Sammlung von Mikroorganismen aus fermentierten Lebensmitteln
Die Sammlung in Kürze
Die meisten in dieser Sammlung enthaltenen Mikroorganismen wurden im Laufe des 20. Jahrhunderts aus Milch und fermentierten Milchprodukten isoliert. Dies geschah im Rahmen von Projekten, die zum einen darauf abzielten, die Rolle der Mikroorganismen bei der Käseherstellung (Milchsäuregärung, Bildung von Aromen und Teigkonsistenz, Lochbildung, aber auch Fehler) zu verstehen, und zum anderen Starter- oder Zusatzkulturen zu entwickeln.
Im Laufe der Zeit wurden auch Mikroorganismen hinzugefügt, die aus anderen fermentierten und nicht-fermentierten Lebensmitteln isoliert wurden, wie z. B. die aus Weinreben und Wein isolierten Hefen.
Insgesamt umfasst die Sammlung ca. 15’000 Isolate, hauptsächlich Milchsäure- und Propionsäurebakterien (als reine Stämme oder Stammmischungen), aber auch Hefen, Fadenpilze und Bakteriophagen.
Status
Im Laufe von Jahrzehnten oder sogar Jahrhunderten haben Schweizer Käser die Stämme und Stammmischungen empirisch ausgewählt, die sich am besten für die Herstellung von Qualitätskäse eignen. Dementsprechend sind die aus Schweizer Milchprodukten isolierten Stämme und Stamm-Mischungen seit einigen Jahren Miteigentum von Agroscope (Schweizerische Eidgenossenschaft) und der Schweizer Milch- und Käsebranche. Agroscope sorgt für ihren Unterhalt sowie für die Forschung und Entwicklung und die Produktion neuer Fermentationskulturen, die von einer Aktiengesellschaft vermarktet werden (Liebefeld Kulturen AG, https://www.liebefeld-kulturen.ch/). Der Rest der Sammlung hat keinen besonderen Status und unterliegt den Regeln, die im Nagoya-Protokoll erlassen wurden.
Anwendungen
Historisch gesehen diente die Sammlung hauptsächlich als Stammreservoir für die Käseforschung (Verständnis der Mechanismen, die bei der Milchfermentation und der Käsereifung wirken) sowie für die Entwicklung neuer Starter- und Zusatzkulturen für die Schweizer Käsebranche. In jüngster Zeit hat die Entwicklung von Kulturen, die vor unerwünschten oder pathogenen Arten schützen, einen neuen Markt für die Stämme der Sammlung geschaffen. Auch der neue Markt für fermentierte pflanzliche Produkte verspricht neue Anwendungen für die Sammlung. Die Sammlung wächst ständig, da laufend neue Isolate aus verschiedenen Matrizen gewonnen werden.
Pflege
Die Isolate werden in gefrorener und lyophilisierter Form aufbewahrt (Abb. 2). Kopien (Back-up) werden an mehreren Agroscope Standorten aufbewahrt.
Die Informationen über die Isolate werden in einer internen Datenbank referenziert. Ein in Zusammenarbeit mit der Universität Bern entwickeltes Online-Tool (OpenGenomeBrowser) stellt die Genome zur Verfügung und bietet Hilfsmittel für deren Analyse.
Weitere Informationen
Inhaltsverzeichnis
Mehr dazu

Käse, Milch und Milchprodukte
Agroscope unterstützt mit ihrer Forschung, Beratung und Lehrtätigkeit sowie den Dienstleistungen die Milchverarbeitung und hilft mit, dass Konsumentinnen und Konsumenten aus einem breiten Angebot an qualitativ hochstehende Produkten auswählen können.

Liebefeld Kulturen AG
Käsekulturen aus wertvoller Stammsammlung

Genetische Biodiversität, Sammlungen
Im Rahmen seiner vielfältigen Forschungsaktivitäten hat Agroscope zahlreiche Mikroorganismen gesammelt, die aus verschiedenen Agrar- und Lebensmittelsystemen isoliert wurden. Die so im Laufe der Zeit entstandenen mikrobiellen Sammlungen zeichnen sich nicht nur durch eine breite taxonomische Vielfalt, die Viren, Bakterien, Pilze, Oomyzeten und Mikroalgen umfasst, sondern auch durch eine Vielzahl von Funktionen aus. Einige dieser Mikroorganismen sind Krankheitserreger von Pflanzen, Tieren oder Menschen, während andere biotechnologische Anwendungen haben, wie z.B. Biokontrolle, Herstellung von Lebensmitteln für Menschen und Futtermitteln für Tiere sowie die Synthese bioaktiver Verbindungen von medizinischem oder agronomischem Interesse. Die gesammelten Mikroorganismen stellen nicht nur ein Erbe der mikrobiellen Biodiversität der Schweiz dar, sondern nehmen auch einen zentralen Platz in zahlreichen von Agroscope durchgeführten Forschungsprojekten ein.


