Agroscope-Forschende entwickelten mit europäischen Partnern eine Methode zur In-vitro-Bestimmung der Proteinverdaulichkeit. Die Methode quantifiziert die durch die Verdauung freigesetzten Aminosäuren aus Lebensmitteln und ermöglicht die Bewertung der Proteinqualität ohne Tierversuche.
In-Vitro-Protokoll im renommierten Journal Nature Protocols publiziert
Agroscope hat gemeinsam mit europäischen Partnerinstitutionen eine erweiterte In-vitro-Methode zur Bestimmung der Proteinverdaulichkeit entwickelt. Dieses wurde unter dem Namen «INFOGEST Quant» im Fachjournal Nature Protocols, einer der weltweit angesehensten Zeitschriften für Methoden in den Naturwissenschaften, publiziert. INFOGEST Quant baut auf dem international etablierten und von Agroscope mitentwickelten INFOGEST 2.0-Verdauungsmodell auf und ergänzt es durch Analytikmodule, mit denen die Verdaulichkeit von essenziellen Aminosäuren sowie der sogenannte DIAAS (Digestible Indispensable Amino Acid Score) berechnet werden kann. Die Methode wurde mit Daten aus In-vivo-Studien validiert und zeigt eine hohe Übereinstimmung, was ihre Eignung für Forschungs- und Qualitätsbewertungen unterstreicht.
Alternative zu invasiven Tierversuchen
Die ernährungsphysiologische Qualität von Proteinen hängt sowohl von ihrer Aminosäurezusammensetzung als auch von ihrer Verdaulichkeit ab. Um den Bedarf an essenziellen Aminosäuren zu decken, müssen Nahrungsproteine diese in ausreichender Menge liefern. DIAAS ist der von der FAO empfohlene internationale Standard zur Bewertung der Proteinqualität, setzt jedoch normalerweise invasive Tier- oder Humanstudien voraus. Forschung, Industrie und Behörden profitieren mit INFOGEST Quant von einer standardisierten In-vitro-Methode. Sie erlaubt effiziente und ethisch vertretbare Screenings mit gleichzeitig hoher Reproduzierbarkeit und Kosteneffizienz. Damit befähigen wir die Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelproduzenten, neben Geschmack und Aroma die Proteinqualität ihrer Produkte hervorzuheben.
Step by step Protokolle ermöglichen eine breite Anwendung
Das Protokoll kann mit Standardlaborgeräten und ohne spezialisierte Infrastruktur durchgeführt werden. Die Vorbereitung dauert rund sechs Tage, der komplette Ablauf etwa acht Tage. Die Analyse der Rückstände benötigt je nach Methode weitere drei bis fünf Tage.
Proteinqualität als Teil des ökologischen Fussabdrucks
Die Methode ermöglicht auch eine differenziertere ökologische Bewertung von Proteinquellen. Tierische Proteine zeigen beispielsweise oft eine höhere Verdaulichkeit, was sich direkt auf die Berechnungen des ökologischen Fussabdrucks auswirken kann. Mit INFOGEST Quant kann dieser Aspekt nun besser berücksichtigt werden, auch für Schweizer Lebensmittel. Die Methode wird derzeit im Rahmen der International Dairy Federation (IDF) und der International Organization for Standardization (ISO) zu einem internationalen Standard weiterentwickelt und wird somit künftig auch für die Qualitätsbewertung von Lebensmitteln im internationalen Handel anerkannt sein.
Fazit
- Agroscope und europäische Partner haben ein erweitertes In-vitro-Protokoll zur Bestimmung der Proteinverdaulichkeit und des DIAAS entwickelt und in Nature Protocols veröffentlicht.
- Die Methode ersetzt teure, invasive und ethisch heikle Tierversuche und ermöglicht eine kostengünstigere Bestimmung der Proteinqualität von Lebensmitteln.
- Das Protokoll ist für den Routineeinsatz geeignet, benötigt Standardgeräte und wurde erfolgreich mit in-vivo-Daten validiert.
- Das Verfahren ist sowohl in Forschung und Produktentwicklung als auch in der Qualitätskontrolle anwendbar.
- Dies ermöglicht der Schweizer Landwirtschaft und Lebensmittelproduzenten, neben Geschmack und Aroma die Proteinqualität ihrer Produkte hervorzuheben.
