt eine aktuelle Publikation des Europaparlaments über «die verantwortliche Haltung und Pflege von Equiden». In diesem Positionspapier wird die erhebliche wirtschaftliche, ökologische und soziale Bedeutung der Pferdebranche unterstrichen, und die Kommission fordert die Mitgliedstaaten auf, Leitlinien zur Equidenhaltung auszuarbeiten. Insbesondere wird eine bessere Anerkennung der Equidenbranche und ihres Nutzens für die Wirtschaft im ländlichen Raum gefordert und eine Unterstützung der Tätigkeit des European Horse Network und der European State StudsAssociation durch die Mitgliedstaaten.
Im Kontext der gesellschaftlichen Entwicklung in Tierwohlfragen, der Globalisierung und gleichzeitigen Liberalisierung kommt der Forschung eine ganz zentrale Rolle zu. Sie muss proaktiv die sensiblen Themen aufgreifen und bearbeiten, um frühzeitig mit fundierten Antworten zu den in Zukunft für die Pferdebranche relevanten Fragestellungen Antworten und Entscheidungsgrundlagen liefern zu können. Forschung bedeutet auch Innovation, ein wichtiger Faktor damit die Dynamik in der Pferdebranche Schweiz erhalten bleibt.
Netzwerktagung Pferd 2016
Wie viele Gesetze und Reglemente braucht der Pferdesektor in der Schweiz?
Diese Frage stand im Zentrum der Podiumsdiskussion der 11. Jahrestagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz vom 7. April 2016. An der ausverkauften Tagung debattierten Vertreter von Bund und Pferdebranche sowie das Publikum Themen zu diesem Kontext. Die Podiumsdiskussion forderte keine neuen Gesetze, aber deren bessere Umsetzung. Dazu wurden mehr praxisnahe Ausbildung und Forschung gefordert. In Vorträgen und als Poster präsentierten rund 40 Forschende ihre jüngsten Resultate der Schweizer Pferdeforschungsgemeinschaft und dem breiten Publikum im Théâtre du Château in Avenches.Wird in der Schweiz über Pferde diskutiert, so spielen Gesetzgebungen und Reglemente sofort eine zentrale Rolle. Zudem ist die Komplexität der Regelwerke hoch. Bezeichnend in diesem Zusammenhang ist, dass ein neu publizierter Ratgeber „Pferd im Recht transparent" über 600 Seiten umfasst und vermutlich noch immer nicht alle Fragen zu beantworten vermag! Entsprechend dem wachsenden Pferdebestand in der Schweiz werden sämtliche Aktivitäten rund um Pferde vermehrt wahrgenommen und kritisch beurteilt. Die Pferdebranche nutzte die Netzwerktagung Pferdeforschung als Forum zum Austausch von Wissen und Positionen in Hinblick darauf, für die Branche förderliche Rahmenbedingungen zu erzeugen, dies jedoch auch im Wissen um die gleichwertigen Bedürfnisse aller branchenfremden Akteure.
Neueste Erkenntnisse zu Gesundheit, Genetik und Pferdehaltung
Die multidisziplinäre Tagung zeigte ein vielseitiges Bild der gut vernetzten Schweizer Pferdeforschung. Jüngste Erkenntnisse zur Therapie von Erkrankungen und Unfällen wurden mit neuesten Studien über die Hengsthaltung in Sozialboxen ergänzt. Die Forschung ist auf der Suche nach Formen der Gruppenhaltung, die allen Pferden stressloses Ruhen ermöglicht. Ebenso zogen die Forschenden Bilanz nach zwei Jahren Erfahrung mit der neuen Melde- und Informationsplattform für Pferdekrankheiten Equinella und vieles mehr.Auch Wohlbefinden und Verhaltensmerkmale erforscht
Heute zählt zur Beurteilung des Wohlergehens von Tieren nicht nur die physische Gesundheit, sondern auch der emotionale Zustand. Erste Untersuchungen zu den Augenfalten von Pferden zeigen, dass diese „Sorgenfalten" uns sehr wohl deren Gefühle verraten. Und erste standardisierte Tests zeigten erfolgversprechende Dimensionen auf dem Weg zur Erforschung von Genen, die das Temperament von Pferden beeinflussen.Die Forschungsarbeiten sind im Schweizer Archiv für Tierheilkunde sowie im Tagungsband Agroscope Science publiziert.Beste Forschungsarbeiten prämiert
Das Netzwerk Pferdeforschung Schweiz prämierte die besten Präsentationen und Poster.