Klima

Klima Wandel

Agroscope unterstützt die Schweizer Landwirtschaft darin, ihre klimaschädigenden Einflüsse zu reduzieren und sich an die Klimaveränderung anzupassen. Dazu bemessen Agroscope-Forschende auch den Ausstoss von Treibhausgasen und erfassen die Klimabelastung. Weiter quantifizieren sie die Auswirkungen des zukünftigen Klimas auf die Landwirtschaft und schätzen die mit dem Klimawandel einhergehenden Risiken und Chancen ab.

1. Klimaschutzmassnahmen

Tiere

Reduktion von Ammoniak- und Treibhausgas-Emissionen bei Milchvieh
Die Haltung von Nutztieren bringt Emissionen in Form von Ammoniak und Treibhausgasen wie Methan und Lachgas mit sich. Mit dem neuen Versuchsstall für Emissionsmessungen werden innovative Massnahmen zur Emissionsminderung weiterentwickelt und deren Minderungspotenzial überprüft, unter anderem zusammen mit der Industrie, der Empa sowie der ETH. 

Proteineffiziente Schweine
Rund 75‘000 Tonnen Soja für die Proteinversorgung, das meiste im Ausland produziert, gelangen jährlich in die Futtertröge der Schweizer Schweine. Beim Überprüfen der Fütterungsnormen für Schweine stellten Forschende von Agroscope Erstaunliches fest: Es gibt Schweine, die mit weniger Proteinen gleiche Leistungen erzielen. Das Fazit: Würden die Schweizer Schweineproduzenten ausschliesslich auf Tiere setzen, die mit weniger Proteinen auskommen, könnte die Schweiz vollständig auf Sojaimporte für die Mastschweinefütterung verzichten.

Rindermast mit Molke hat viele Vorteile
Das Projekt Lactobeef zeigt auf, wie mit der Haltung von Fleischrindern auf Alpbetrieben die bei der Alpkäseherstellung anfallende Molke umweltschonend verwertet wird. Dabei gibt es gleich mehrere Vorteile: Die Landwirtschaft generiert ein Zusatzeinkommen, die Entsorgung der leicht verderblichen Molke ist gelöst und die Umwelt profitiert durch die Reduktion des klimaschädigenden Methangases! Denn erste Studien haben ergeben, dass das Zusatzfutter Molke die umweltschädigenden Methanemissionen der Rinder um mehr als 30 Prozent senkt.   

Pflanzen 

Agroforstsystem erhöht Humusvorräte und dient damit als Kohlenstoffsenke
Bereits nach sieben Jahren bewirkte Agroforstsystem in der Zentralschweiz eine substanzielle Humusanreicherung von 18 Prozent, verglichen mit der kultivierten Fläche, und dies nicht nur im Oberboden, sondern bis in eine Tiefe von 60 cm. Moderne Agroforstsysteme beinhalten den kombinierten Anbau von Ackerkulturen mit Bäumen (sowohl Wertholzproduktion als auch Hochstammobst), welche mit moderner Agrartechnik bewirtschaftet werden können und ökonomisch attraktiv sind. Demzufolge haben diese produktiven Agroforstsysteme das Potenzial, einen bedeutenden Beitrag im Boden-, Klima- und Gewässerschutz zu leisten. 

Energieeinsparungen im Gewächshaus
Um die Energieeffizienz in den Gewächshauskulturen zu verbessern, gibt es im Wesentlichen zwei Wege: den Energieverbrauch ohne Ertragseinbussen zu senken oder die Produktion pro Energieeinheit zu steigern. Die Forschungstätigkeit von Agroscope konzentriert sich auf die erste Strategie: Zum einen werden Versuche mit integrierter Temperaturführung durchgeführt. Auf der anderen Seite wird der Einsatz von Energieschirmen in Abhängigkeit von Aussentemperatur und Strahlungsintensität geprüft. 

Soja – die klimaschonende Proteinquelle
Soja ist weltweit eine der wichtigsten Proteinquellen. Durch die sich verändernden Ernährungsgewohnheiten gewinnt der Soja als Sojamilch oder Tofu als Lebensmittel in der Schweiz an Bedeutung. Seit über 30 Jahren trägt Agroscope mit seinem Züchtungsprogramm an GVO-freiem Soja zum Erfolg dieser Kulturpflanze auf dem europäischen Kontinent bei. So stehen heute viele ertrag- und proteinreiche Sorten mit ausgezeichnetem Geschmack zum Anbau zur Verfügung. Agroscope leistet damit einen Beitrag zu Erwerbsalternativen der Schweizer Landwirtschaft und fördert eine nachhaltige lokale Lösung.

Umwelt 

Gesünder essen schont die Umwelt
Die Umweltwirkungen unserer Ernährung könnte um über 50 Prozent gesenkt werden, wenn sich die Schweizer Bevölkerung bedarfsgerecht gemäss Lebensmittelpyramide ernährt und weniger Nahrungsmittel wegwirft. Dies zeigen neueste Modellrechnungen von Agroscope in der Studie: Umwelt- und ressourcenschonende Ernährung: Detaillierte Analyse für die Schweiz (nur in Deutsch) Agroscope Science Nr. 55 / 2017

Klimaschonender Umgang mit dem Bodenhumus
Bei mineralischen Böden soll die Nutzung möglichst ein Gleichgewicht an Kohlenstoffeintrag und –abbau anstreben. Dies kann z.T. durch geeignete Fruchtfolgen, Zwischenkulturen, organische Düngung und Bewirtschaftung der Ernterückstände erreicht werden. Ein einfaches Tool zur Abschätzung der Bewirtschaftung auf den Bodenkohlenstoff solcher Böden ist der Humusbilanzrechner. Moorböden und andere anoxische Böden speichern besonders grosse Mengen an Kohlenstoff. Durch Entwässerung wird dieser Kohlenstoff als CO2 freigesetzt. Bei ihnen trägt die herkömmliche Landnutzung zu einer massiven Freisetzung von Treibhausgasen bei, die nach derzeitigem Wissenstand bei normaler landwirtschaftlicher Nutzung nicht vermieden werden kann. Eine extensive naturschutzgerechte Nutzung, insbesondere mit Rohrglanzgras, Erle oder Schilf könnte diesen Abbau stoppen (http://www.paludiculture.uni-greifswald.de/de/index.php). In einem neuen Forschungsprojekt untersucht Agroscope zusammen mit der Universität Basel auf einem Betrieb im St. Galler Rheintal aber auch die Möglichkeit, den Torfverlust durch Überschüttungen mit Mineralbodenmaterial zu reduzieren und dabei gleichzeitig die Produktionsfunktion des Bodens aufrecht zu halten.

Kontakt: Jens Leifeld, jens.leifeld@agroscope.admin.ch

Punktesystem Klimaschutz auf IP-SUISSE Labelbetrieben im Aufbau
IP-SUISSE hatte vor 8 Jahren gemeinsam mit der Schweizer Vogelwarte das Punktesystem Biodiversität und Ressourcenschutz ins Leben gerufen, welches sehr positive Resultate erbringt. Ähnliches möchte IP-SUISSE nun für den Klimaschutz lancieren.

Zur Erreichung der Ziele in der Klimastrategie des BLW sind vermehrte Anstrengungen notwendig. Im Ressourcenschutz engagierte Landwirte sind dabei treibende Kräfte. So hat IP-SUISSE eine Vorstudie bei Agoscope in Auftrag gegeben mit dem Ziel, erfolgsversprechende Massnahmen im Bereich „Reduktion von Treibhausgasemissionen“ ökologisch und ökonomisch zu analysieren.

Basierend auf den Resultaten dieser Vorstudie testet IP-SUISSE gemeinsam mit Agroscope (wissenschaftliche Begleitung) und TSM Treuhand GmbH (Erhebungen auf den Betrieben) ein Punktesystem Klimaschutz. Dazu werden rund 30 Pilotbetriebe in 3 unterschiedlichen Regionen bezüglich deren Anstrengungen beim Klimaschutz mittels Klimabilanz zu überprüft. Ziel ist es, das die IP-SUISSE Betreibe die Treibhausgasemissionen bis 2022 gegenüber heute um 10% reduzieren. Das Projekt wird zu einem grossen Teil durch das Bundesamt für Landwirtschaft finanziert und dauert von März 2016 bis März 2022.

Kontakt: Daniel Baumgartner, daniel.baumbartner-walt@agroscope.admin.ch

Fritz Rothen, IP-SUISSE, Zollikofen, rothen.fritz@ipsuisse.ch 

Wunderwaffe Pflanzenkohle?
Zu Pflanzenkohle umgewandelte Pflanzenreste werden vermehrt in der Landwirtschaft eingesetzt. Hier konnte bereits gezeigt werden, dass sich durch die Ausbringung solcher Kohle die Lachgasemissionen aus landwirtschaftlich genutzten Böden verringern lassen (https://www.soil-journal.net/1/707/2015/soil-1-707-2015.pdf; http://iopscience.iop.org/article/10.1088/1748-9326/11/8/084013/pdf ). In einem Ressourcenprojekt untersucht Agroscope derzeit im AgroCO2ncept Flaachtal (http://www.agroco2ncept.ch) die Möglichkeit, den Humusgehalt intensiv landwirtschaftlich genutzter Böden durch Pflanzenkohle zu erhöhen (hier auch Link zum entsprechenden Interview einfügen: SRF1, Schweiz aktuell, 11. Juli 2017, Wunderwaffe Pflanzenkohle)

Kontakt: Jens Leifeld, jens.leifeld@agroscope.admin.ch

2. Massnahmen zur Anpassung an die Klimaveränderung

Tiere 

Massnahmen gegen die zunehmenden Schadinsekten
Die Klimaerwärmung hat auch ihren Einfluss auf Schadinsekten. So wird zum Beispiel erwartet, dass sich beim Apfelwickler durch die längere Wärmeperiode drei Generationen im Jahr entwickeln werden. Dies wiederum bedarf einer Anpassung der Bekämpfungsstrategien. Konkret müssen Prognosemodelle angepasst und erweitert werden und die Frühwarnsysteme ausgebaut werden. Damit kann situationsbedingt ein effizienter, flexibler und nachhaltiger Pflanzenschutz basierend auf vorbeugenden Massnahmen und einem ausreichenden Wirkstoffspektrum gewährleistet werden.

Sibylle Stöckli, Forschungsinstitut für biologischen Landbau FiBL, Frick, sibylle.stoeckli@fibl.org

Pilze gegen den eingewanderten Japankäfer
Im Tessin wurde im Juni 2017 erstmals in der Schweiz der Japankäfer (Popillia japonica) nachgewiesen. Er gilt als Quarantäne-Schädling und ist daher der obligatorischen Bekämpfung unterstellt. Agroscope-Forschende testeten, ob er mit Pilzen in die Schranken gewiesen werden kann, die bei Mai- und Junikäfern wirken. Die ersten Versuche waren sehr erfolgversprechend. 

Schadorganismen-Szenarien für die Landwirtschaft

Agroscope untersucht in Zusammenarbeit mit dem Forschungsinstitut für Biolandbau FiBL der Eidgenössischen Forschungsanstalt für Wald, Schnee und Landschaft WSL und der ETH Zürich wie sich die Klimaänderung auf Schadorganismen in der Landwirtschaft auswirken könnte. Im Kern der Arbeit steht die Modellierung sowohl der Entwicklung und Ausbreitung von Schädlingen als auch der Phänologie wichtiger Kulturpflanzen. Die Arbeit stützt sich auf neueste Klimadatensätze und Klimaszenarien.

Diese Forschungsarbeiten erfolgen im Rahmen des Netzwerks für Klimadienstleistungen, das "National Center for Climate Services NCCS"(Ab 2019: www.nccs.ch). Es wurde im Herbst 2015 ins Leben gerufen und hat zum Ziel Informationen und Daten über das vergangene, heutige und zukünftige Klima und seine Folgen bereitzustellen. Mit Blick auf die möglichen Folgen des Klimawandels für unsere Gesellschaft, sollen die Klimadienstleistungen Behörden, Politik und Wirtschaft bei der Erkennung von klimabedingten Risiken und Chancen unterstützen.

Kontakte: Pierluigi Calanca (pierluigi.calanca@agroscope.admin.ch) Dominique Mazzi (dominique.mazzi@agroscope.admin.ch

Studien zu Futterpflanzen für die Tierernährung sind im Abschnitt „Pflanzen“ zu finden

Pflanzen 

Wie sich der Klimawandel auf den Maisanbau in der Schweiz auswirkt
Die globale Erwärmung verändert die Bedingungen für den Pflanzenbau, was anhand der Klimaeignung für Mais flächendeckend für die Schweiz untersucht wurde. Mit der Klimaerwärmung dehnt sich die geeignete Anbaufläche in höheren Lagen aus und nimmt in tieferen Lagen längerfristig ab. Dies ist vor allem so, weil Limitierungen durch Hitzestress im Mittelland zunehmen und es aufgrund beschleunigter Entwicklung zu Ertragsminderungen kommen kann. Ein Wechsel zu Sorten mit höheren Temperaturbedürfnissen sowie vermehrte Bewässerung könnten als Anpassungsmassnahmen ergriffen werden. (Link auf Holzkämper, Agrarforschung Schweiz 6 (10): 440–447, 2015) 

Auswirkungen von Trockenperioden auf Wiesen
Trockenperioden haben einen Einfluss auf den Ertrag von Wiesen, weniger aber auf die botanische Zusammensetzung. Die Studie suchte nach aussagekräftigen Indikatoren zur Beurteilung der Intensität von Trockenheitsperioden. Zudem wurde der Einfluss der Trockenheit auf den Nährwert des Wiesenertrags sowie zur Auswirkung auf die botanische Zusammensetzung beobachtet.  (Link auf Meisser, Agrarforschung Schweiz 6 (9): 400–407, 2015)

Die Esparsette trotzt der Trockenheit: Neue Mischung mit Esparsette

In Zeiten des Klimawandels sind Pflanzen gesucht, die auch bei längerer Trockenheit noch gute Erträge liefern. Auch hier hat die tiefwurzelnde Esparsette etwas zu bieten. Die sonnenliebende Pflanze gedeiht am besten auf kalkhaltigen Böden und ist aufgrund des hohen Proteingehaltes eine wertvolle Futterleguminose. 

Anpassungen des Futterbaus an Klimaerwärmung im Kanton Waadt
Die einschneidenden Trockenperioden der Jahre 2014 und 2016 befeuerten die Diskussionen im Kanton Waadt, wie die Futterproduktion an die Klimaerwärmung anzupassen sei. Insbesondere der Jura war durch die Trockenheit stark betroffen. In der wirtschaftlich angespannten Situation, in der die Milch- und Fleischpreise kaum die Kosten decken, sind andere Wege als der Einkauf von Futter gefragt. Die Studie zur Vorbereitung der Futterproduktion an die Klimaerwärmung (in Französisch Préparation de la production fourragère au changement climatique.) zeigte, dass eine Optimierung der Futterproduktion im Frühjahr sowie die weitere Ausdehnung auf die kostengünstige Weide anzustreben sind. Der hohe Viehbesatz und der Kuhtyp müsste in vielen Fällen angepasst werden. Weiterer Spielraum besteht in der guten regionalen Zusammenarbeit mit Getreidebetrieben und dem Ausbau der Kunstfutterproduktion mit trockenheitsbeständigen Leguminosen, um die Nachfrage und das Angebot an Futter in ein nachhaltiges Gleichgewicht zu bringen. Die Forschungsarbeiten dazu waren Teil des BAFU-Pilotprogramms „Anpassung an den Klimawandel“.

Kontakte: Marco Meisser (marco.meisser@agroscope.admin.ch) Pierluigi Calanca (pierluigi.calanca@agroscope.admin.ch

Umwelt 

Agroscope-Beitrag im BAFU Pilotprogramm „Anpassung an den Klimawandel“
Im Jahr 2013 rief das Bundesamt für Umwelt (BAFU) das Pilotprogramm „Anpassung an den Klimawandel“ auf. Beteiligt waren weiter die Bundesämter für Bevölkerungsschutz (BABS), Gesundheit (BAG), Landwirtschaft (BLW), Raumentwicklung (ARE) und Lebensmittelsicherheit und Veterinärwesen (BLV). Ziel des Programms war, Kantone, Regionen und Gemeinden beim Umgang mit den Herausforderungen des Klimawandels zu unterstützen. Von den insgesamt eingereichten 105 Projekten wurden 31 ausgewählt, die in fünf thematischen Clustern zusammengefasst wurden.

Die Abschlusstagung des Pilotprogramms fand am 17. Oktober 2017 statt. Dort wurde auch das Folgeprogramm vorgestellt. (https://www.bafu.admin.ch/bafu/de/home/themen/klima/fachinformationen/anpassung-an-den-klimawandel/pilotprogramm-anpassung-an-den-klimawandel.html).

Die Landwirtschaft ist vom Klimawandel direkt betroffen. Aus diesem Grund war Agroscope an verschiedenen Projekten in den Cluster „Umgang mit lokaler Wasserknappheit“ und „Ökosysteme und Landnutzung“ mit folgenden Projekten beteiligt: (Link auf die folgende Projekte einfügen:

Wie steht es um den Bewässerungsbedarf im Kanton Basel-Landschaft?

Wirtschaftlichkeit der Bewässerung im Kanton Basel-Landschaft

Online-Prognosen zur Wasserknappheit für die Drei-Seen-Region

Anpassungen des Futterbaus an Klimaerwärmung im Kanton Waadt

Indexbasierte Versicherung gegen Trockenheit und übermässigen Niederschlag 

Wie steht es um den Bewässerungsbedarf im Kanton Basel-Landschaft?
Agroscope stellte im Auftrag des Kantons Basel-Landschaft die Grundlagen für die Abschätzung des Bewässerungsbedarfs zusammen. Diese Basis ermöglicht eine gute Planung der Wasserreserven und des Wasserbedarfs verschiedener Nutzer, einschliesslich der Landwirtschaft. Die Forschungsarbeiten dazu waren Teil des BAFU-Pilotprogramms „Anpassung an den Klimawandel“. (https://www.bauernzeitung.ch/media/106438638/grundlagen_fu-r_die_abscha-tzung_des_bewa-sserungsbedarfs_im_kanton_basel-landschaft-1.pdf) Publikation (s. Ablage unten) im rechten Rand beilegen, falls man sie veröffentlichen darf)

Fuhrer, J., Smith, P., 2015: Grundlagen für die Abschätzung des Bewässerungsbedarfs im Kanton Basel-Landschaft. Agroscope, 30 S. 

Wirtschaftlichkeit der Bewässerung im Kanton Basel-Landschaft
Agroscope-Forschende untersuchten die Wirtschaftlichkeit der Bewässerung für die sechs Kulturen Winterweizen, Körnermais, Kunstwiese, Kartoffeln, Erdbeeren und Kirschen im Kanton Basel-Land. Dabei wurden drei Bodentypen und drei Klimaszenarien unterschieden. Die Resultate fielen je nach Kultur sehr unterschiedlich aus. Während sich bei Winterweizen und Kunstwiese die Bewässerung nie lohnt, lohnt sie sich bei Körnermais bei tiefgründigen Böden. Im Falle von Kartoffeln macht die Bewässerung bei starkem Klimawandel aus wirtschaftlicher Sicht Sinn. Bei Erdbeeren und Kirschen ist die Bewässerung in allen untersuchten Fällen wirtschaftlich von Vorteil. Die Forschungsarbeiten dazu waren Teil des BAFU-Pilotprogramms „Anpassung an den Klimawandel“.

Zorn P., Lips, M., 2016: Wirtschaftlichkeit der Bewässerung ausgewählter Kulturen im Kanton Basel-Landschaft. Agroscope, 34 S. 

Online-Prognosen zur Wasserknappheit für die Drei-Seen-Region
Mit dem Klimawandel steigt in Regionen mit intensiver Landwirtschaft das Risiko von Wasserknappheit vor allem in den Einzugsgebieten von Glatt-Töss, Birs oder Broye-Mentue (Link auf Fuhrer, AFOS 5(6): 256-263, 2014). Das Online-Vorsheragetool auf der Internet-Plattform swissrivers.ch dient dazu, den Bewässerungsbedarf für die einzelnen Kulturen und die vorhandenen Wasserressourcen zu bestimmen. Das Simulationsmodell für diese Region erlaubt es, die kritischen Situationen in Trockenperioden frühzeitig zu erkennen. Damit kann die Landwirtschaft ihren Wassergebrauch optimieren und die vorhandenen Wasserressourcen schützen. Das Tool dient auch als Grundlage für Bewilligungen und Verbote der Wasserentnahme. Die Forschungsarbeiten dazu waren Teil des BAFU-Pilotprogramms „Anpassung an den Klimawandel“.

Fuhrer, AFOS 7 (5): 232-239, 2016 Pronostics en ligne en cas de pénurie d’eau.

Link: Radiobeitrag Seeländer Bauern müssen mehr bewässern. 

Indexbasierte Versicherung gegen Trockenheit und übermässigen Niederschlag
Für die Versicherung Schweizer Hagel entwickelte Agroscope zwei neue Referenzindizes, um die Trockenheit und den übermässigen Niederschlag während der Futterernte zu bestimmen. Die Indizes wurden in eine online Plattform integriert (Swissagroindex) die täglich und räumlich die aktuelle Abweichung der Niederschlagssumme vom langjährigen Mittelwert für die gleiche Periode zeigt (siehe Hagel-Info).

Kontakt: Pierluigi Calanca (pierluigi.calanca@agroscope.admin.ch) Hansueli Lusti (Schweizer Hagel, info@hagel.ch

Welche Auswirkungen hat die Klimaveränderung auf Bewässerung und Grundwasser
Das Projekt AgriAdapt untersucht dies für die Wassererführung im Seeland und entwickelt Anpassungsstrategien, um das langfristige Risiko von Fehlanpassungen zu senken. AgriAdapt wird von Agroscope sowie den Universitäten Bern und Neuenburg durchgeführt https://www.bafu.admin.ch/bafu/en/home/topics/water/info-specialists/state-of-waterbodies/state-of-watercourses/water-flow-and-flow-regime-in-watercourses/climate-change-and-hydrology/hydro-ch2018/projects.html.

Erfassen von Klimabelastung und Klimaveränderung 

Treibhausgasemissionen der Schweizer Landwirtschaft belasten das Klima

Die Land- und Ernährungswirtschaft ist eine bedeutende Verursacherin von Treibhausgasemissionen. Gemäß dem schweizerischen THG-Inventar betrug der Anteil des Landwirtschaftssektors an den Gesamtemissionen der Schweiz 2015 12,6%. Berücksichtigt man jedoch auch die weiteren Emissionen der Nahrungsmittelbereitstellung, so trägt die Ernährung mit 17% zu den THG-Emissionen des Endkonsums in der Schweiz bei. Pro Jahr und Einwohner werden in der Schweiz im Durchschnitt ungefähr 2 Tonnen CO2 Äquivalent für die Ernährung ausgestossen, wobei sich diese Zahl seit 1990 kaum verändert hat. Als Grundlage für Reduktionsstrategien und Wirkungskontrollen dienen Emissionsinventare. (Link einfügen Bretscher Agrarforschung Schweiz 5 (11–12): 458–465, 2014)

Neu entwickelt Agroscope auch ein modellgestütztes System, um die Veränderungen der Humusvorräte in landwirtschaftlichen Böden zu quantifizieren. Während die Humusbilanz (Humusbilanzrechner) als Entscheidungswerkzeug für den Betrieb gedacht ist, dient das modellgestützte System der Abbildung der gesamten Landesfläche im Treibhausgasinventar. 

Die Klimastrategie der Landwirtschaft der Schweiz sieht Handlungsbedarf sowohl auf der technischen, betrieblichen und organisatorischen Ebene. Link auf Medienmitteilung. Aber auch auf der Verbraucherseite ist die Förderung einer klimaschonenden Ernährungsweise angezeigt. Mit der bisherigen Minderungsrate kann das Ziel, die THG-Emissionen bis 2050 um mindestens einen Drittel gegenüber 1990 zu senken, jedoch nicht erreicht werden. Weitere Anstrengungen sind notwendig. Die landwirtschaftliche Forschung soll dafür die Grundlagen bereitstellen. 

Abschätzung der Flächen der drainierten Moorböden der Schweiz

Entwässerte Moorböden sind Hotspots für Treibhausgasemissionen. Im Rahmen der Klimaberichterstattung des Bundesamts für Umwelt wurde ein Inventar der Entwässerten und landwirtschaftlich genutzten Moorböden erstellt (https://www.agroscope.admin.ch/agroscope/de/home/publikationen/suchen/agroscope-science.html). Die entsprechenden Flächen belaufen sich auf ungefähr 17‘500 Hektar. Die Lachgas- und CO2-Emissionen dieser Flächen wird auf 650 kt CO2 äquivalent geschätzt, was in etwa 10% der Emissionen des Landwirtschaftssektors entspricht. (https://www.bafu.admin.ch/bafu/en/home/topics/climate/state/data/climate-reporting.html

Messung von Treibhausgasemissionen über Weidesystemen

Die Messung von Treibhausgasemissionen und Ammoniak über Weidesysteme stellt hohe Ansprüche an die Messtechnik. In Posieux werden seit 2012 Emissionen von CO2, N2O, CH4 und NH3, u.a. mit der sogenannten Eddy-Covarianz-Methode gemessen. Die Resultate liefern Aufschluss über den Beitrag der einzelnen Gase zu den Gesamtemissionen und erlauben die Berechnung einer Gesamttreibhausgasbilanz. Sie dienen zudem als Validierung der Emissionsfaktoren im nationalen Treibhausgasinventar und geben Anhaltspunkte über mögliche Reduktionsstrategien. (https://www.research-collection.ethz.ch/handle/20.500.11850/109749)