Netzwerktagung Pferdeforschung Schweiz 2018

Netzwerktagung 2018
Oben v.l.n.r.: Conny Herholz, Elodie Briefer, Nicoline Schaub, Marie Pfammatter, Annik Gmel, Stéphane Klopfenstein, Clara Ackermann, Anja Lüth, Géraldine Pellet, Eva Forster, Barbara Eichenberger, Ruedi von Niederhäusern
Unten v.l.n.r.: Kathrin Herzog, Salome Wägeli, Sina Huwiler, Simona Steinmeier , Iris Bachmann

Pferde in der Schweiz: viel Erfreuliches und neue Herausforderungen

In den letzten zwanzig Jahren haben sich die Haltungssysteme für Pferde in der Schweiz massiv verändert: Boxen mit Auslauf und Gruppenhaltung dominieren. Letztere hat vor allem in der Deutschschweiz stark zugenommen, weniger in der Romandie – so das Fazit einer repräsentativen Studie zur Situation der Pferde, präsentiert an der 13. Jahrestagung des Netzwerks Pferdeforschung Schweiz vom 19. April 2018. An der vom Schweizer Nationalgestüt von Agroscope und Partnern in Avenches organisierten Fachtagung präsentierten rund 30 Forschende ihre jüngsten Resultate der Schweizer Pferdeforschungsgemeinschaft.

Pferde sind soziale Tiere und brauchen viel Bewegung. Entsprechend haben sich die Stallsysteme in den letzten zwanzig Jahren stark verändert: Boxenhaltung hat markant abgenommen und Stallsysteme wie Gruppenhaltung, welche dem Bewegungsbedürfnis entgegenkommen, setzen sich durch. Die Gruppenhaltung führt zu neuen Herausforderungen wie beispielsweise die bedarfsgerechte und ungestörte Fütterung aller Tiere in der Gruppe. Futterdispenser, welche die Futteraufnahme verlangsamen, werden bei einem Drittel der erfassten Equiden eingesetzt. Dies kann ein guter Ansatz sein, um die Pferdefütterung artgerechter zu gestalten, ohne dass die Tiere übergewichtig würden. Allerdings fehlt es noch an Untersuchungen betreffend Langzeiteffekten auf die Gesundheit und das Verhalten.

Nur mässige Nutzung, dafür gebisslos und barhuf
Die gleiche Studie brachte weitere Neuigkeiten ans Licht: Nur knapp die Hälfte der erfassten Equiden wird zum Reiten, Fahren oder für die Zucht genutzt. Offensichtlich werden viele Pferde rein zur Freude und ohne herkömmliche Nutzungsambitionen gehalten. Interessant ist auch, dass 37 Prozent der genutzten Equiden nicht beschlagen sind. Zudem werden fast 30 Prozent immer oder gelegentlich ohne Gebiss geritten. Diese Ergebnisse weisen auf einen steigenden Bedarf an Wissen für die korrekte Hufpflege von Barhufpferden oder zum gebisslosen Arbeiten mit Pferden hin.

Smarte Daten für Gesundheit, Genetik und Pferdehaltung
Beindruckend ist, wie die Digitalisierung auch in der Pferdeforschung Einzug hält und neue Erkenntnisse hervorbringt. Sie liefert beispielsweise Daten zur Überwachung der Vitalparameter des Pferdes wie Herz, Atmung und Körpertemperatur. Dies wiederum kann vielfältig genutzt werden, in der Medizin sowie zur Optimierung des Pferdetrainings. Als weiteres Beispiel, liess sich dank GPS-Daten das Sozialverhalten von Hengsten in Gruppen analysieren. Zudem brachte ein Vergleich von digitalisierten Fotografien mit Pedigree-Daten ein neues nützliches Werkzeug hervor, welches zum Monitoring der Diversität in kleinen Populationen lokaler Pferderassen hilfreich eingesetzt werden kann.

Das Pferd - ein Spiegel der Gesellschaft
Einmal mehr wurde diese Tagung ihrer Multidisziplinarität gerecht und zeigte ein vielseitiges Bild der gut vernetzten Schweizer Pferdeforschung. Nicoline Schaub verdeutlichte den Wandel der Zeit zwischen 1916 und 1960 anhand der bekannten Pferdeplakate von Iwan E. Hugentobler, welche über 60 Jahre in den Strassen der Schweiz präsent waren. Ulrich Fritz nahm das Publikum mit in die frühe Neuzeit mit seinem Vortrag «Das Pferd auf der Treppe» und beschrieb, wie sich die gehobene Gesellschaft damals anhand des Pferdes und der Reitkunst präsentierte.

Das Pferd ist etwas Besonderes
Der Tagungsgast Mario Nottaris vom Schweizer Fernsehen berichtete über die einzigartige Stellung des Pferdes in unserer Gesellschaft. Seine Erfahrungen bei der letztjährigen Berichterstattung zum Pferdehaltungsskandal im Thurgau waren eindrücklich. Er ist überzeugt, dass keine andere Tiergattung solch starke Wellen an Emotionen in der Gesellschaft ausgelöst hätte. Aus seiner Sicht sind darum Institutionen wie das Schweizer Nationalgestüt als Brückenbauer zwischen der städtischen und der ruralen Welt wichtig, weil sie mit ihren Informationen einen Beitrag leisten, damit diese Welten sich besser verstehen.

Viele der Forschungsarbeiten sind im Schweizer Archiv für Tierheilkunde sowie im Tagungsband Agroscope Science (siehe rechts oben -> Publikationen) publiziert.

Video

Publikationen

Agroscope Science NWT 2018

Bildergalerie

Programm 2018

Posterliste

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Folgende Forschungsarbeiten wurden ausgezeichnet:

Preis

Autoren

Titel

Institution

Wissenschaftlicher Preis – beste Präsentation

Géraldine Pellet

Betriebszweig Pferdezucht: was kostet es wirklich?

Hochschule für Angewandte Wissenschaften, St. Gallen

Wissenschaftlicher Preis – bestes Poster

Annik Gmel

Der Freiberger im Wandel der Zeit

Agroscope, Schweizer Nationalgestüt

Wissenschaftlicher Spontanpreis

Nicoline Schaub

Plakate für den Pferdesport: Iwan E. Hugentobler (1886-1972)

Kunsthistorisches Institut, Universität Zürich

Preis Zucht

Clara Ackermann

Umfrage «Mein Traum-pferd»

Agroscope, Schweizer Nationalgestüt

Preis Pferdebranche

Marie Pfammatter

Linearbeschreibungssystem für die Freiberger Rasse

Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, Zollikofen

Tierwohl-Preis

Sina Huwiler

Leistung und Stressbelas-tung bei drei Maultieren während eines 5-tägigen Treks auf dem Gotthardpass

Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften HAFL, Zollikofen

Poster der Netzwerktagung Pferdeforschung Schweiz 2018

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