Höhere landwirtschaftliche Einkommen 2017 (Letzte Änderung 02.10.2018)

Ettenhausen, 02.10.2018 - Gemäss der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten bei Agroscope nahm das landwirtschaftliche Einkommen 2017 gegenüber dem Vorjahr um 5,6 Prozent zu. Es betrug im Mittel 67 800 Franken je Betrieb. Hauptgründe für den Anstieg waren die quantitativ und qualitativ sehr guten Ernten im Ackerbau, die gestiegenen Preise für Schlachtvieh und die Erholung des Milchmarktes in der zweiten Jahreshälfte 2017. Diese Entwicklungen wirkten sich insgesamt stärker aus als die erheblichen Ertragseinbussen, die durch Spätfröste im April 2017 im Obst- und Weinbau verursacht worden sind. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen der landwirtschaftlichen Haushalte nahm um 3,3 Prozent zu. Das Gesamteinkommen stieg damit um 4,4 Prozent.

Ackerbau und Rindviehhaltung mit höheren Erträgen

2017 betrug der mittlere Ertrag (monetärer Wert der produzierten Güter und Dienstleistungen; entspricht annähernd dem Umsatz) inklusive Direktzahlungen je Betrieb 331 000 Franken. Im Vergleich zum Vorjahr sind das 4,3 Prozent Zuwachs.

Der Ertrag aus der Tierhaltung stieg um 5,7 Prozent. Während die Lage auf dem Schweinemarkt schwierig blieb, konnte die Rindviehhaltung von etwas höheren Schlachtvieh-Preisen und von einer Erholung des Milchmarktes in der zweiten Jahreshälfte profitieren.

Der Pflanzenbau entwickelte sich 2017 unterschiedlich. Die Spätfröste im April 2017 führten im Obst- und Weinbau zu erheblichen Schäden und einem starken Rückgang der Erträge, da sie die Pflanzen in einem empfindlichen Wachstumsstadium trafen. Für den Ackerbau hingegen erwies sich 2017 als ein gutes Jahr mit quantitativ und qualitativ hervorragenden Ernten insbesondere bei Getreide, Zuckerrüben und Kartoffeln. Daraus resultierte ein Anstieg des Ertrags aus dem Pflanzenbau um 6,8 Prozent.

Die Direktzahlungen nahmen pro Betrieb im Durchschnitt um 1,8 Prozent zu. Dies ist vor allem auf den sich fortsetzenden Strukturwandel und das damit einhergehende Flächenwachstum der Betriebe zurückzuführen. Zudem sind die ausbezahlten Direktzahlungen auf Bundesebene leicht angestiegen.

Aufwände gestiegen

Der Aufwand nahm bei nahezu konstanten Produktionsmittelpreisen um 3,9 Prozent auf 263 200 Franken zu. Diese Entwicklung ist hauptsächlich dem Aufwand für Material, Waren und Dienstleistungen, dem Personalaufwand und den Abschreibungen und Wertberichtigungen zuzuschreiben. Der Aufwand für Material, Waren und Dienstleistungen stieg vor allem aufgrund der Tierzukäufe um 2,6 Prozent.

In einer Finanzbuchhaltung kann die Höhe der getätigten Abschreibungen an den Geschäftsgang angepasst werden, um das Einkommen über die Jahre zu glätten. Die Landwirtinnen und Landwirte haben 2017 aufgrund der verbesserten Wirtschaftslage in der Landwirtschaft von dieser Möglichkeit Gebrauch gemacht. Dies hat zu einer Zunahme der Abschreibungen und Wertberichtigungen um 5,8 Prozent geführt. Der Personalaufwand nahm als Folge des Anstiegs der durchschnittlichen Anzahl an Angestellten pro Betrieb und wegen höherer Löhne um 5,9 Prozent zu.

Einkommensanstieg am stärksten in der Hügelregion

Das landwirtschaftliche Einkommen, das der Differenz von Ertrag und Aufwand entspricht, nahm durchschnittlich um 5,6 Prozent auf 67 800 Franken je Betrieb zu. Der Einkommensanstieg war mit 9,0 Prozent am stärksten in der Hügelregion. Dort haben die Erträge deutlich stärker als die Aufwände zugenommen. In der Tal- und Bergregion fiel er mit 4,2 bzw. 5,2 Prozent moderater aus. Dies ist darauf zurückzuführen, dass in beiden Regionen die Aufwände prozentual betrachtet fast gleich stark wie die Erträge gestiegen sind.

Höherer Arbeitsverdienst

Der Arbeitsverdienst entspricht dem landwirtschaftlichen Einkommen nach Abzug der kalkulatorischen Kosten für das Eigenkapital des Betriebs, auch Zinsanspruch genannt. Aufgrund des im Jahresdurchschnitt weiterhin negativen Zinssatzes für Obligationen der Eidgenossenschaft mit zehnjähriger Laufzeit entfiel 2017 der Zinsanspruch.

Der Arbeitsverdienst pro Vollzeit-Familienarbeitskraft widerspiegelt die Höhe der Entschädigung der auf dem Betrieb arbeitenden Familienarbeitskräfte. Aufgrund der gleichbleibenden Anzahl Familienarbeitskräfte pro Betrieb stieg der Arbeitsverdienst pro Familienarbeitskraft relativ betrachtet fast im gleichen Umfang wie das landwirtschaftliche Einkommen um 5,8 Prozent auf 49 900 Franken. Mit 62 300 Franken pro Familienarbeitskraft lag der Arbeitsverdienst in der Talregion höher als in der Hügel- und Bergregion (44 900 bzw. 37 900 Franken).

Ausserlandwirtschaftliches Einkommen steigt weiter

Das Gesamteinkommen eines landwirtschaftlichen Haushaltes setzt sich aus dem landwirtschaftlichen und dem ausserlandwirtschaftlichen Einkommen zusammen. Es steht den Bauernfamilien für den Privatverbrauch und zur Eigenkapitalbildung zur Verfügung. Das ausserlandwirtschaftliche Einkommen wird für die Betriebsgemeinschaften nicht erhoben. Somit kann das Gesamteinkommen nur für die Einzelunternehmen ohne Betriebsgemeinschaften berechnet werden.

Im Schweizer Mittel stieg das ausserlandwirtschaftliche Einkommen um 3,3 Prozent und betrug somit 31 600 Franken pro landwirtschaftlichem Haushalt. Aufgrund des gleichzeitigen Anstiegs des landwirtschaftlichen Einkommens nahm das Gesamteinkommen um 4,4 Prozent auf 96 200 Franken zu. Es ist am höchsten in der Talregion mit 110 400 Franken, im Vergleich zur Hügel- (89 800 Franken) und Bergregion (82 700 Franken). Dabei spielt das ausserlandwirtschaftliche Einkommen in der Hügel- und Bergregion eine wichtigere Rolle als in der Talregion. Sein Anteil am Gesamteinkommen betrug 37 und 36 Prozent im Gegensatz zu 29 Prozent in der Talregion.

Mittelfluss ebenfalls höher

Im Vergleich zur Erfolgsrechnung fokussiert sich die Mittelflussrechnung auf die Veränderung der liquiden Mittel. Sie gibt Auskunft darüber, ob am Ende des Jahres, unabhängig von nicht-liquiditätswirksamen Buchungen mehr oder weniger Geld verfügbar ist.

Gegenüber dem Vorjahr nahm der Geldzufluss aus Unternehmenstätigkeit um 9,9 Prozent auf 87 600 Franken zu. Er stieg somit stärker als das landwirtschaftliche Einkommen, dessen Anstieg unter anderem durch höhere Abschreibungen gemindert wurde. Hinzu kamen der Mittelfluss aus ausserlandwirtschaftlichen Tätigkeiten der Bauernfamilien, aber auch Ausgaben für deren täglichen Unterhalt. Es blieben 51 000 Franken übrig, wovon 47 500 Franken wieder investiert wurden.

Im Gegensatz zu den vorherigen zwei Jahren bestand somit aufgrund des guten Landwirtschaftsjahres ein Mittelüberschuss nach Privatausgaben und getätigten Investitionen von 3600 Franken. Dieser führte zusammen mit einer Kapitalbeschaffung (z.B. Aufnahme einer Hypothek) von durchschnittlich 4500 Franken zu einem Mittelüberschuss von insgesamt 8100 Franken pro Familie.

Hinter diesem Durchschnitt verbirgt sich jedoch eine grosse Streuung. Während die flüssigen Mittel für 61 Prozent der Betriebe zunahmen, verzeichneten 39 Prozent der Betriebe eine Mittelabnahme. Ähnlich heterogen verhielten sich die Betriebe bei Investitionen und der Kapitalbeschaffung. Die meisten Betriebe zahlten netto Schulden ab. Wenige investierten (z.B. für den Bau eines Stalles) sehr hohe Beträge, was oft mit einer Kapitalbeschaffung einherging.

Diese Entwicklungen zeigen die Ergebnisse von Agroscope, welche auf der Grundlage der Zufallsstichprobe «Einkommenssituation» der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten basieren.

Gesetzliche und methodische Grundlagen

In Auftrag des Bundes (Verordnung über die Beurteilung der Nachhaltigkeit in der Landwirtschaft, SR 919.118) erhebt die Zentrale Auswertung von Buchhaltungsdaten bei Agroscope jährlich die Buchhaltungsdaten einer Stichprobe von Landwirtschaftsbetrieben, um die Einkommenssituation in der Landwirtschaft zu analysieren. Für die Berechnung des landwirtschaftlichen Einkommens 2017 basieren die Ergebnisse auf einer Stichprobe bestehend aus 2199 zufällig ausgewählten Betrieben, die ihre Daten Agroscope für diesen Zweck zur Verfügung stellen. Im Rahmen der Auswertung werden die einzelbetrieblichen Daten gewichtet, damit die berechneten Statistiken die Einkommen der Schweizer Landwirtschaft möglichst realitätsgetreu abbilden (siehe Link).

Gemeinsamkeiten mit der Landwirtschaftlichen Gesamtrechnung (LGR) des Bundesamts für Statistik (BFS)

Das Bundesamt für Statistik (BFS) und Agroscope veröffentlichen zum gleichen Zeitpunkt zwei komplementäre Statistiken zur Beurteilung der wirtschaftlichen Lage der Landwirtschaft. Die Landwirtschaftliche Gesamtrechnung (LGR) des Bundesamts für Statistik (BFS) ermittelt die makroökonomische Lage auf Ebene Agrarsektor. Die LGR ist eine Synthesestatistik, die auf mehreren Datenquellen beruht und eine erste Schätzung des Ergebnisses des laufenden Jahres Anfang Herbst ermöglicht. Gleichzeitig werden die Zahlen der Vorjahre aktualisiert. Mit der LGR werden volkswirtschaftliche Grössen wie die Wertschöpfung und die Einkommensbildung des gesamten Landwirtschaftssektors ermittelt. Die Ergebnisse der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten (ZA-BH) von Agroscope zeigen die mikroökonomischen Verhältnisse für das Vorjahr, auf Basis einer zufälligen Stichprobe von Landwirtschaftsbetrieben und deren Buchhaltungen. Diese Ergebnisse sind definitiv, und beschreiben insbesondere die Entwicklung, Zusammensetzung und Verteilung von Einkommenskennzahlen der Landwirtschaftsbetriebe auf Ebene der Schweiz und der Landwirtschaftsregionen sowie der Betriebstypen. Diese beiden Statistiken des statistischen Mehrjahresprogramms des Bundes werden in der Verordnung über die Beurteilung der Nachhaltigkeit der Landwirtschaft (SR 919 118) erwähnt.

Obwohl es in beiden komplementären Statistiken ähnliche Kenngrössen gibt, wie z.B. die Entschädigung von Arbeit und Kapital, fallen die Ergebnisse der LGR und der ZA-BH aufgrund der abweichenden Zielsetzungen und verschiedenen Methoden unterschiedlich aus.

Detailliertere Erklärungen zu den Gemeinsamkeiten und Unterschieden zwischen den beiden Statistiken entnehmen Sie bitte der Veröffentlichung zu den beiden Barometern der Schweizer Landwirtschaft (siehe Link).

Weitere Informationen

Stephan Pfefferli, Dierk Schmid, Swetlana Renner, Daniel Hoop, Dunja Dux und Pierrick Jan, 2018: Die wirtschaftliche Entwicklung der schweizerischen Landwirtschaft 2017 - Hauptbericht Nr. 41 der Zentralen Auswertung von Buchhaltungsdaten (Stichprobe Einkommenssituation), siehe Link.

     


Adresse für Rückfragen

Daniel Hoop
Forschungsgruppe Betriebswirtschaft
Agroscope, Tänikon 1, 8356 Ettenhausen
daniel.hoop@agroscope.admin.ch
+41 58 480 32 42

Carole Enz
Mediendienst
Agroscope, Müller-Thurgau-Strasse 29, 8820 Wädenswil
carole.enz@agroscope.admin.ch
+41 58 460 62 72



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