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MitteilungVeröffentlicht am 7. September 2026

Goldgelbe Vergilbung: Krankheitsdruck durch Management der Haselsträucher reduzieren

Eine von Agroscope und der WSL im Tessin durchgeführte Studie zeigt, dass sich Populationen von Orientus ishidae, einem alternativen Vektor der Goldgelben Vergilbung, nachhaltig reduzieren lassen, indem Haselsträucher in der Nähe von Rebbergen bis auf den Stock zurückgeschnitten werden.

Adulte Zikade Orientus ishidae und Nymphe auf einem Haselstrauchblatt

Die Bekämpfung der Goldgelben Vergilbung (GGV) beruht im Wesentlichen auf drei Massnahmen:

  • Insektizidbekämpfung der Zikade Scaphoideus titanus, dem wichtigsten Krankheitsvektor
  • Rodung infizierter Rebstöcke
  • Empfehlung zur Verwendung von heisswasserbehandeltem Vermehrungsmaterial.

Trotz dieser Massnahmen breitet sich die unheilbare Krankheit weiter aus. Dies deutet darauf hin, dass andere Vektoren und Wirtspflanzen zu ihrer Verbreitung beitragen.

Kombination der Zikade O. ishidae und Gemeine Hasel

Die Forschenden untersuchten die aus Asien stammende Zikade Orientus ishidae, die potenziell mit der GGV assoziierte Phytoplasmen übertragen kann, und der in an Rebberge angrenzenden Waldgebieten sehr verbreiteten Gemeinen Hasel (Corylus avellana). Die Studie wurde in acht Weinbaugebieten durchgeführt, die alle durch direkt aneinander angrenzende Rebberge und Wälder – typische Landschaften südlich der Alpen – gekennzeichnet sind. Die Ergebnisse wurden im Journal of Economic Entomology veröffentlicht.

Fragen an einen Spezialisten für Goldgelbe Vergilbung

Drei Fragen an Attilio Rizzoli, Seniorautor der Studie und wissenschaftlich-technischer Mitarbeiter bei Agroscope (Kompetenzzentrum Neobiota).

Warum befassen Sie sich spezifisch mit Haselsträuchern? Was haben Sie beobachtet?

Unsere Erfahrungen bestätigen, dass der Haselstrauch effektiv eine Wirtspflanze für O. ishidae ist. Wir haben mehrere Haselnusszweige entnommen, um die Eiablage zu untersuchen. Die grosse Anzahl geschlüpfter Larven bestätigt, dass die adulten Weibchen ihre Eier effektiv in den feinen Rissen der Haselrinde ablegen und dass sich das Insekt auf dieser Pflanze vollständig entwickelt, also bis zum Erwachsenenstadium. Zudem hat sich im Laufe der Jahre mehrfach gezeigt, dass sowohl der Vektor als auch die Pflanze mit Phytoplasmen, die mit der GGV assoziiert sind, infiziert werden können. Diese letzteren Ergebnisse entsprechen auch den Beobachtungen in anderen Ländern. Schliesslich ist der Haselstrauch in unseren Wäldern eine sehr verbreitete Art; daher war es nahe liegend, sich im Rahmen eines breiten und ganzheitlichen Managements der GGV damit zu befassen.

Welche Massnahmen haben Sie zur Reduktion der Populationen von O. ishidae erprobt und mit welchen Ergebnissen?

Wir haben eine einfache Massnahme im Rahmen des Habitatmanagements getestet, nämlich Haselsträucher, die sich in unmittelbarer Nähe zu stark von O. ishidae befallenen Gebieten befinden, auf den Stock zu setzen. Die Ergebnisse sind vielversprechend: Bereits im ersten Jahr nach dem Schnitt nahmen die Populationen von O. ishidae an den behandelten Standorten stark ab. Drei Jahre später betrug der Rückgang 75 bis 82 %. An einem Standort, an dem bei einem Projekt zur Restaurierung eines Kastanienselvenbestands die gesamte oberirdische Haselstrauch-Biomasse entfernt wurde, betrug der Rückgang sogar 86 %.

Die Abnahme war auch in den benachbarten Rebbergen zu beobachten, wo die Fangzahlen der Insekten um bis zu 87 % zurückgingen. Die Haselsträucher wuchsen natürlich nach, doch die Auswirkung blieb – ein Hinweis darauf, dass eine einzige Massnahme langfristige Vorteile erzielen kann. An den Referenzstandorten (ohne Schnitt) blieben die Populationen von O. ishidae dagegen stabil oder nahmen sogar zu.

Sollte man also alle Haselsträucher in der Nähe von Rebbergen entfernen?

Nein, sicherlich nicht alle Haselsträucher; und das Zurückschneiden ist auch kein Ersatz für die bisherigen obligatorischen Massnahmen.

Die Studienergebnisse zeigen vor allem die wichtige Rolle der Landschaft im epidemiologischen Zyklus der GGV: Ein gezieltes Management trägt dazu bei, den Krankheitsdruck zu reduzieren.

Neben den Haselsträuchern müssen bestimmt auch andere prioritäre Arten überwacht werden, z. B. die Erlen. Ausserdem wurden bereits weitere Gehölzarten nachgewiesen, die mit GGV assoziierten Phytoplasmen infiziert waren.

Bevor man gezielt im Wald interveniert, muss man unbedingt wissen, welche Waldbestandteile bei der Epidemiologie der GGV eine Rolle spielen. Zudem muss man die Nachhaltigkeitsproblematik beurteilen und ein angemessenes Kosten-Nutzen-Verhältnis beim Management der Rebberge und ihrer Umgebung erzielen.

Allgemein könnte das Management der Haselsträucher und Landschaft die heutigen Bekämpfungsmassnahmen ergänzen. Es ist relativ kostengünstig, leicht realisierbar und mit einem nachhaltigen Schutz der Kulturen vereinbar und scheint daher in den Rebbergen an Waldrändern, wo der Krankheitsdruck dies rechtfertigt, besonders relevant.

Weitere Informationen

Kompetenzzentrum Neobiota

Das Kompetenzzentrum Neobiota in Cadenazzo (TI) entwickelt Bekämpfungsmethoden, um die Ausbreitung neuer Krankheitserreger, Schädlinge und invasiver Pflanzen zu verhindern und einzudämmen. Der Druck dieser unerwünschten gebietsfremden Organismen nimmt zu und stellt eine potenzielle Bedrohung für die Schweizer Landwirtschaft dar.

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