Regulierung von Zwergsträuchern durch gezielte Beweidung
Die zunehmende Verbuschung durch Zwergsträucher ist ein wachsendes Problem in alpinen und subalpinen Zonen des Alpgebiets. Arten wie Alpenrosen, Heidelbeeren, Wacholder oder Heidekraut breiten sich insbesondere in schwer zugänglichen Lagen aus und führen zu einem Rückgang der Biodiversität, der Futtermenge und Futterqualität sowie des Landschaftswerts. Vor diesem Hintergrund untersucht das Projekt, wie sich diese Verbuschung durch gezielte Beweidung regulieren lässt.
Optimaler Tierbesatz gegen Verbuschung
Das Ziel des Projektes ist es, den optimalen Tierbesatz zu bestimmen, um die Strauchbedeckung zu stabilisieren oder zu reduzieren. Es wird untersucht, wie sich unterschiedlich starke Beweidungsintensitäten und Weidedauern auf die Vegetationszusammensetzung, die Artenvielfalt und den Futterwert auswirken. Das Experiment wird von Juni 2026 bis August 2028 auf Alp Weissenstein am Albulapass (Kanton Graubünden, ca. 2000 m ü. M.) durchgeführt. Die Datenerhebung erfolgt jeweils während der Vegetationsperiode von Juni bis August. Zum Einsatz kommen Rinder (1-2 jährige Färsen; Holstein Friesian und Braunvieh) und Schafe (Auen mit Lämmer; Schwarz-braunes Bergschaf), die auf insgesamt 16 Koppeln weiden.
Hebel für ein standortangepasstes Weidemanagement
Im Fokus des Versuchs stehen drei Stellgrössen des Weidemanagements: Tierart (Rinder vs. Schafe), Weidedauer (4 vs. 8 Tage) und Futterverfügbarkeit (abhängig von der Koppelgrösse). Jede Koppel bietet einen Mix aus offenem Grasland und verbuschter Fläche. Die Futterverfügbarkeit wird über vier Stufen variiert: (1) es steht 20 % mehr Grasfutter zur Verfügung als nötig (leichte Unternutzung), (2) es steht genau so viel Grasfutter zur Verfügung wie nötig, (3) und (4) es steht 20 % bzw. 40 % weniger Grasfutter zur Verfügung, sodass die Tiere ihren Bedarf über Zwergsträucher decken müssen. Zusätzlich wird in jeder Rinder- und Schafkoppel ein Nachtpferch in einem stark verbuschten Bereichen eingerichtet. Dadurch kann einerseits der Herdenschutz gewährleistet und andererseits ein noch höherer Tritt- und Frassdruck erzielt werden. Durch die Kombination unterschiedlicher Beweidungsdauern, Beweidungsintensitäten und Weidetiere ist ein systematischer Vergleich des Einflusses auf die Zwergsträucher möglich. Neben Vegetationsanalysen (Artenzusammensetzung, Strauchanteil, Futterqualität) werden auch Tierdaten wie Gewicht und Bewegungsmuster erfasst. Zudem wird untersucht, inwiefern die Tiere zur Verbreitung von Pflanzen beitragen, beispielsweise durch Samen im Fell oder im Dung. Die Ergebnisse bilden die wissenschaftliche Grundlage für ein standortangepasstes Weidemanagement zur Regulierung von Zwergsträuchern.