Die Landwirtschaft steht vor immer neuen Herausforderungen. Diese sind unter anderem zurückzuführen auf das Auftreten von neuen invasiven Arten und Schädlingen, dem Verlust von bewährten Pflanzenschutzmitteln (PSM) oder Veränderungen aufgrund des Klimawandels. Neben existierenden Bekämpfungsstrategien, wie dem Gebrauch von chemischen Pflanzenschutzmitteln, bieten Innovation und Technologie neue Lösungsansätze, um diesen Herausforderungen zu begegnen.
Mögliche Lösungen sind mannigfaltig und umfassen die Verwendung von lebenden Organismen, wie auch technologische Anwendungen. Zu ersterem gehören u.a. die Ausbringung von Makroorganismen zur biologischen Schädlingsbekämpfung, die Verwendung von Pflanzensorten, welche mithilfe neuer Züchtungstechnologien oder klassischer Gentechnik entwickelt wurden oder gentechnisch veränderte Insekten. Zu den technologischen Lösungen gehören beispielsweise klassische chemisch-synthetische PSM, aber auch moderne Spritzmittel mit neuen Wirkmechanismen wie RNAi, precision farming, KI- und Robotik-basierte Methoden, oder aber auch die Anwendung bioabbaubarer Mulchfolien. Dafür ist es wichtig die internationalen Entwicklungen und Fortschritte im Auge zu behalten.
Die neuen Organismen oder innovativen Technologien können Chancen bieten für eine nachhaltigere Landwirtschaft, z.B. wenn durch ihren Einsatz Pestizide eingespart werden, weniger Schadstoffe freigesetzt werden, fossile Energie reduziert werden kann, weniger Arbeitszeit nötig ist, oder ein höherer Ertrag oder eine verbesserte Produktqualität erreicht werden kann. Gleichzeitig kann das Ausbringen von neuen Organismen oder die Anwendung neuer Technologien aber auch negative Auswirkungen auf die Umwelt, z.B. die Biodiversität und die Ökosystemfunktionen haben, da sie mit einheimischen Arten und Nahrungsnetzen im Feld und darüber hinaus interagieren. Viele der Anwendungen sind daher reguliert und ihre möglichen Auswirkungen müssen vor einer Freisetzung untersucht und beurteilt werden. Erschwert werden diese Untersuchungen und die Abschätzung der Umweltauswirkungen durch das Interagieren verschiedener Stressoren (abiotisch und biotisch). Die Biosicherheitsforschung und Umwelt-Risikoanalyse stehen daher vor grossen Herausforderungen. Der Umgang mit und die Regulierung von neuen Technologien wird auch international intensiv diskutiert, zumal freigesetzte Organismen auch an Grenzen nicht halt machen. Darüber hinaus werden auch bestehende Regulierungen (z.B. für chemische Pestizide) ständig angepasst und verbessert, um auf das gesteigerte Umweltbewusstsein und die neuen Herausforderungen zu reagieren.