ALL-EMA: Das Biodiversitätsmonitoring der Schweizer Agrarlandschaft - testseite
Das Biodiversitätsmonitoring ALL‑EMA erfasst seit 2015 den Zustand und die Entwicklung der Arten- und Lebensraumvielfalt in der Schweizer Agrarlandschaft. Es liefert eine wissenschaftliche Grundlage zur Erkennung von Biodiversitätsveränderungen sowie zur Evaluation agrar- und umweltpolitischer Massnahmen im Bereich Biodiversität.
Auftrag
Eine hohe Arten- und Lebensraumvielfalt ist die Grundlage funktionierender Ökosysteme und einer nachhaltigen Landwirtschaft. In der Agrarlandschaft steht diese Vielfalt jedoch durch intensive Nutzung und Klimawandel seit Jahrzehnten unter Druck. Um dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken und die Zielerreichungen im Bereich Biodiversität zu überprüfen, haben die Bundesämter für Umwelt (BAFU) und Landwirtschaft (BLW) Umweltziele für den Agrarraum definiert sowie Massnahmen eingeführt, darunter Biodiversitätsförderflächen. Das Biodiversitätsmonitoring ALL-EMA - Arten und Lebensräume Landwirtschaft – Espèces et Milieux Agricoles - überwacht im Auftrag dieser Bundesämter die Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft und liefert Grundlagen zur Beurteilung ihrer Entwicklung.
Datenerhebung
Räumliche Verteilung
ALL-EMA erhebt Daten zur Arten- und Lebensraumvielfalt in 194 Untersuchungsquadraten von je 1 km2, die über die gesamte Schweiz verteilten sind. Von diesen gehören 170 Quadrate zum schweizweiten Monitoring. Weitere 24 Quadrate werden im Rahmen von ALL-EMA Graubünden beprobt. Diese Verdichtung der Stichproben erlaubt Aussagen auf kantonaler Ebene. Die systematische Verteilung aller Untersuchungsquadrate ermöglicht Auswertungen für die landwirtschaftlichen Zonen und die Hauptregionen der Umweltziele Landwirtschaft.
Zeitliche Abfolge
ALL-EMA läuft seit 2015 in fünfjährigen Erhebungsperioden. Dadurch lassen sich Zustand und langfristige Entwicklungen der Biodiversität in der Schweizer Agrarlandschaft verfolgen. ALL-EMA Graubünden läuft seit 2023.
Datenerfassung im Feld
In jedem 1‑km²‑Untersuchungsquadrat werden entlang eines 50‑m‑Rasters jene Punkte erfasst, die in der Agrarlandschaft liegen. Auf jedem dieser Punkte werden auf 1 m2 die Pflanzenartenvielfalt zur Beurteilung der Lebensräume sowie auf 200 m2 die Neophyten und Kleinstrukturen erfasst. Auf rund 10 % der Rasterpunkte wird die Pflanzenartenvielfalt zusätzlich auf grösserer Fläche erhoben (10 m2). Ergänzende Erhebungen auf Biodiversitätsförderflächen ausserhalb des Rasters wird die Stichprobe so erweitert, dass wissenschaftlichen Auswertung dieser Massnahme möglich werden.
→ Feldhandbuch ALL-EMA: Indermaur (2026)
Synergien mit anderen Monitorings
Ergänzende Programme zum Monitoring der Biodiversität der gesamten Landschaft (Biodiversitätsmonitoring Schweiz BDM), der Vogelwelt (Monitoring Häufige Brutvögel MHB) und geschützter Biotope (Wirkungskontrolle Biotopschutz Schweiz WBS) ermöglichen gemeinsame und umfassende Analysen der Biodiversität in der Schweizer Landschaft. Da die Erhebungen räumlich und zeitlich aufeinander abgestimmt sind, können Daten zu Pflanzen, Lebensräumen, Tagfaltern, Brutvögeln und geschützten Biotopen gemeinsam ausgewertet werden. Dies verbessert das Verständnis der Biodiversitätsentwicklung.
Biodiversitätsindikatoren
ALL-EMA erfasst die Diversität der Arten (Pflanzen, Tagfalter und Brutvögel) und Lebensräume in der Schweizer Agrarlandschaft. Die Indikatoren umfassen insbesondere:
- Artenvielfalt in Landschaften
- Lokale Artenvielfalt
- Verschiedenartigkeit lokaler Artengemeinschaften
- Artspezifische Zeigerwerte und Flächenanteile spezifischer Arten (Nährstoffzahl, Temperaturzahl, Neophyten)
- Lebensraumvielfalt in Landschaften
- Lokale lebensraumtypische Artenvielfalt
- Heterogenität der Landschaft hinsichtlich der Lebensräume
- Flächenanteile spezifischer Lebensräume (wertvolle Lebensräume, Gehölzlebensräume, Gewässerlebensräume)
→ Vollständige Übersicht der Indikatoren sowie weiterführende Informationen zu Berechnung, Aussagekraft und Anwendung der Indikatoren: Meier et al. (2025)
Zentrale Erkenntnisse
Biodiversitätsdefizit in tieferen Lagen bleibt bestehen
Die bisherigen ALL-EMA-Ergebnisse zeigen, dass die Biodiversitätswerte insbesondere in tiefen Lagen weiterhin tief sind. Biodiversitätsförderflächen (BFF) weisen im Vergleich zu den übrigen (Nicht-BFF) Flächen in der Agrarlandschaft höhere Biodiversitätswerte auf und zeigen teilweise positive Entwicklungen über die Zeit. Über die gesamte Agrarlandschaft betrachtet bleibt Biodiversität jedoch weitgehend stabil auf tiefem Niveau, besonders in tieferen Lagen, wo intensive landwirtschaftliche Nutzung dominiert.
→ Resultate zu allen Biodiversitätsindikatoren von ALL-EMA: Meier et al. (2025)
Hochwertige und vernetzte Biodiversitätsförderflächen weisen höhere Biodiversitätswerte auf
Biodiversitätsförderflächen (BFF) umfassen massnahmenorientierte QI‑Flächen sowie zusätzlich resultatorientierte QII‑Flächen. Beide Flächentypen können zusätzlich in Vernetzungsprojekte auf Landschaftsebene eingebunden sein.
Die ALL-EMA-Ergebnisse zeigen, dass die lokale Pflanzenartenvielfalt in BFF höher ist als auf übrigen (Nicht-BFF) Flächen in der Agrarlandschaft. Besonders hohe Werte erreichen QII-Flächen sowie BFF, die in Vernetzungsprojekte eingebunden sind. Auf Landschaftsebene zeigen die Auswertungen zudem, dass in Vernetzungsprojekte eingebundene BFF mit einer höheren Vielfalt an Tagfaltern und Brutvögeln verbunden sind als BFF die nicht in Vernetzungsprojekte eingebunden sind.
→ Relevante Publikationen:
- Meier et al. (2024): Mehr Biodiversität dank Biodiversitätsförderflächen in Vernetzungsprojekten
- Meier et al (2024): Collaborative approaches at the landscape scale increase the benefits of agri-environmental measures for farmland biodiversity
- Klaus et al. (2023): Additive effects of two agri-environmental schemes on plant diversity but not on productivity indicators in permanent grasslands in Switzerland
Zusammenhänge zwischen Umweltbedingungen, Landnutzung und Biodiversität verstehen
ALL‑EMA ermöglicht es, Zusammenhänge zwischen Umwelt- und Standortbedingungen, Landnutzung, Biodiversitätsförderflächen (BFF) und Artenvielfalt und Landschaftsvielfalt gemeinsam zu analysieren. Die Ergebnisse zeigen, dass Topografie, Klima und Landnutzung die Biodiversität direkt und indirekt prägen. BFF sind dabei Teil eines grösseren Wirkungsgefüges, in dem auch Landschaftsstruktur und Nutzungsintensität eine wichtige Rolle spielen. Ganzheitliche Auswertungsansätze sind deshalb entscheidend, um Biodiversitätsmuster in Agrarlandschaften zu verstehen und Massnahmen fachlich einzuordnen.
→ Relevante Publikationen:
- Meier et al. (2022): Disentangling direct and indirect drivers of farmland biodiversity at landscape scale.
- Herzog et al. (2024): Effekte ausgewählter Faktoren auf die Biodiversität in Schweizer Agrarlandschaften.
- Meier et al. (2025): Biodiversity-friendly landscapes: A paradox for conservation?






