Sortenmischungen für stabilere Erträge und gesündere Weizenbestände

Samuel Wüst im Weizenfeld
© Chloé Wüst, Agroscope

Agroscope will in einem internationalen Zusammenarbeitsprojekt neues Grundlagenwissen und Voraussagemodelle entwickeln, um besonders leistungsfähige Sortenmischungen bei Weizen zusammenzustellen. Samuel Wüst informiert im Interview über das neue Projekt.

Sind Sortenmischungen eine Konkurrenz für die Züchtung?
Die Züchtung ist immer noch eines der wichtigsten Werkzeuge zur Verbesserung der Produktion. Irgendwann gibt es aber ein Limit, was die Einzelsorte liefern kann. Da können Mischungen ins Spiel kommen. Doch wir wissen noch zu wenig darüber, wie es zu einem Mehrwert kommt. Deshalb ist das Projekt «PreDiMIX – Predicting and Understanding Diversity Benefits of Variety Mixtures» gestartet worden.

Wo liegt der Fokus beim neuen Projekt?
Wir fokussieren dabei unter anderem auf Ertragssteigerung und -stabilität, aber auch auf Krankheitsunterdrückung. Einerseits soll ein grundlegenderes Verständnis von positiven Mischungseffekten gewonnen werden. Andererseits sollen Voraussagemodelle entwickelt werden, mit denen sich der Nutzen von Mischungen weiter erhöhen liesse.

Was ist der Hauptvorteil von Sortenmischungen?
Für die Praxis ergeben sich oft verschiedene Vorteile, z.B. eine gewisse Absicherung gegenüber unvorhergesehenen Ereignissen wie Trockenstress. Zudem hilft eine erhöhte genetische Vielfalt im Weizenfeld mit, der Ausbreitung von Krankheiten entgegenzuwirken, Pflanzenschutzmitteleinsatz zu reduzieren und damit auch die Ziele des Absenkpfads zu erreichen. So werden in Dänemark oder Frankreich Weizen-Sortenmischungen bereits grossflächig eingesetzt, was Krankheitsepidemien erfahrungsgemäss besonders entgegenwirkt.

Was genau macht Sortenmischungen ertragreicher als Einzelsorten?
Sortenmischungen sind dann ertragreicher, wenn die Einzelsorten sich in den Anforderungen an die Umwelt unterscheiden, oder aber unterschiedlich anfällig auf abiotische oder biotische Stressfaktoren sind. Ein wichtiger Aspekt dabei ist, dass Pflanzen auf dem Acker in starker Konkurrenz um Ressourcen stehen, welche sich durch die unterschiedlichen Anforderungen reduzieren lässt. Oder aber eine Sorte kann Ausfälle der anderen Sorte kompensieren, durch Nutzung der frei werdenden Ressourcen.

Weshalb braucht es Voraussagemodelle?
Mischungen bieten nicht automatisch einen Mehrwert. Wir wollen aus den Eigenschaften und der Genetik der Reinsorten solche Mischungskombinationen voraussagen, welche herausragen und klare Vorteile bringen. Damit würden sie auch bei uns salonfähig werden. Zudem könnte bei der Entwicklung von Sortenmischungen viel gezielter im Feld getestet werden.

Wer ist alles am Projekt beteiligt?
Im interdisziplinären Projekt beteiligen sich sechs Forschungsgruppen aus zwei Ländern und vier Institutionen: Agroscope, ETH, Uni Zürich (alle CH) sowie IPK Gatersleben (D). Das Projekt dauert drei Jahre, finanziell unterstützt wird es vom Schweizerischen Nationalfonds (SNF) und der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG).


Sortenlisten Getreide jetzt als Chronik verfügbar

Agroscope hat eine Chronik zusammengestellt, welche die Sortenlisten ab dem Jahre 1949 abbildet. Die Listen umfassen alle Sorten, die hierzulande für den Anbau empfohlen werden. Seit 1999 sind diese Sortenlisten auch in der EU offiziell anerkannt.


Letzte Änderung 11.08.2025

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