Die Tierproduktion ist der wichtigste Sektor der Schweizer Landwirtschaft. Ein bedeutender Teil des landwirtschaftlichen Einkommens wird durch die Tierproduktion erwirtschaftet. Rund 30'000 Betriebe halten 1,5 Millionen Rinder. Derzeit liegt der Selbstversorgungsgrad bei Rindfleisch und Milchprodukten in der Schweiz bei fast 100 %. Über 2/3 der landwirtschaftlichen Nutzfläche der Schweiz ist Grasland, das vor allem für die Fütterung von Wiederkäuern und Pferden genutzt wird. Vor allem Wiederkäuer können durch die Verwertung von Raufutter und die Produktion von Milch und Fleisch hochwertige tierische Proteine für den menschlichen Verzehr liefern.
Zurzeit wird in der Schweiz ein erheblicher Teil der Ackerflächen für die Futtermittelproduktion genutzt. Zudem werden Futtermittel aus dem Ausland importiert. Die derzeitigen Produktionsmethoden sind im Hinblick auf die Umweltbelastung und den Klimaschutz nicht ausreichend nachhaltig und müssen angepasst werden mit dem Ziel einer ressourceneffizienten, standortangepassten bzw. nachhaltigen Tierproduktion. Dies könnte einerseits teilweise durch eine Änderung der Nachfrage und der Verbrauchsgewohnheiten erreicht werden. Andererseits gibt es ein beträchtliches Potenzial, die Wiederkäuerproduktion effizienter und nachhaltiger zu gestalten und gleichzeitig hohe Tierwohl- und Produktqualitätsstandards zu wahren und sich an den Klimawandel anzupassen. Die Herausforderungen sind insbesondere (i) die Verringerung der Gasemissionen und der Nährstoffverluste durch Haltung, Fütterung und Selektion; (ii) die Verringerung der Futtermittelkonkurrenz und die verstärkte Verwendung von Raufutter sowie von Nebenprodukten und ehemaligen Lebensmittelerzeugnissen von einwandfreier Qualität; (iii) Anpassung an den Klimawandel in der Tierhaltung, Futterproduktion und Futterkonservierung und -fütterung; (iv) Weiterentwicklung tiergerechter Haltungsformen und der Gesunderhaltung der Tiere mit prophylaktischen Strategien; (v) Reduzierung fütterungsbedingter Krankheiten; (vi) die Stärkung der lokalen und standortangepasste Produktion hochwertiger Produkte. Dies erfordert eine Anpassung der Wiederkäuerrassen, der Haltung und der Fütterungsstrategien, die sich auf eine ausgezeichnete Produktqualität sowie auf die Gesundheit und das Wohlergehen der Tiere konzentrieren und die Arbeitsproduktivität steigern. Um eine nachhaltige Tierproduktion im Einklang mit den agrarökologischen Grundsätzen zu gewährleisten und das Bewusstsein sowie die Akzeptanz der Verbraucher zu erhöhen, müssen ethische Fragen in Bezug auf die Gefahren für das Wohlergehen der Tiere aufgrund des Produktionssystems während der gesamten Lebensdauer eines Tieres und die Inwertsetzung von Kälbern/Lämmern/Zicklein aus der Milcherzeugung angegangen und der Mehrwert gegenüber der Produktion im Ausland nachgewiesen werden.