Sorghum ist in Europa wenig bekannt, gehört aber zu den fünf wichtigsten Getreidearten der Welt. Agroscope erforscht das Potenzial von Sorten mit hohem Zuckergehalt für die Herstellung von regionalen Spirituosen.
Sorghum stammt ursprünglich aus Afrika und kann sich an gemässigte Klimazonen anpassen. Sie braucht wenig Wasser, ist trockenheitstolerant und resistent gegen verschiedene Schädlinge von Maiskulturen, wie der Maiszünsler oder der Maiswurzelbohrer. Aufgrund ihres mässigen Stickstoffbedarfs und ihrer Widerstandsfähigkeit eignet sich die Kultur für die Diversifizierung der Fruchtfolge und als Anpassung an den Klimawandel.
In der Schweiz wird Sorghum auf etwa 400 Hektaren angebaut, hauptsächlich als Futterpflanze. Sie kann überall angebaut werden, wo Mais wächst, ausser auf höher gelegenen Standorten im Jura und in den Voralpen.
Zuckerreiche Sorten
Die Stängel von Zuckersorghum (Sorghum bicolor var. saccharatum) haben im Gegensatz zu Körnersorghum einen hohen Gehalt an fermentierbaren Zuckern, der mit Zuckerrohr vergleichbar ist. Zuckerreiche Sorten produzieren wenig Körner und speichern den Zucker hauptsächlich in löslicher Form. Dagegen speichert Körnersorghum den Grossteil des Zuckers in Form von Stärke in den Körnern.
Französische Versuche haben gezeigt, dass der Zuckergehalt von Zuckersorghum bei bis zu 27,5 % liegen kann.
Vom Feld bis zur Brennerei
Agroscope sieht in dieser Kultur ein erhebliches Potenzial. Das Zuckerprofil der Stängel reicht für eine Kristallisation zu Zucker nicht aus, kann aber für die Verarbeitung genutzt werden, z. B. für die Herstellung von Sirup oder Spirituosen aus Sorghum.
In einem Versuch am Standort Reckenholz von 2022-2024 wurden verschiedene Zuckersorghumsorten getestet. Der Zuckersaft wurde, sowohl direkt als Rohsaft, wie auch konzentriert und wieder rückverdünnt, vergoren. Nach der anschliessenden Destillation wurde das sensorische Profil im Vergleich zu bekannten Spirituosen wie Rum, Getreidebrand, und Baijiu bewertet.
Die aus konzentriertem Saft hergestellten Destillate hatten ein ähnliches aromatisches Profil wie weisser Rum, behielten gleichzeitig aber ihren einzigartigen regionalen Charakter. Destillate aus dem Rohsaft zeigten ausgeprägtere Kräuter- und Pflanzennoten. Durch die Reifung in Fässern könnte die aromatische Komplexität noch ausgebaut werden.