Eine Reihe von Umweltzielen der Landwirtschaft konnten trotz verschiedenster Massnahmen bisher noch nicht erreicht werden, die mittleren Einkommen der Schweizer Familienbetriebe liegen unter denen der Vergleichsgruppe, und über die soziale Nachhaltigkeit in der Schweizer Landwirtschaft ist wenig bekannt. Die Gesellschaft verlangt vertrauenswürdige Informationen über die Nachhaltigkeit von Lebensmitteln und die Privatwirtschaft übt Druck entlang der Wertschöpfungsketten aus, um im steigenden Wettbewerb um Nachhaltigkeit konkurrenzfähig zu bleiben. Zahlreiche technische Innovationen werden vorgeschlagen, deren Vorteile in Bezug auf ihre Nachhaltigkeit bewertet werden müssen. Um die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten und die Ernährungssicherheit sicherzustellen, müssen Nahrungsmittel mit möglichst geringen Umweltwirkungen produziert, ein ausreichendes Einkommen generiert und verschiedene Kriterien der sozialen Nachhaltigkeit erfüllt werden, zum Beispiel in Bezug auf die Arbeitsbelastung. Ob ein Produkt, eine Technologie, ein Betrieb oder der Sektor nachhaltig ist, hängt von den Entscheidungen der Betriebsleitenden ab, die wiederum von produktionstechnischen und naturräumlichen Bedingungen, den Marktentwicklungen, politischen Rahmenbedingungen und sozialen Netzwerken beeinflusst werden. Dabei kommt es zu Zielkonflikten zwischen verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit oder Umweltwirkungen, wobei auch Synergien möglich sind. Eine gesamtheitliche Nachhaltigkeitsbewertung auf Betriebs-, Produkt-, und Sektorebene ist Grundlage für die Weiterentwicklung der Schweizer Landwirtschaft. Die Anwendung von Indikatoren der verschiedenen Dimensionen der Nachhaltigkeit erlaubt es, bestehende und neue, innovative Produktionssysteme zu bewerten und zu gestalten. Je nach Fragestellungen werden verschiedene bestehende Konzepte und die dafür entwickelten Tools (z.B. Tool for Agroecology Performance Evaluation, TAPE) angewendet, zum Beispiel im Rahmen von Nachhaltigkeitsbewertungen, agrarökologischen Analysen oder Entwicklungen von neuen Technologien und Produktionssystemen mittels Responsible Research and Innovation oder auch in FMIS. Dafür werden die von Agroscope entwickelten Modelle SALCA, LabourScope und soziale Indikatoren der Nachhaltigkeit sowie Indikatorensets zur agrarökologischen Bewertung genutzt und ausgewertet und in aktuellen Fragestellungen der Land- und Ernährungswirtschaft eingesetzt.