Lebensmittelbedingte Erkrankungen beim Menschen treten weltweit auf und können zu hohen volkswirtschaftlichen Schäden führen. Neben dem Vorkommen neuer pathogener Erreger ist dem zunehmenden Auftreten antibiotikaresistenter und persistenter Keime in tierischen und pflanzlichen Lebensmittelketten besonders Rechnung zu tragen. In der Land- und Ernährungswirtschaft stellt sich einerseits die Frage, wie bestehende und neue pathogene sowie antibiotikaresistente Keime frühzeitig detektiert und wie die Sicherheitskonzepte in Produktion, Verarbeitung und Vertrieb angepasst werden können. Andererseits stellt sich die Frage, wie der Eintrag und die Verbreitung von Antibiotikaresistenzen und Persistenz entlang ausgewählter Wertschöpfungsketten erfasst, mit welchen Präventionsmassnahmen diese eingeschränkt und wie pathogene Mikroorganismen sowie deren Toxine (z.B. Mykotoxine) auf landwirtschaftlichen Erzeugnissen und Lebensmitteln reduziert werden können.
Neben den mikrobiologischen Risiken soll auch die Belastung durch Rückstände von z. B. PFAS, Mikro-und Nanoplastik sowie anderen Substanzen in der Wertschöpfungskette in Betracht gezogen werden; dies einerseits über die Verfolgung der Substanzen innerhalb der Produktionskette aber auch der Risikoabklärung sowie Erstellung von Modellen.
Sichere Lebens- und Futtermittel sind nur über die Betrachtung des Gesamtsystems zu erreichen. Nur so können durch die Wechselwirkungen zwischen Umwelt, Nutzpflanze, Tier und Mensch potenzielle (neue) Eintragspfade von Kontaminationen evaluiert, identifiziert und charakterisiert werden.
Hauptrisken wie Antibiotikaresistenzen (AR) und mikrobielle Pathogene sowie chemische und physikalische Kontaminanten müssen systematisch sowohl in neuen und als auch bestehenden Prozessen, Rohstoffen, Lebens- und Futtermitteln quantifiziert und Strategien entwickelt werden, um diese zu reduzieren. Eine wirksame amtliche Aufsicht der Einhaltung der rechtlichen Bestimmungen durch die Betriebe entlang der Lebensmittelkette ist notwendig, damit die Produkte auf dem Markt sicher und konform sind. Die Aufsicht muss dabei traditionelle und neue Vertriebskanäle wie Onlinehandel abdecken. Praxisnahe Beprobungen, die Gewährleistung sicherer Futtermittel und die Anwendung moderner Labormethoden sowie Modellierungen ermöglichen einen raschen Wissenstransfer.
Mit Forschungsresultaten, Challenge-Tests, Erhebungen und risikobasierten Empfehlungen unterstützt Agroscope die Sicherheit von Lebensmitteln und landwirtschaftlichen Erzeugnissen und damit auch deren Exportfähigkeit massgebend. Die amtliche Futtermittelkontrolle trägt zudem dazu bei, dass chemische Verunreinigungen und andere Rückstände in und Verfälschungen von Erzeugnissen aus der Land- und Ernährungswirtschaft verhindert werden. Neben der Marktüberwachung mit leistungsfähigen und effizienten Analysemethoden ist vorbeugende Risikoanalyse wesentlich: Mögliche Kontaminationen und damit verbundene gesundheitliche Risiken werden mittels Risikoanalysen erkannt und quantifiziert. Ein wichtiger Baustein ist die Simulation von biologischen Kontaminationen im Produktionsmassstab, die im BSL3 Umfeld zu erforschen sind. Neue Methoden werden in Abstimmung mit den EU Reference Laboratories (EURLs EURL’s) in den National Reference Laboratories (NRL) erarbeitet und validiert.