Beerenkulturen

Beerenanbau: Inhaltsverzeichnis
Das Ziel der Forschung und Entwicklung ist es, Beiträge zu leisten zur Erhaltung einer nachhaltigen und zukunftsorientierten Beerenproduktion.
Vorrangige Aufgaben
Um die Rentabilität der inländischen Produktion unter Berücksichtigung einer optimalen Fruchtqualität und einer umweltgerechten Produktion sicherzustellen, konzentriert sich die Forschung auf:- die Suche nach neuen Sorten und die Sortenprüfung
- die Verbesserung der Produktionstechnik
- den nachhaltigen Pflanzenschutz
Da jede Art ihre eigenen Anforderungen hat, entwickelt und testet Agroscope Lösungen, mit denen sich die Qualität der Früchte verbessern, die Anbaumethoden optimieren und die Nachhaltigkeit stärken lassen. Für jede im Folgenden vorgestellte Art wird exemplarisch ein Thema hervorgehoben, obwohl die Forschung in der Regel mehrere Aspekte jeder Kultur abdeckt.

© Carole Parodi, Agroscope Suche nach neuen Sorten
Die Erdbeere ist die am häufigsten angebaute Beerenkultur in der Schweiz.
Jedes Jahr werden neue Erdbeersorten bewertet und die Sorten mit dem besten kommerziellen und agronomischen Potenzial ermittelt. Die Versuche beziehen sich sowohl auf die Qualität der Früchte (Geschmack, Festigkeit, Haltbarkeit) als auch auf die Toleranz gegenüber Krankheiten und Schädlingen. Um den Produzenten bei der Wahl der neuen Sorten zu helfen hat Agroscope, zusammen mit dem SOV, dem Forum Forschung Beeren sowie den zuständigen kantonalen Fachstellen, ein Netzwerk von Feldversuchen etabliert, um die neuen Sorten beurteilen zu können. Die Sortenprüfung erfolgt in zwei Schritten. Im ersten Jahr werden die neu gezüchteten Sorten auf dem Gelände von Agroscope in Conthey angebaut. Im darauffolgenden Jahr werden über ein Einführungsnetzwerk in der ganzen Schweiz Kulturen der vielversprechendsten Sorten angelegt.
© 123rf.com Biologischer phytosanitärer Schutz
Die Himbeere ist anfällig gegenüber einem Schädlingsbefall. Beispielsweise können der Himbeerblütenstecher (Anthonomus rubi) und der Himbeerkäfer (Byturus tomentosus) erhebliche Ernteverlusten verursachen, insbesondere im biologischen Landbau. Im Rahmen von europäischen Forschungsprojekten werden neue, umweltfreundliche Bekämpfungsmethoden untersucht, z. B. Fallen, in denen Pheromone und pflanzliche Wirkstoffe kombiniert sind. Ziel ist es, eine Alternative zu Insektiziden anzubieten und gleichzeitig die Kulturen wirksam zu schützen.

© 123rf.com Produktionstechnik
In der Schweiz hat die Anbaufläche der Heidelbeere in den letzten Jahren zugenommen. Die Heidelbeere verlangt sehr spezifische Anbaubedingungen, namentlich saure Böden mit einem hohem Anteil an organischer Substanz. Die Produktion erfordert oft angepasste Systeme: ein Anbau mit Dämmen, in Containern oder auf organischem Substrat. Bewässerung und Düngung müssen fein gesteuert werden, um eine optimale Entwicklung der Pflanzen und Qualität der Früchte sicherzustellen. Mit diesen Methoden können die Anforderungen der Kultur erfüllt werden.

© 123rf.com Bewässerung
Die kultivierten Brombeeren werden der Gattung Rubus zugeordnet und sind fast alle aus Kreuzungen von mindestens zwei verschiedenen Arten hervorgegangen. Die Wasserversorgung ist ein Schlüsselfaktor für den Anbau von Brombeeren, vor allem während der Zeit der Fruchtbildung. Durch eine genaue Steuerung der Bewässerung können Wachstum, Beerenqualität und Ressourcennutzung optimiert werden. Tröpfchenbewässerungssysteme werden bevorzugt, da sie eine gleichmässige Wasserverteilung und eine bessere agronomische Effizienz gewährleisten.

© Carole Parodi, Agroscope Düngung
Johannisbeeren, Stachelbeeren und schwarze Johannisbeeren gehören zur Gattung Ribes. Alle Arten dieser Gattung bilden mit den Jahren stark verzweigte Sträucher.
Um regelmässige Erträge und eine gute Fruchtqualität zu erzielen, müssen bestimmte Nährstoffanforderungen gewährleistet sein. Eine optimale Versorgung mit Nährstoffen kann durch Düngung erreicht werden. Dabei muss die Zufuhr von Stickstoff, Phosphor, Kalium und Magnesium an das Ertragspotenzial und an die Versorgung gemäss Bodenanalysen angepasst werden. Eine ausgewogene Düngung unterstützt die Produktion.
© Agroscope Neue Beerenkulturen in der Schweiz
Neben den wichtigsten Beerenkulturen gewinnen in der Schweiz seit einiger Zeit auch andere Beerenfrüchte bei der Produktion und auf dem Markt an Bedeutung. Dazu gehören Mini-Kiwi, Aronia und Heckenkirsche, die sowohl bei den Produzenten als auch bei den Konsumentinnen und Konsumenten auf wachsendes Interesse stossen.
Diese Kulturen führen noch immer ein Nischendasein. Sie können aber die Schweizer Beerenobstproduktion diversifizieren. Ausserdem können diese Kulturen die Nachfrage nach innovativen Produkten decken, die reich an gesundheitsfördernden Inhaltsstoffen sind.Mini-Kiwi
Die Früchte der Mini-Kiwi sind kahl und klein. Sie sind reich an Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen und fördern die Verdauung. Die Produktion dieser aus Ostasien stammenden Früchte ist nördlich der Alpen auf leichten, gut drainierenden Böden mit viel organischer Substanz möglich.
Goji-Beere, Wolfsbeere
Die Goji-Beere ist eine anspruchslose Pflanze. Sie bevorzugt gemässigte Temperaturen, sonnige Lagen und einen alkalischen, eher trockenen Boden. Sie verträgt Frost bis –20 °C. Regelmässiger Schnitt ist unerlässlich, will man eine gute Fruchtqualität erhalten. Die Gojibeere ist ein wüchsiger Strauch, sein Wachstum ist uneinheitlich, die kahlen Triebe haben die Eigenschaft, sich ohne Seitentriebe zu entwickeln, sich zu biegen und unter dem Gewicht der Früchte zurückzufallen. Um dem entgegenzuwirken, ist es ratsam, die Pflanzen wie die Reben aufzubinden. Goji-Beeren werden frisch oder getrocknet gegessen.
Aronia
Die schwarze Apfelbeere stammt aus dem Osten Nordamerikas und gehört zur Familie der Rosaceae. Die Früchte sind rundliche und schwarze Beeren mit einem Durchmesser von 6 bis 8 mm. Weil sehr adstringierend (gerbend), werden die Früchte kaum in rohem Zustand gegessen, demgegenüber sind sie in verarbeiteter Form (Saft) sehr interessant. Dieses Interesse kommt insbesondere von den Inhaltstoffen, Vitaminen C, B1, B2, A, Anthocyanen und Flavonoiden her, welche antioxydative Eigenschaften aufweisen.
Maibeere
Der Strauch weist ein schnelles Wachstum auf und kann eine Höhe von 1.5 bis 2 m und einen Durchmesser von 1 m erreichen. Seine Robustheit ermöglicht ihm Winterkälten von bis zu –47 °C zu überstehen. Selbst die Blüte erträgt Temperaturen von –5°C ohne dass es zu Befruchtungsdefiziten kommen würde. Die Frucht ist eine kleine längliche Beere von dunkelblauer bis schwarzer leicht glänzender Farbe. Die Früchte reifen als eine der ersten im Frühjahr kurz vor den Erdbeeren. Die trichterförmigen hellgelben Blüten erscheinen Ende März. Die Ernte setzt etwa 6 bis 8 Wochen nach der Blüte ein, was bei uns einem Erntezeitpunkt von Mitte Mai bis Anfang Juni entspricht. Die Maibeere ist selbststeril und braucht deshalb eine Befruchtersorte.
Handbuch Beeren 2022
Die Ausgabe 2022 des Handbuchs Beeren ist jetzt verfügbar! Das Referenzwerk enthält die aktuellen Richtlinien für die Beerenproduktion: Biologie, Produktionstechniken, Düngung, Bewässerung, Substratproduktion, Pflanzenschutz und Nachernte. Die vollständig überarbeitete Ausgabe 2022 ist in enger Zusammenarbeit zwischen Agroscope, dem Schweizer Obstverband, dem FiBL und den kantonalen Ämtern entstanden.