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Veröffentlicht am 26. November 2025

Monitoringprogramm „Arten und Lebensräume Landwirtschaft“ - ALL-EMA

Viele Pflanzen- und Tierarten in der Schweiz sind auf landwirtschaftlich geprägte Lebensräume angewiesen. Im Jahr 2008 wurden Umweltziele für die Landwirtschaft im Bereich Biodiversität definiert, welche mit der Hilfe des Monitoringprogramm ALL-EMA evaluiert und optimal weiterentwickelt werden.

Viele Arten und Lebensräume existieren dank der Landwirtschaft und sind für ihr Fortbestehen darauf angewiesen, dass die landwirtschaftliche Bewirtschaftung ihren Schutz gewährleistet. In der Schweiz umfasst die Agrarlandschaft rund 36 % der Landesfläche. Für deren Bewirtschaftung orientieren sich Bäuerinnen und Bauern an den agrarpolitischen Vorgaben, dem Verhalten der Konsumentinnen und Konsumenten und einer Vielzahl weiterer Einflussfaktoren.

Um die Biodiversität in der Landwirtschaft zu erhalten und zu fördern, wurden im Jahr 2008 Umweltziele für die Landwirtschaft im Bereich Biodiversität von den Bundesämtern für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW) formuliert. Dazu wurden agrarpolitische Massnahmen bestimmt, welche zur Erreichung dieser Ziele führen sollen. Weiter wurde das Monitoringprogramm ALL-EMA im Auftrag des BLW und BAFU durch Agroscope erarbeitet. Das Monitoringprogramm ALL-EMA übernimmt die Aufgabe, die Entwicklung der Biodiversität in der schweizerischen Agrarlandschaft systematisch zu quantifizieren. Somit können die Erfolge der agrarpolitischen Massnahmen evaluiert und diese optimal weiterentwickelt werden.

Ziele von ALL-EMA

  • Monitoring Umweltziele Landwirtschaft Bereich Biodiversität – Arten und Lebensräume
    Erfassung von Zustand und Veränderung der Arten- und Lebensraumvielfalt gemäss der Umweltziele Landwirtschaft in der Agrarlandschaft der Schweiz.
  • Evaluation Biodiversitätsförderflächen
    Beurteilung von Zustand und Veränderung der Arten- und Lebensraumvielfalt in Biodiversitätsförderflächen.
  • Forschung
    Analyse und Bereitstellung von Daten zur Beantwortung aktueller und zukünftiger Fragen bezüglich Arten- und Lebensraumvielfalt in der Schweizer Agrarlandschaft.

Programm

ALL-EMA untersucht in der schweizerischen Agrarlandschaft Pflanzen, Lebensräume, Brutvögel und Tagfalter. Felddaten dazu werden auf 170 ausgewählten 1 km2 grossen Untersuchungsquadraten in Fünf-Jahres-Zyklen erfasst. Die Untersuchungsquadrate wurden aus einer grösseren Zahl Untersuchungsquadrate des Biodiversitätsmonitoring Schweiz BDM  ausgewählt.

Pro Jahr werden 20 % der Untersuchungsquadrate kartiert, so dass nach fünf Jahren eine vollständige Erhebung vorliegt. Der erste Fünf-Jahres-Zyklus begann im Jahr 2015 und wurde im Jahr 2019 abgeschlossen.

Seitdem liegt eine erste, systematische Zustandsbeschreibung der Biodiversität in der Agrarlandschaft der Schweiz vor. Veränderungen in der Arten- und Lebensraumvielfalt werden sich nach Abschluss weiterer Erhebungszyklen zeigen lassen.

Das Monitoring-Programm ALL-EMA («Arten und Lebensräume Landwirtschaft – Espèces et milieux agricoles») wurde entwickelt um die Erreichung der Umweltziele Landwirtschaft im Bereich Biodiversität – Arten und Lebensräume zu evaluieren. Es wurde gezielt komplementär zu den bereits bestehenden nationalen Monitoringprogrammen konzipiert.

Methodik

  • Die Datenerhebung von ALL-EMA findet in 170 Untersuchungsquadraten statt, beprobt wird ausschliesslich die Agrarlandschaft innerhalb der 1 km2 grossen Untersuchungsquadrate (nicht berücksichtigt werden z. B. Wald und Siedlungen). Die Auswahl der Untersuchungsquadrate erlaubt es, repräsentative Resultate für die einzelnen landwirtschaftlichen Zonen und die Hauptregionen der Umweltziele Landwirtschaft herzuleiten. Daten zu Tagfaltern werden im Rahmen des Biodiversitätsmonitorings Schweiz BDM auf Transekten erfasst, jene zu Brutvögeln als Brutreviere im Rahmen des Monitorings Häufige Brutvogelarten MHB.
  • Holzige Strukturelemente innerhalb der Untersuchungsquadrate werden in ALL-EMA in Zusammenarbeit mit der Eidg. Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL anhand von Luftbildern flächendeckend stereoskopisch erfasst. So entsteht eine detaillierte Karte, welche Hecken und Feldgehölze, Einzelbäume und Baumgruppen sowie Einzelgebüsche und Gebüschgruppen darstellt.
  • Innerhalb der Untersuchungsquadrate werden im Feld Lebensraumerhebungen in der Agrarlandschaft auf einem regelmässigen Raster von fünfzig Metern durchgeführt.
  • Pro Rasterpunkt wird auf kreisförmigen Flächen von 10 m2 der Lebensraumtyp und die Vielfalt an charakteristischen Lebensraumtyp-Arten bestimmt.
    Auf einer erweiterten Kreisfläche von 200 m2 werden Neophyten der schwarzen Liste und Strukturen der Agrarlandschaft wie Asthaufen, Lesesteinhaufen und kleine Gewässer erfasst. Mithilfe eines GPS-Gerätes werden die Rasterpunkte angesteuert, die Dateneingabe erfolgt direkt in das Smartphone.
  • In jedem Untersuchungsquadrat werden auf rund 10 % der Lebensraumerhebungen detaillierte Vegetationsaufnahmen erstellt (kreisförmige Fläche von 10 m2).

In Biodiversitätsförderflächen (BFF) erfolgen zusätzlich sowohl Lebensraumerhebungen als auch Vegetationsaufnahmen ausserhalb des 50-Meter-Rasters. Das Auswahlverfahren für diese Erhebungen erfolgt so, dass zu möglichst vielen Biodiversitätsförderflächen-Typen genügend grosse Stichproben für statistische Auswertungen vorliegen.

Zeitplan

  • 2015 - 2019 Ersterhebung
    Die Kartierungen werden zwischen April und August ausgeführt. Jedes Jahr wird ein Fünftel der über die Schweiz verteilten 170 Untersuchungsquadrate kartiert.
  • 2020 - 2021 Umfassende Auswertungen zum Zustand der Biodiversität
  • 2020 - 2024 Zweiterhebung
  • 2024 – 2025 Umfassende Auswertungen zur Veränderung der Biodiversität von der Erst- zur Zweiterhebung
  • 2025 - 2029 Dritterhebung

Indikatoren

ALL-EMA hat den Auftrag, die Umweltziele Landwirtschaft im Bereich Biodiversität zu überwachen. Der Begriff Biodiversität beinhaltet verschiedene Lebensformen (Tiere, Pflanzen, Pilze und Bakterien) und beschreibt deren Vielfalt auf verschiedenen Ebenen (Ökosysteme, Lebensräume, Arten, Gene), und wie diese in Beziehung zueinanderstehen. Innerhalb dieses umfassenden Konzepts fokussiert ALL-EMA auf die Lebensraum- und Artenvielfalt in der Agrarlandschaft der Schweiz und beschreibt diese anhand von Indikatoren. Einzelne Indikatoren bilden Teilbereiche der Lebensraum- und Artenvielfalt ab. Sich ergänzende Indikatoren, die in einem Set zusammengefasst werden, erlauben eine umfassendere Beschreibung der Biodiversität im Agrarraum.

ALL-EMA berechnet deshalb ein Set von Haupt- und Zusatzindikatoren, welche für das Monitoring der Lebensraum- und Artenvielfalt genutzt werden sowie für die Evaluation der Biodiversitätsförderflächen.

Der erste Erhebungszyklus von ALL-EMA (also alle 170 Untersuchungsquadrate wurden einmal untersucht) wurde im Jahr 2019 abgeschlossen. Die Daten wurden analysiert und im Zustandsbericht zu den Umweltzielen Landwirtschaft im Bereich Biodiversität zusammengefasst. Somit liegen nun erstmals schweizweit Resultate zum Zustand der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft vor. Die kommenden Erhebungszyklen werden es erlauben Veränderungen des Zustands zu analysieren.

Detailliertere Informationen und Resultate aus dem ersten Erhebungszyklus zu allen Indikatoren finden sich im Zustandsbericht.

Hauptindikatoren

  • Lebensraumvielfalt
  • Räumliche Heterogenität der Lebensräume
  • Mittlere lebensraumtypische Artenvielfalt
  • Artenvielfalt (γ-Diversität)
  • Mittlere Artenvielfalt (α-Diversität)

Nebst diesen fünf Hauptindikatoren werden weitere Zusatzindikatoren herangezogen für die genauere Untersuchung der Lebensraum- und Artenvielfalt.

Zusatzindikatoren

  • Probeflächen mit invasiven Neophyten
  • Artenvielfalt bedrohte Arten (γ-Diversität)
  • Mittlere Artenvielfalt bedrohte Arten (α-Diversität)
  • Unähnlichkeit der Pflanzengesellschaften (β-Diversität)
  • Mittlere Nährstoffzeigerwerte der Pflanzenarten
  • Gehölze
  • Gewässer

Weitere Informationen

Mehr dazu

Kontakt

Datenbezug

URL für Direktzugriff

www.allema.ch