Becker A.
Schweizer Zeitschrift für Obst- und Weinbau. 147, (15), 2011, 4-7
Zusammenfassung: Eine Ertragslimitierung mit dem Ziel der Qualitätssteigerung durch Grünlese ist in
Weinjahren mit früher Ernte – wie sich das für 2011 wieder abzeichnet – nicht ganz
bedenkenlos. Das Wegschneiden ganzer Trauben verstärkt infolge von Kompensationseffekten
das gegenseitige Abquetschen der Beeren, was besonders unter noch
spätsommerlichen Temperaturen im bereits zuckerhaltigen Gewebe rasch zu Botrytisinfektionenführen kann.
Wenn überhaupt, sollte daher die Grünlese nur noch
in geringem Umfang unter wettermässig kühlen Bedingungen erfolgen und generell
nur bei lockerbeerigen Sorten angewendetwerden. Als Alternativen stehen andere
ertragssenkende und gleichzeitig fäulnismindernde Massnahmen wie eine
frühe Entlaubung und die Traubenhalbierung zur Verfügung. Solchen qualitätsschonenden
Ansätzen sollte im Premium-Weinbau unbedingt der Vorzug gegeben
werden. Insbesondere, da sich in diesem Segment ein erhöhter Arbeitsaufwand
auch vom wirtschaftlichen Gesichtspunkt her meist rechnet.