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Veröffentlicht am 18. Mai 2026

Sorghum (Sorghum bicolor (L.) Moench)

Das aus Afrika stammende Sorghum bicolor (L.) Moench, ist in der Schweiz eine wenig bekannte Kultur. Aufgrund der sich ändernden klimatischen Bedingungen könnten seine Eigenschaften aber Teil der Lösungen für bevorstehende Herausforderungen sein. Sorghum ist wie Mais eine C4-Pflanze und an trockene Bedingungen angepasst. Es hat ein hohes Biomasspotenzial und ist als Futtermittel sowie für die Humanernährung geeignet. Da die Körner kein Gluten enthalten, können sie von Personen, die an Zöliakie erkrankt sind, ohne Einschränkung gegessen werden.

Sorghum kann in bestimmten Situationen durchaus eine interessante Alternative zu Mais sein: einerseits ist Sorghum im Vergleich zu Mais toleranter gegenüber Trockenperioden, andererseits wird es nicht oder wenig durch den Maiszünsler (Ostrinia nubilalis) und überhaupt nicht durch den Maiswurzelbohrer (Diabrotica virgifera) befallen. Auch Krähenfrass nach der Saat bzw. Wildschweinschäden sind seltener, da die Samen kleiner sind und anstelle von Kolben Rispen ausgebildet werden.

Sorghumanbaufläche Schweiz

Das Interesse an Sorghum als Futtermittel hing in den letzten Jahren vor allem von der Sommerwitterung beziehungsweise den Futtervorräten ab. In vielen Fällen bauten die Landwirte nicht über mehrere Jahre Sorghum an, sondern die Fluktuation der Produzenten war vergleichsweise hoch. Die angebaute Fläche war in der Schweiz verhältnismässig klein (446 ha im Jahr 2024). Sorghum wird überwiegend als ganze Pflanze zur Futternutzung verwendet (ca. 90.6 % der Fläche im Jahr 2024), während die Nutzung der Körner – insbesondere für die menschliche Ernährung – bislang nur eine untergeordnete Rolle spielt.

Zuckersorghum (2022 - bis heute)

Zuckersorghum wird zur Produktion von Melasse verwendet und kann auch für die Destillation von Alkohol eingesetzt werden. In einem Tastversuch wurden verschiedene Zuckersorghum-Sorten gepresst und entweder als Rohsaft oder als eingedickter Saft zur Sorghum-Spirituosen weiterverarbeitet. Die aus dem Dicksaft hergestellten Destillate zeigten sensorische Parallelen zu Rum.

Spannende Zukunftspflanze - Kleinbrennerei
Eine Alternative zu Rum - Kleinbrennerei

Anbautechnischer Silosorghumversuch (2022-2024)

In diesem Projekt wurdenVersuche mit vier Sorghumsorten, einer Maissorte und einer Sorghum-Mais-Mischung durchgeführt. Diese wurden in drei Reihenabständen (37.5, 50 und 75 cm, siehe Bilder) sowie zwei unterschiedliche Saatdichten angebaut. Nebst agronomisch relevanten Parametern wie der Standfestigkeit während der Vegetationszeit wurden zum Zeitpunkt der Ernte der Ertrag (ganze Pflanze) sowie der TS-Gehalt erfasst und im Anschluss die Futterqualität untersucht.

Einschnittige Sorghum Sortenversuch (2018-2021)

Um die spärlichen Informationen zum Futtersorghum-Anbau in der Schweiz zu erweitern, wurden in den Jahren 2018 bis 2021 Sortenversuche durchgeführt. Um die im Handel erhältlichen Sorghumsorten bezüglich ihrer agronomischen Eigenschaften sowie der Futterqualität zu bewerten, wurden in Zürich-Affoltern vollständig randomisierte Blockversuche angelegt und diese mit Maissorten verglichen. Zusätzlich wurde auch eine Sorghum-Mais-Mischung in die Versuche einbezogen.

Mehrschnittige Sorghum Sortenversuch (2019, 2020, 2023)

Sorghum kann auch im Mehrschnittverfahren genutzt werden. Dabei sind leicht andere Eigenschaften gefragt als bei der einschnittigen Nutzung. Ein rascher Wiederaustrieb nach dem Schnitt, stabile Erträge über mehrere Schnitte, eine gute Verdaulichkeit sowie geringe Blausäuregehalte sind dabei entscheidende Kriterien. Verschiedene Sorten wurden an den Standorten Posieux, Zürich und Changins im Rahmen von Mehrschnittversuchen (mit bis zu drei Schnitten) hinsichtlich ihrer agronomischen Eigenschaften sowie der Futterqualität untersucht.

Eignung von Körnersorghum zur Teigwarenherstellung (2024-2028)

Mit ersten Tastversuchen wurde im 2024 das Projekt RiSorgo «Dal forcone alla forchetta: test varRietale e di pastificazione di Sorgo da granella in Ticino» gestartet. In den Jahren 2025 bis 2028 werden ausgewählte Körnersorghumsorten im Feld angebaut und agronomisch charakterisiert sowie deren Eignung für die Teigwarenproduktion mittels verschiedener Qualitätsparameter beurteilt. Von einigen Sorten werden zudem Teigwaren hergestellt und mittels sensorischer Tests die Akzeptanz bei Konsumenten eruiert. Abschließend wird eine Analyse der Produktionskosten durchgeführt. Das Projekt wird grösstenteils durch die finanzielle Unterstützung des BLW (Artikel 140 Landwirtschaftsgesetz) ermöglicht und im Rahmen eines Konsortiums, bestehend aus Agroscope, Agridea, dem Kanton Tessin, der internationalen Interessengemeinschaft Sorghum ID, der Sustainable food Researcher [HJ1] Monia Caramma sowie von der Tessiner Landwirte und Teigwarenindustrie unterstützt.

Körnersorghum Sortenversuche (2009-2011)

Um die wenigen aus der Schweiz vorhandenen Informationen zum Körnersorghum-Anbau zu erweitern, wurden in den Jahren 2009 bis 2011 Versuche in verschiedenen Regionen der Schweiz mit mehreren Sorten angelegt.

Die frühreifsten Sorten erzielten bei guten Umweltbedingungen in Kleinparzellenversuchen Erträge bis zu 110 dt ha-1 mit einem Wassergehalt von 16 % zum Zeitpunkt der Ernte. Aufgrund der höheren Wärmebedürftigkeit im Vergleich zu Mais sind Mulden- und Kaltluftlagen sowie eine allzu frühe Saat zu meiden. Dies gewährleistet eine verhältnismässig rasche Jugendentwicklung und eine vollständige Befruchtung. Ein Fütterungsversuch mit Ferkeln hat gezeigt, dass einheimisch produzierter Sorghum qualitativ mit Importware vergleichbar ist und den Ansprüchen einer Verfütterung genügt. Erste Infektionsversuche mit Fusarien führten zu geringem Befall und tiefen Deoxynivalenolgehalten. Wie dieser erfolgreiche Anbau von Sorghum bicolor in guten Maislagen der Schweiz zeigt, drängt sich mit den ändernden Klimabedingungen die Notwendigkeit für die Bereitstellung detaillierterer Informationen von anderen Hirse- und Sorghumtypen für die Schweizer Landwirtschaft auf.

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