Freibergerzucht: Zuchtziel optimieren, Vielfalt erhalten

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© harasnational.ch

Für den Freiberger, die letzte Schweizer Pferderasse, sind Massnahmen notwendig, um die genetische Vielfalt zu erhalten. Neue Empfehlungen von Agroscope zeigen, wie Exterieurbeurteilung und das Zuchtziel weiter präzisiert und der Anstieg der Inzucht reduziert werden können.

Die Freibergerzucht verbessert seit über 100 Jahren Exterieur (d.h. Typ, Körperbau und Gänge), Leistung und Charakter des Freibergers. Zwei neue Publikationen von Agroscope zeigen nun auf, wie die Zucht weiter optimiert werden kann.

Zuchtziel auf wenige, ausgewählte Merkmale konzentrieren

Empfohlen wird eine objektive, präzise und quantitative Exterieurbeurteilung. Dadurch können Zuchtwerte berechnet werden, die es ermöglichen, ein klar definiertes Zuchtziel zu erreichen. Die Beurteilung sollte sich auf wenige Merkmale beschränken, die eine deutliche optische und genetische Varianz aufweisen. Bei der Beurteilung können Werkzeuge wie das «Horse Shape Space Model» und «EquiMoves®» eingesetzt werden. Zudem wäre es sinnvoll, das Verhältnis von Rassenrichterinnen und Rassenrichtern zur Zahl der beurteilten Pferde so zu wählen, dass möglichst wenige, gut geschulte Fachleute möglichst viele Tiere bewerten.

Möglichst viele Zuchtlinien einbeziehen

Wichtig für die Zucht ist auch die Vermeidung von Inzucht, weil sie die Ausprägung von Erbkrankheiten begünstigt und die genetische Vielfalt mindert. Da seit 1998 die Freibergerzucht eine geschlossene Zucht ist und keine Einkreuzungen mit anderen Pferderassen erlaubt, steigt der Inzuchtgrad kontinuierlich an.
Um die Inzucht zu reduzieren, empfiehlt Agroscope das Online-Tool «Virtuelles Fohlen», die Berücksichtigung der väterlichen und der mütterlichen Abstammungslinie bei der Paarungsplanung, den breiten Einsatz verschiedener Hengste sowie die Durchführung von Gentests bei den Zuchttieren, um über potenzielle Erbkrankheitsträger informiert zu sein. Träger von Erbkrankheiten sollen nicht ausgeschlossen, sondern gezielt so verpaart werden, dass die Krankheiten nicht weitervererbt werden.

Die Freibergerrasse − ein Kulturerbe der Schweiz

Der Freiberger – Franches-Montagnes oder kurz FM genannt – gilt als die letzte ursprünglich erhaltene Schweizer Pferderasse und zugleich als letzte leichte Zugpferdrasse Europas. Die Freibergerzucht wird auf der Liste der «lebendigen Traditionen» im Bundesamt für Kultur aufgeführt und gehört gemäss Definition der UNESCO zum immateriellen Kulturerbe der Schweiz.

Publikation

Letzte Änderung 12.01.2026

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