Pflanzenschutzmittel (PSM) werden in der Landwirtschaft zum Schutz von Kulturpflanzen und deren Erzeugnisse, aber auch im Forst oder für die Pflege öffentlicher und privater Grünanlagen, sowie für den Unterhalt der Bahn- und Strasseninfrastruktur eingesetzt. PSM verbleiben aber nicht ausschliesslich innerhalb der behandelten Fläche, sondern können über verschiedene Eintragspfade in andere Umweltkompartimente gelangen und dort unerwünschte Auswirkungen auf Lebewesen oder die Qualität des Grund- und Trinkwassers haben. Um den potenziellen Umweltauswirkungen des chemischen Pflanzenschutzes entgegenzuwirken, wurde 2017 vom Bundesrat der «Aktionsplan zur Risikoreduktion und nachhaltigen Anwendung von Pflanzenschutzmitteln» verabschiedet. Aufgrund der Parlamentarischen Initiative 19.475 «Das Risiko beim Einsatz von Pestiziden reduzieren» wurde das «Bundesgesetz über die Verminderung der Risiken durch den Einsatz von Pestiziden» 2021 vom Parlament beschlossen, welches am 1.1.2023 in Kraft getreten ist. Für die Umsetzung des Absenkpfades PSM und der Pa.Iv 19.475 wurden verschiedene Massnahmen zum Verbot des Einsatzes von PSM, bzw. zur Einschränkung oder zum freiwilligen Verzicht auf deren Einsatz bei gleichzeitiger Verschärfung der Anwendungsvorschriften eingeführt. Ziel all dieser Massnahmen ist eine Reduktion der Risiken für Organismen der Oberflächengewässer und naturnahen Lebensräume sowie für das Grundwasser, bei gleichzeitigem Erhalt des Ertrags und der Qualität der Ernteprodukte. Die Umsetzung ist anspruchsvoll und schafft neue Herausforderungen, z.B. den unzureichenden Schutz von Kulturen aufgrund des Verlusts wirksamer PSM oder die verminderte Wirksamkeit infolge Resistenzbildung, was zu quantitativen und qualitativen Ernteverlusten führt.
Ziel ist es, neue Massnahmen bereitzustellen, die einerseits die Risiken von PSM wirksam reduzieren und andererseits die Ertragssicherheit, Produktqualität und Wirtschaftlichkeit der Landwirtschaft nachhaltig erhalten. Nötig dafür sind: 1) Methoden zur Bewertung der Risiken von PSM und Monitoring der Risikoentwicklung, 2) Massnahmen zur Reduktion des PSM-Austrags aus der Fläche), 3) Eliminierung weiterer Eintragsquellen (z.B. Waschplätze, Kurzschlüsse), 4) Entwicklung, bzw. Einsatz von technischen Ansätzen (z.B. präzisere Applikation von PSM, Berücksichtigung von optimierten Prognosemodellen etc.), 5) Überblick über den Stand des Pflanzenschutzes (wo sind die Hebel beim Pflanzenschutz in verschiedenen Kulturen, Möglichkeiten des Ersatzes von Hochrisiko-PSM etc.).
Es werden kulturübergreifende Fragestellungen zur nachhaltigen Risikoreduktion von PSM bearbeitet. Daraus resultierende Erkenntnisse für einzelne Kulturen sollen in die jeweiligen kulturspezifischen Forschungsprogramme einfliessen und dort bearbeitet werden. Eine Kompetenzplattform dient dabei als internes Vernetzungstool.