Blüteninfektionssituation 2016 (Kernobst)

Feuerbrand-Wirtspflanzen Apfel

Bei blühenden Neupflanzungen wurden für die Periode vom 27. bis 29.5. Infektionstage berechnet.

Rückblick
Agroscope in Wädenswil berechnet  mit dem Prognosemodell „Maryblyt" die Blüten-Infektionsprognose beim Kernobst für rund 80 Standorte in der Schweiz.
in weiten Teilen der Schweiz vom 23.4. bis 4.5. kalte Luftmassen polaren Ursprungs; Schneeschauer bis in tiefe Lagen, teilweise Bodenfrost. Rascher Temperaturanstieg nach Auffahrt (5.5.); gefolgt von einer Periode (7.5. bis 11.5.) mit hoher bis sehr hoher Infektionsgefahr (v.a. Deutschschweiz und Wallis). Deutlicher Temperaturrückgang ab 12.5. Hochsommerliche Temperaturen führten bei noch blühenden Kernobstbäumen am 22.5. zu einer hohen bis sehr hohen Blüteninfektionsgefahr. Bei blühenden Neupflanzungen berechnete Infektionstage in der Periode 27.5. bis 29.5.

Deutschschweiz
Blühbeginn Birnen bei frühen Sorten in frühen Lagen ab 4. April (Bad Ragaz, Berneck, Grabs). Blühbeginn Apfel bei frühen Sorten in frühen Lagen ab 10. April (Bad Ragaz, Berneck, Grabs).  Hohe bis sehr hohe Infektionsgefahr ab 7.5. Das berechnete Errgerinfektionspotential liegt regional deutlich über dem Schwellenwert (Föhneinfluss und Bewölkung brachte Anstieg der Nachttemperaturen). Vom 8.5. bis 11.5. viele Standorte mit einigen Tagen mit HW-  oder berechneten Infektionstagen.

Wallis
Blühbeginn Birnen ab 5. April; Blühbeginn Apfel 14. April. Hohe bis sehr hohe Infektionsgefahr vnm 7.5. bis 12.5. Berechneter Infektionstag (10.5.).

Westschweiz
Blühbeginn Birnen ab 4. April.; Blühbeginn Apfel 18. April. Mittlere bis hohe
Infektionsgefahr ab 7.5. An wenigen Standorten berechneter Infektionstag (10.5.).

Tessin
Blühbeginn Birnen Ende März; Blühbeginn Apfel anfangs April. Blühende gegen Ende April. Am 22.4. mittlere bis hohe Infektionsgefahr.

Informationen zum Prognosemodell „Maryblyt"
Eine Blüten-Infektionsgefahr besteht grundsätzlich ab dem Öffnen der ersten Blüten. Im Prognosemodell „Maryblyt" wird ab Blühbeginn täglich mindestens eine leichte Infektionsgefahr angezeigt. Diese Gefahr steigt unter dem Einfluss von Niederschlag und Temperaturanstieg auf eine mittlere oder hohe Infektionsgefahr. Der Anstieg des Risikos gipfelt in einem berechneten Infektionstag. Mit grosser Wahrscheinlichkeit führen solche Tage, insbesondere in Regionen mit hohem Infektionsdruck, zu starkem Blütenbefall. Unter dem Einfluss von nicht oder ungenügend saniertem Altbefall in der Parzelle oder im Umfeld führen auch Tage mit leichter oder mittlerer Infektionsgefahr zu Blütenbefall.

Nach dem Prognosemodell „Maryblyt" kommt eine berechnete Blüteninfektion zustande (=berechnter Infektionstag) wenn folgende vier Bedingungen am selben Tag erfüllt sind:

  • geöffnete, intakte Blüte (Stempel und Staubbeutel vorhanden)
  • ab offener Blüte 110 Stundengrade (EIP) über 18,3°C (Periode mit mehreren warmen Tagen)
  • Tagesdurchschnittstemperatur über 15,6°C
  • Regen (mind. 0.25 mm) oder Tau; oder am Vortag mehr als 2,5 mm Regen

Aus diesen Faktoren berechnet das Modell täglich die aktuelle Blüteninfektionsgefahr. Bei den Berechnungen wird für alle Standorte das Vorhandensein von Feuerbrandbakterien angenommen. Die Stundengrade (EIP, Erreger-Infektionspotential) stellen ein Mass für die Vermehrung der Feuerbrandbakterien in der Blüte dar. Werden die 110 Stundengrade deutlich überschritten können auch ohne messbare Nässeereignisse (HW-) Blüteninfektionen erfolgen; insbesondere wenn der Erreger in der Region bereits in den Vorjahren vorhanden war.
Die Blüten-Infektionsprognose mit dem Modell «Maryblyt» ist ein Hilfsmittel zur Beurteilung der Situation. In Wirklichkeit ist das Infektionsgeschehen ein sehr komplexer Vorgang (kein schwarz-weiss). Die Interpretation der berechneten Risiken ist daher absolut zwingend. Der Miteinbezug der effektiven Feuerbrandsituation in der Parzelle, im Umfeld und die Befallssituation in den Vorjahren ergänzen diese Risikobeurteilung. In Folge von kühlen Temperaturen wird das EIP bei der Berechnung wie folgt reduziert:

  • Das EIP wird um 1/3 reduziert, wenn an einem Tag das Tagesmaximum unter 18,3 °C liegt,
  • Das EIP wird um 1/2 reduziert, wenn an zwei aufeinanderfolgenden Tagen das Tagesmaximum unter 18,3 °C liegt
  • Das EIP wird auf 0 gesetzt, wenn an drei aufeinanderfolgenden Tagen das Tagesmaximum unter 18,3 °C liegt.
  • Das EIP wird ebenfalls auf 0 gesetzt, wenn das Tagesminimum unter 0 °C liegt.