Alternaria bei Kartoffeln im Fokus, um der Praxis robuste Sorten zu empfehlen
Im Kartoffelanbau gibt es immer weniger Pflanzenschutzmittel gegen Alternaria. Agroscope erforscht jetzt, wie die für die Schweiz empfohlenen Kartoffelsorten auf diese Krankheit reagieren, und wird dieses Wissen in künftige Sortenlisten einbeziehen.
Die Dürr- und Sprühfleckenkrankheit (Alternaria solani / Alternaria alternata) ist in ganz Europa verbreitet und tritt meist spät in der Saison auf. Lange galt sie als Schwächekrankheit, die gleichzeitig mit der Kraut- und Knollenfäule bekämpft werden kann, solange Pflanzenschutzmittel (PSM) zur Verfügung standen, die gegen beide Erreger wirksam sind.
Neue Situation analysieren
Doch die Situation hat sich in den letzten Jahren verändert: Mancozeb, ein sehr effektiver Wirkstoff gegen Alternaria, wurde bereits im Januar 2022 nicht mehr zugelassen. Durch den Rückzug weiterer PSM-Zulassungen sind die direkten Bekämpfungsmöglichkeiten heute noch stärker eingeschränkt als bisher. Hinzu kommt, dass häufiger auftretende Hitzeperioden ideale Bedingungen für die Ausbreitung dieser Krankheit schaffen, da beide Alternaria-Arten sowohl Temperaturschwankungen als auch den Wechsel zwischen trockenen und feuchten Witterungsbedingungen bevorzugen.
Sorten-Resistenz als Zukunftsstrategie
Wenn weniger chemisch-synthetische Wirkstoffe zur Verfügung stehen und gleichzeitig das Ziel besteht, Risiken durch deren Einsatz zu reduzieren, rückt die natürliche Abwehrkraft der Pflanze in den Vordergrund. Bei der Kartoffel bedeutet dies, dass Sorten mit Resistenzgenen vermehrt genutzt werden sollten. Diese Gene verleihen der Pflanze eine natürliche Widerstandskraft, die durch gezielte Kreuzungen entsteht. Werden neue, gegen Alternaria resistente Sorten bevorzugt, verbessert sich die epidemiologische Situation im Feld deutlich, denn es entsteht eine Art «kollektive Immunität» innerhalb der Kartoffelbestände. Weniger Behandlungen bedeuten zudem weniger Fungizidrückstände in Oberflächengewässern und eine Entlastung der Umwelt.
Agroscope startet Feldversuche
Bisher fehlen für die in der offiziellen Schweizer Sortenliste aufgeführten Kartoffelsorten verlässliche Daten zur Anfälligkeit gegenüber Alternaria. Dank zusätzlicher Bundesmittel gemäss Parlamentsentscheid von 2025 für die Pflanzenzüchtung, Sortenprüfung und den Pflanzenschutz kann Agroscope ab 2026 Feldversuche durchführen. Diese sollen ähnlich wie die bestehenden Krautfäule-Sortenprüfung und parallel dazu ablaufen. Ziel ist es, die Sortenanfälligkeit auch für diese Krankheit systematisch zu bewerten und den Produzierenden künftig fundierte Informationen bereitzustellen – für eine bessere Sortenwahl und nachhaltige Anbaustrategien.
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