Der Landwirtschafts- und Ernährungssektor erfüllt verschiedenste Funktionen wie die Bereitstellung von Lebensmitteln, die Schaffung von Arbeitsplätzen, die Pflege der Kulturlandschaft und die Sicherung von Ökosystemdienstleistungen (z.B. Bestäubung). Die landwirtschaftlichen Aktivitäten beeinflussen zudem die Umwelt an zentralen Stellen wie Bodenfruchtbarkeit, Gewässer- und Luftqualität, Biodiversität oder Treibhausgasemissionen. Nachhaltigkeitsindikatoren helfen dabei, die Leistung von aktuellen und zukünftigen Produktionssystemen und Bewirtschaftungsmethoden bezüglich ökonomischer, ökologischer und sozialer Aspekte zu bewerten. Mit der schnellen technischen Entwicklung im Bereich der Farm Management Informationssysteme und der Einführung von digiFLUX schreitet die Digitalisierung voran und schafft vielversprechende Grundlagen für die Bewertung der Nachhaltigkeit auf Landwirtschaftsbetrieben. Momentan existieren viele verschiedene Methoden, um die Gesamtnachhaltigkeit oder einzelne Säulen zu bewerten. Die Methoden sind auf unterschiedliche Agrarsysteme ausgerichtet und haben zudem unterschiedliche Verwendungszwecke und Schwerpunkte wie z.B. Beratung, Monitoring oder Forschung. Je nach Verwendungszweck werden unterschiedliche Systemgrenzen und verschiedene Detaillierungsgrade bezüglich Daten und Berechnungen gewählt. Die Nachhaltigkeitsmethoden müssen laufend weiterentwickelt werden, um aktuelle wissenschaftliche Erkenntnisse abzubilden, neue landwirtschaftliche Techniken zu berücksichtigen, neue Datengrundlagen einzubeziehen und existierende Schwachstellen (z.B. Tierwohlindikatoren) zu verbessern. Agroscope hat einerseits eigene Methoden entwickelt, um Nachhaltigkeitsaspekte zu untersuchen, beispielsweise im Rahmen der Ökobilanzierungsmethode SALCA oder im Rahmen der Monitoringprogramme für die Buchhaltung und die Umwelt. Daneben arbeitet Agroscope auch mit anderen Organisationen zusammen, um gemeinsam international anerkannte Methoden weiterzuentwickeln und/oder auf die Schweiz zu adaptieren. Als Beispiel ist hier TAPE (Tool for Agroecology Performance Evaluation) zu nennen, das ursprünglich von der FAO entwickelt wurde. Nachhaltigkeitsbewertung liefert wertvolle Informationen für die Ausgestaltung von agrar- und umweltpolitischen Massnahmen. Die gewählten Massnahmen sollen bestmöglichen Nutzen erzielen und kostspielige Fehlanreize vermeiden. Umso wichtiger ist es daher, dass die Indikatoren dem neuesten Wissensstand entsprechen und robuste Bewertungen zulassen.