Eine Transformation des Ernährungssystems ist dringend erforderlich, um den Auswirkungen des Klimawandels und dem Biodiversitätsverlust entgegenzuwirken und damit zur Ernährungssicherheit in der Schweiz und weltweit beizutragen. Dazu ist eine Ernährungspolitik notwendig, welche die Agrarpolitik in Richtung einer ganzheitlichen Politik für gesunde Ernährung und nachhaltige Lebensmittelproduktion erweitert (Bundesrat, 2022). Eine solche Ernährungspolitik muss Massnahmen auf allen Ebenen der Wertschöpfungskette ergreifen, d.h. von der Produktion über die Verarbeitung bis zum Konsum und dabei auch diese verschiedenen Perspektiven berücksichtigen.
Neben der Produktion muss auch der Konsum nachhaltiger werden und sich folgend den Empfehlungen der Lebensmittelpyramide entwickeln, um die synergistischen Effekte zwischen Umweltwirkung und Gesundheit zu erschliessen. Die Vermeidung von Lebensmittelabfällen und die Inwertsetzung von Nebenströmen der Nahrungsmittelproduktion für die tierische und menschliche Ernährung sind wirksame Wege hin zu einem nachhaltigeren Ernährungssystem. Als Grundlage für die Entwicklung von Massnahmen zur Unterstützung einer nachhaltigen und gesunden Ernährung sind deswegen Kenntnisse zur Motivation von Konsumentscheidungen wichtig.
Der allgemeine Trend im Ernährungsverhalten (z.B. in Bezug auf den Konsum tierischer Produkte) und die demographischen Veränderungen beeinflussen die Nachfrage nach Nahrungsmitteln. Trends und Veränderungen im Konsumverhalten müssen bei der Analyse des Land- und Ernährungssystems berücksichtigt werden, um Anpassungen in der Produktion zum richtigen Zeitpunkt einzuleiten. Dies ist besonders wichtig, wenn neue Produkte oder Produktionsmethoden bis zur Praxisreife entwickelt werden müssen. Ebenso wichtig ist es, nicht nachhaltige Konsumtrends und die dahinterliegenden Motivationen zu kennen, um Massnahmen zu entwickeln, die diesen nicht nachhaltigen und ungesunden Ernährungsweisen entgegenwirken.
Das Methodenspektrum von Agroscope zur Schaffung von Entscheidungsgrundlagen zuhanden Politik und privatwirtschaftlicher Akteure umfasst die Modelle SWISSfoodSys und SALCA sowie Umfragen und Verhaltensexperimente, quasi-experimentelle Methoden, systematische Übersichtsarbeiten und Metaanalysen und qualitative methodische Ansätze. Durch Beobachtungsstudien werden Personen in ihrem Essverhalten beobachtet und in Living Lab Ansätzen partizipativ in die Forschung einbezogen.