Schadorganismen können erhebliche Ertragsreduktionen im Pflanzenbau verursachen, wobei es je nach Kultur bis zu Totalausfällen kommen kann. Die Agrarlandschaft und die Schaderregerkomplexe verändern sich dauernd. Die Kenntnis von Biologie und Epidemiologie der Schaderreger im Zusammenspiel des Agroökosystems ist essentiell, um nachhaltige Lösungen und Pflanzenschutzstrategien auf der Ebene der Parzelle und der landwirtschaftlichen Fruchtfolge zu entwickeln. Der Schutz der Kulturen steht vor grossen Herausforderungen: Infolge von Klimawandel und Handel treten neue (invasive) Schaderreger auf und verursachen Probleme. Vielen Pflanzenschutzmittel- (PSM) Wirkstoffen wurden wegen problematischen Eigenschaften die Zulassung entzogen und sie stehen damit nicht mehr zur Verfügung oder sind, wie bei Kupfer, in der Anwendung stark limitiert (4kg/ha/Jahr). Dies führt ohne Gegenmassnahmen zu Wirkungslücken (z.B. gegen bakterielle Krankheiten), verschärft die Resistenzproblematik und gefährdet den Schutz der Kulturen. Mit dem Nationalen Aktionsplan (NAP) PSM wird die Halbierung der Risiken aufgrund von PSM angestrebt. Die Umsetzung ist anspruchsvoll, u.a. da derzeit für viele Anwendungen keine Alternativen zur Verfügung stehen. Pflanzenschutzstrategien werden entlang den Prinzipen der Pflanzenschutzpyramide entwickelt, wobei vorbeugende Massnahmen zu bevorzugen sind. Die Entwicklung von nachhaltigen Alternativen und von Agrarökosystemen, die möglichst vollständig auf direkten Pflanzenschutz verzichten können, wird mit der 'towards zero pesticide EU alliance' angestrebt. Aus heutiger Sicht ist aber klar, dass die Erreichung dieses Ziels Zeit braucht und effiziente, umweltschonende und wirtschaftlich tragbare Alternativen bereitgestellt werden müssen. Derzeit bestehen erhebliche Lücken und Herausforderungen in den Bereichen (i) Kenntnis der Biologie und Epidemiologie von (neuen) Schaderregern und deren Interaktionen mit Nutzpflanzen und der sich ändernden Umwelt, (ii) Erkennen und systematische Nutzung des Potentials von funktioneller Biodiversität, (iii) der Entwicklung und Einführung von neuen unproblematischen PSM sowie Tools und Techniken im Pflanzenschutz. Dazu gehören auch Massnahmen zur Verbesserung der Applikationstechnik und das Bereitstellen von Prognosesystemen, (iv) Effiziente Methoden zur Qualitätssicherung von Saat- und Pflanzgut, sowie (v) Effizienter Technologie- und Wissenstransfer zu Bund, Kantonen, Produzenten und Dienstleistern im privaten Sektor. Um den kurz- und mittelfristigen Feldprioritäten gerecht zu werden, ist es wichtig, dass sich die Forschungsaktivitäten auf die von der Praxis und den Branchen am höchsten gewichteten Schadorganismen, die vorrangigen Kulturen und die vielversprechendsten Ansätze konzentrieren und dabei auch die potenziellen Beiträge anderer Forschungsorganisationen im In- und Ausland berücksichtigen.